Ich möchte meine Erfahrung mit Airbnbs Schadensverfahren teilen, weil sie aus meiner Sicht besonders für Familien mit kleinen Kindern eine Warnung sein sollte und auch zeigt, wie sich AirBnb über geltendes EU-Recht hinwegsetzt.
Nach einem kurzen Aufenthalt von zwei Nächten mit meinen beiden kleinen Kindern behauptete der Gastgeber, wir hätten einen winzigen Fadenzieher im Bezug eines roten Sofas verursacht. Zusätzlich verlangte er Geld für angeblich zusätzliche Reinigung.
Airbnb hat die Reinigungsforderung offenbar nicht zugesprochen. Beim Sofa entschied Airbnb jedoch gegen mich: Der Gastgeber hatte ursprünglich 800 EUR verlangt, Airbnb reduzierte den Betrag auf 200 EUR mit dem Hinweis auf Reparaturpreise im mittleren Marktsegment.
Das beantwortet aber nicht die entscheidende Frage: Wo ist der Nachweis, dass das Sofa vor unserem Check-in an genau dieser Stelle unbeschädigt war?
Es gab kein Übergabeprotokoll beim Check-in, keine Inventarliste und keine datierten Vorher-Fotos des Sofabezugs. Sämtliche Bilder, auf die sich der Gastgeber und Airbnb stützen, wurden erst nach unserer Abreise aufgenommen. Sie zeigen einen sehr kleinen, lokal begrenzten Fadenzieher, der auf Übersichtsaufnahmen kaum sichtbar ist und erst auf einer Nahaufnahme deutlich wird.
Das Sofa war nach den später vorgelegten Unterlagen fast acht Jahre alt. Es war 2018 von der Vorbesitzerin gekauft und dem Gastgeber 2022 zum Verkauf angeboten worden. Die Unterkunft wurde regelmäßig über Airbnb vermietet. Das beweist nicht, dass der Defekt schon vorher vorhanden war. Aber ohne dokumentierten Zustand beim Check-in beweist es auch nicht, dass meine Reisegruppe ihn verursacht hat.
Wer Geld für einen behaupteten Schaden verlangt, muss nachvollziehbar belegen, dass dieser Schaden während des Aufenthalts entstanden ist und durch den Gast verursacht wurde. Das ist EU-Recht. Ein Foto nach dem Checkout beweist lediglich, dass ein kleiner Defekt danach sichtbar war. Es beweist nicht, dass der Defekt vorher nicht vorhanden war, wann er entstand oder wer ihn verursacht hat.
Meine Privathaftpflichtversicherung übernimmt die weitere Prüfung und Verteidigung des Falls. Sie sieht ebenfalls als entscheidend an, dass kein belastbarer Nachweis vorliegt, dass der Sofabezug unmittelbar vor unserem Check-in an der beanstandeten Stelle unbeschädigt war. Airbnb weigert sich jedoch, im AirCover-Verfahren direkt mit meiner Haftpflichtversicherung zu kommunizieren. Airbnb führt die Kommunikation und Beweiswürdigung ausschließlich mit mir als Gast.
Für mich ist das ein erhebliches Problem: Airbnb, ein US-amerikanischer Konzern, trifft intern eine Haftungsentscheidung und verlangt Geld, obwohl die entscheidende Beweisfrage aus meiner Sicht offen geblieben ist. Die europäischen Nutzungsbedingungen werden zwar über Airbnb Ireland UC abgewickelt und erkennen an, dass zwingender Verbraucherschutz des Wohnsitzlands weiter gilt. In meiner Erfahrung fühlte sich das Verfahren jedoch nicht wie ein fairer, verbraucherorientierter Prozess an.
Das praktische Machtgefälle ist offensichtlich: Airbnb kann eine interne Entscheidung treffen und eine Zahlungsart belasten. Der Gast muss sich selbst verteidigen. Eine gerichtliche Klärung über 200 EUR ist grenzüberschreitend wirtschaftlich oft unsinnig — genau deshalb können solche Forderungen so wirksam Druck ausüben, selbst wenn die Beweislage dünn ist.
Meine persönliche Konsequenz: Ich werde Airbnb nicht mehr nutzen und würde anderen Familien raten, sich sehr genau zu überlegen, ob sie dort buchen wollen. Wer mit kleinen Kindern reist, hat zwangsläufig mehr Gepäck, mehr Unruhe und mehr Berührungspunkte mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Wenn ein winziger, nachträglich entdeckter Defekt ohne dokumentierten Vorzustand ausreicht, um in ein 200-EUR-Schadensverfahren zu geraten, ist das für Familien ein unvertretbares Risiko.
Falls ihr dennoch Airbnb nutzt: Dokumentiert beim Check-in die komplette Unterkunft wie bei einer Mietwagenübernahme. Macht ein durchgehendes Video und Fotos von Sofas, Polstern, Teppichen, Möbeln, Wänden, Böden und allen empfindlichen Gegenständen. Meldet auch kleinste vorhandene Mängel sofort über die Airbnb-App.
Ich behaupte nicht, dass alle Gastgeber oder alle Airbnb-Fälle so ablaufen. Aber meine Erfahrung zeigt: Verlasst euch nicht darauf, dass Airbnb bei einem späteren Schadenfall automatisch zugunsten des Gasts entscheidet oder dass eine fehlende Vorher-Dokumentation den Anspruch stoppt.