r/Schreibkunst Jun 22 '26

Info Mehrere Feedback-Posts hintereinander werden gelöscht

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Wir stellen immer wieder fest, dass einzelne Nutzer innerhalb kürzerster Zeit (manchmal Minuten) mehrere Beiträge hintereinander veröffentlichen und um Feedback bitten. Dafür haben wir Verständnis, dennoch hat dieses Verhalten einige unerwünschte Auswirkungen:

  • Eigene frühere Beiträge werden durch die nachfolgenden Posts im Feed nach unten gedrängt und dadurch weniger gesehen oder gelesen.
  • Auch die Beiträge anderer Nutzer verlieren an Sichtbarkeit, insbesondere wenn mehrere bild- oder screenshotlastige Beiträge hintereinander erscheinen.
  • Wer den Feed in kurzer Zeit mehrfach für sich beansprucht, kann bei anderen aktiven und hilfsbereiten Mitgliedern den Eindruck mangelnder Rücksichtnahme erwecken. Das verringert nicht selten auch die Bereitschaft, konstruktives Feedback zu geben.
  • Am wichtigsten ist jedoch: Ein noch wachsendes Subreddit wirkt schnell unmoderiert und verwahrlost, wenn der Feed von einzelnen Nutzern dominiert wird. Das kann potenzielle neue Mitglieder abschrecken und schadet der Entwicklung der gesamten Community.

Wir bitten daher alle Nutzer, nach einem Post zunächst etwas Geduld mitzubringen und ausreichend Zeit verstreichen zu lassen, mindestens ein paar Tage, bevor ein weiterer Beitrag veröffentlicht wird.

Mehrere Feedback-Anfragen in kurzer Folge sind künftig nicht erwünscht. Entsprechende Beiträge werden von der Moderation konsequent entfernt.

Vielen Dank für euer Verständnis!

PS: Einwände sind natürlich gern gesehen, gleich hier in den Kommentaren.


r/Schreibkunst Mar 25 '26

Info Beitragsflairs erklärt

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Uns fällt auf, dass Flairs häufig falsch gesetzt werden. Passende Flairs helfen dabei, Beiträge leichter zu finden und den Feed übersichtlich zu halten. Deshalb hier eine kurze Orientierung:

  • Text: Kritik erwünscht: Für eigene Texte, Roman- oder Drehbuchideen, zu denen du Feedback oder Kritik suchst.
  • Text: Analyse & Diskussion: Für die gemeinsame Besprechung und Analyse von Texten – in der Regel veröffentlichte Werke oder Texte etablierter Autoren, etwa im Hinblick auf Stil, Struktur oder andere Aspekte des Schreibens. (Siehe Erklärung).
  • Schreibhandwerk: Für Fragen und Gedanken rund ums Schreiben, z. B. zu Worldbuilding, Figuren, Plot, Stil, Dramaturgie oder ähnlichen Themen.
  • Gesucht: Testleser oder Lektoren: Wenn du Test-, Beta-, Probe- oder Gegenleser, Korrektoren oder Lektoren für dein Projekt suchst.
  • Gesucht: Schreibpartner oder Autoren: Wenn du Mitstreiter, Schreibgruppen oder (Auftrags-)Autoren suchst.
  • Schreibtagebuch: Für persönliche Einblicke in deinen Schreibprozess – Für allgemeine Mitteilungen bzgl. des Schreibens: Fortschritte, Erfahrungen, Meilensteine oder Gedanken rund ums Autorenleben.
  • Meta: Für Feedback, Fragen oder Anregungen zur Moderation oder zum Subreddit allgemein.

Vielen Dank, dass du den passenden Flair wählst.


r/Schreibkunst 11h ago

Text: Kritik erwünscht es ist okay, Papa

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Papa, um dich zu lieben,
beinahe will ich lachen,
ist am Ende mir geblieben
das Geständnis dir zu machen,
was du zum Vorwurf mir gemacht,
weil du’s, wie ich, zerdacht,
bis zu deinem letzten Gang
als mir kein Gefühl gelang,
wo Tränen aufrecht scheinbar fielen
in einem kalten Abgesang,
musst‘ ich meine Trauer spielen,

Papa, kannst du es lesen,
die Leere, sie war gut gemeint,
du wurdest, bist gewesen,
weil du selber nie um dich geweint,
du gingst und bist gegangen
aus dir, in dir gefangen
und liegst unter dem, dazu begraben,
was bis zum Schluss sie drauf noch gaben.
Ich weiß, dass es dich traurig macht
wird zu „Fußballhymnen“ dir gedacht,
wenn du siehst, hier ist es Nütze
was am Ende dich nach dort gebracht
und eingesargt in Kochmütze,

Papa, du hast gehasst,
was dich vor diesem Leben schützte,
was zum Überleben passt
zum Leben aber dir nie nützte,
Papa, ich hab’s gespürt,
dass sie hin zum Schluss dich führt,
die Hoffnung, bis zum Schluss gelogen,
hat den Schlussstrich längst gezogen,
das erste, letzte Mal in deinen Armen
in dem du mich zum Mensch erzogen
war ein Abschiedsgruß im Warmen,

Papa, es war zu kalt,
zu kalt, zu kalt in deinem Herzen,
dieses Leben dir zu alt
und die unbeweinten Schmerzen
und die Zweifel und kein Glück
und dieser Weg und kein zurück.
Papa, ich weiß du bist gestorben
weil du keinen eignen Schritt auf deinem Stück
gingst, denn diese Erde ist verdorben,

Papa, was sie auch sagen,
nur zu! nur zu! nur zu!,
weil mich deine Zweifel plagen,
warst du ich und ich bin du,
weil mir von dir blieb, dich zu hassen
hast du am Ende mir gelassen,
den Grund für mich, den Grund dafür,
ein zu Haus‘, die Welt zu fassen
mit deinen Namen an der Tür.

Papa, ich hatte bloß nicht angenommen,
weil ich glaubte, glaubte gern,
für echte Liebe müsst‘ es weit kommen,
dass weit die echte Nähe fern,
dass wir Nahe dem Verderben,
dass manche Menschen müssen sterben
damit am Ende einmal eben
einmal Menschen Menschen erben,
einen echten Grund zum Leben,

Papa, kannst du es sehen,
diese Träne wird uns einen
zu der wir bald gemeinsam stehen,
wo lachend wir uns bald beweinen,
dort genau zur Welt wird kommen,
was du seit Anfang mir genommen
was für dich war längst verloren
als du selbst zur Welt gekommen
wird genau dort neu geboren,

wo wir gemeinsam schweigen,
dort werde ich mich zu dir legen,
wo wir der Welt uns zeigen,
wir gemeinsam graue Gassen fegen,
wir für alle! Alle! Alle! Alle! Jeden!,
über alle, alle, alten Reden
unsre innre Stelle legen,
dort wird frischer Wind die Ahnung prägen
und das bunte Laub alter Bäume
unter’m grau doch Farben offen legen
im warmen Klima alter Träume,

am Orte, wo wir uns verstecken,
wo ich, Papa, dich liebe,
werden Worte uns wie Laub bedecken,
unter welken Blumen, totem Triebe,
unter kaltem Glanz, toten Erden,
was wir seit jeher überwinden,
wird am Schluss lebendig werden,
was im Tode bloß wir finden,
wird am Schluss lebendig werden,

wird aus sechs Fuß tief zum Himmel schreien
und uns ein Lebensliedchen singen
und unter allen uns befreien,
wird’s dabei nach uns bloß klingen.

https://makaveli85.wordpress.com/2026/08/31/es-ist-okay-papa-3/


r/Schreibkunst 20h ago

Text: Kritik erwünscht Testleser:innen für die ersten 3 Kapitel eines humorvollen Dating-Romans gesucht

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Hallo zusammen 😊

ich suche ein paar Testleser:innen für die ersten drei Kapitel meines fertiggestellten Romans.

Genre/Zielgruppe:
Contemporary Fiction / Dating / Romance / Humor, für Erwachsene

Gesamtumfang des Romans:
ca. 43.000 Wörter

Worum geht's?

Lucy sucht die große Liebe. Leider findet sie hauptsächlich Männer.

Zwischen Dating-Apps, großartigen Küssen, fragwürdigen Entscheidungen, Solo-Reisen und erstaunlich umfangreicher praktischer Feldforschung sammelt sie über die Jahre nicht nur einige ziemlich absurde Geschichten, sondern findet langsam heraus, was sie von Liebe eigentlich erwartet – und was ganz sicher nicht mehr.

Dabei geht es nicht nur um Dating und Beziehungen, sondern auch um Freundschaft, Sex, Alleinsein, Reisen und die Frage, wie man sich die große Liebe wünschen kann, ohne das eigene Leben bis dahin als Wartezimmer zu behandeln.

Der Roman ist humorvoll und stellenweise ziemlich direkt, hat aber auch ernstere und emotionalere Kapitel. Sex und Dating spielen eine deutliche Rolle, deshalb richtet sich das Manuskript ausschließlich an Erwachsene.

Für den ersten Test würde ich euch nur Kapitel 1–3 schicken.

Dabei interessiert mich vor allem euer ganz normaler Eindruck beim Lesen:

– Hat euch der Einstieg gepackt?
– Würdet ihr nach Kapitel 3 freiwillig weiterlesen?
– Wie nehmt ihr Lucy als Hauptfigur wahr?
– Funktioniert der Humor für euch?
– Gibt es Stellen, an denen ihr gedanklich ausgestiegen seid oder die sich gezogen haben?
– Gab es etwas, das euch gestört oder irritiert hat?

Ich suche ausdrücklich kein professionelles Lektorat, sondern ehrliche Reaktionen von Leser:innen. Auch ein „Das hat für mich überhaupt nicht funktioniert“ hilft mir mehr als ein höfliches „War schön“. 😄

Wenn euch die Geschichte nach den ersten drei Kapiteln gefällt und ihr von euch aus gerne weiterlesen möchtet, suche ich außerdem 2–3 Personen, die anschließend Lust hätten, das vollständige Manuskript zu testlesen. Das ist aber absolut kein Muss.

Das Manuskript ist noch unveröffentlicht und wird nicht öffentlich verlinkt. Bei Interesse könnt ihr euch gerne hier im Beitrag oder per DM melden. Die Leseprobe stelle ich anschließend privat zur Verfügung.

Ich freue mich auf ehrliches Feedback. 😊


r/Schreibkunst 7d ago

Schreibhandwerk Schreibübung #5: Was ist der Subtext von Subtext?

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Habt ihr schon mal erlebt, wie ein „Ich liebe dich auch, Schatz“ eher nach „Ich bringe dich im Schlaf um“ klingt? Kennt ihr das, wenn ihr euch im Chat von einem harmlosen :) oder ;) verarscht fühlt? Oder wenn das „Nein“ in Wahrheit ziemlich eindeutig „Ja“ bedeutet? Wisst ihr noch, wie ein gewisser Fußballer auf die Frage, wohin denn der nächste Urlaub gehe, antwortete: „Irgendwo in den Süden, vielleicht nach Kanada“ – also quasi eine heitere Form von „Geht dich nichts an“? Und habt ihr auch diesen Arbeitskollegen oder Freund, der aus jeder erdenklichen Situation etwas Schmuddeliges und Anzügliches herausdestillieren kann? À propos Arbeit: Gebt es zu, fühlt ihr euch nicht ein wenig angegriffen und in eurer Vertrauenswürdigkeit infrage gestellt, wenn ein gewisser Politiker fordert, eine Krankschreibung bereits am ersten Tag mit einem Arzt zu klären, und dann doch auf gar keinen Fall telefonisch? Und was bedeutet in Wahrheit das Wort „Massenvernichtungswaffen“ im Lexikon eines US-Präsidenten? Nicht Öl? Hm. Und wer von euch kann Hundepfeifen hören, obwohl er keine Hundeohren hat?

Subtext. Im weiteren Sinne.

Subtext ist das, was eine Äußerung neben ihrer unmittelbaren Bedeutung noch enthält. Die erste, naheliegende und faktisch vorliegende Bedeutung einer Aussage ist dabei nicht diejenige, auf die es eigentlich ankommt. Unter der Oberfläche kann eine zweite Botschaft liegen, eine Haltung, ein Gefühl, eine Absicht, ein Vorwurf, eine Drohung oder ein Verlangen – natürlich für den, der bereit oder in der Lage ist, sie zu erkennen.

Subtext heißt also: Hinter dem Gesagten, unter der Sprache und zwischen den Zeilen ist Ungesagtes anwesend. Es handelt sich um eine Sinnebene, die eine Äußerung nicht ausdrücklich ausspricht, aber dennoch bereithält, andeutet, einbaut oder durch ihren Zusammenhang entstehen lässt.

Wo findet man Subtext?

  • In literarischen Texten ist Subtext besonders immer dort anzutreffen, wo Figuren sprechen, also im Dialog, aber auch dort, wo der Text Gedanken und Gefühle mehr oder weniger mittelbar erzählt.
  • Er kann ebenso in Beschreibungen und anderen narrativen Passagen liegen, vor allem dann, wenn die Erzählstimme nicht neutral ist und sich nicht damit begnügt, die Welt und das Geschehen möglichst nüchtern und effizient zu übermitteln.
  • Im Film erweitert sich diese Möglichkeit noch. Subtext kann natürlich im Dialog liegen, aber ebenso in allen möglichen Regieentscheidungen: in der musikalischen Untermalung, in Soundeffekten, im Schauspiel, in Schnitten, Kamerapositionen, Licht etc. Die Filmsprache kann vor Ambivalenz nur so strotzen.

Warum ist Subtext wichtig?

  • Vorab: Wie immer im Storytelling gilt: Keine Regel ist absolut. Eine gute Geschichte muss nicht ständig mit Subtext arbeiten. Aber sie kann erheblich davon profitieren und literarischen Wert dazugewinnen.
  • Der Reiz liegt zunächst darin, dass der Leser oder Zuschauer nicht bloß empfängt, sondern mitdenkt. Er darf Zusammenhänge erkennen, Bedeutungen entschlüsseln und aus Einzelheiten eine größere oder tiefere Wahrheit zusammensetzen. Wer immer alles ausdrücklich erklärt bekommt, wird auf Dauer gelangweilt und gewissermaßen auch unterfordert. Aber ein Doppelboden hier, eine Metaebene dort, ein kleines Osterei an anderer Stelle – und schon wird aus passiver Rezeption ein unterhaltsamer Denk- und Lesespaß.
  • Ästhetisch und dramaturgisch kann der Subtext sogar stärker wirken als der eigentliche Text. Gerade weil eine Bedeutung nicht in der gewöhnlichen, direkten Form mitgeteilt wird, kann sie nachhaltiger, eleganter und eindringlicher erscheinen. Eine Figur, die in der Schlüsselszene einer Liebesromanze einfach sagt: „Ich liebe dich“, wirkt im Grunde plump, kitschig und wenig originell. Es wäre unter Umständen ratsamer, andere Arten zu finden, diese Gefühle auszudrücken, in eine Weise, die die Liebesoffenbarung einzigartiger und unvergesslicher macht.
  • Subtext wirkt außerdem natürlicher. Menschen sprechen im wirklichen Leben eben nicht direkt ihre Gedanken, Emotionen oder Absichten aus. Mitnichten. Sie weichen aus, verschweigen, übertreiben, beschönigen, scherzen, lügen, schweigen oder reden über völlig andere Dinge. Der Dialog wird mit Subtext glaubwürdiger und sogar charakterisierend: Die Art, wie jemand etwas nicht sagt, verrät ebenso viel über ihn wie das, was er sagt.

Warum entsteht Subtext im Alltag?

Wer Subtext schreiben oder erkennen will, sollte zunächst verstehen, warum er überhaupt entsteht.

  • Subtext kann beabsichtigt sein, ist aber oft ungewollt oder unreflektiert;
  • Subtext entsteht aus kommunikativem (Un-)Vermögen: Menschen sind kommunikativ unterschiedlich schwach oder stark;
  • oder aus persönlichen Unzulänglichkeiten und emotionalen Befindlichkeiten: Angst, Scham, Schüchternheit, Wut, Neid etc.;
  • oder aus gewissen Absichten und Perspektiven, Zielen, Manipulationsversuchen und taktischem oder pragmatischem Kalkül;
  • oder aus einem besonderem Kontext heraus, z.B. einer speziellen Figurendynamik, aus Machtverhältnissen oder sonstigen Diskrepanzen in Status, Rollen und Fähigkeiten oder aus unterschiedlichen Erwartungen, die Figuren aneinander setzen;
  • oder aus der sozialen Realität heraus, wie gesellschaftliche Konventionen, die nach Höflichkeit und gewissen Distanzen verlangen – man spricht sogar von sozialen Lügen;
  • oder aus kulturellen Gewohnheiten und Gepflogenheiten heraus, denn jede Aussage erhält ihre Bedeutung aus den Regeln und Glaubensätzen, in denen sie geäußert wurde.

Generell sind Menschen einfach nie vollkommen in der Lage, das, was in ihnen vorgeht, in eindeutige Sprache zu übersetzen – zumindest nicht im Eifer des Gefechts. Manchmal sagt jemand nicht, was er meint, weil er es nicht sagen kann. Manchmal, weil er es nicht sagen will. Und manchmal, weil er selbst noch nicht genau weiß, was er eigentlich meint.

Das ist Psychologie. Das ist Kultur. Das ist interpersonelle Kommunikation. Und all dies greift ineinander.

Wie lernt man Subtext?

Man könnte sich in eine Figur hineinversetzen, mit allem, was man an Empathie hat, ohne ihr zu unterstellen, was sie aus der eigenen Perspektive vernünftigerweise empfinden müsste. Entscheidend ist nicht, was wir an ihrer Stelle sagen würden, sondern was diese konkrete Person unter diesen konkreten Umständen wahrscheinlich sagen würde.

Man fragt deshalb: Wer spricht mit wem? Was will diese Person in Wahrheit? Was kann sie sagen – und was kann sie nicht sagen? Wie stark oder schwach ist sie kommunikativ? Wie emotional, schüchtern, stolz, manipulativ oder direkt ist sie? Welche Beziehung besteht zwischen den Figuren? Welche Vorgeschichte haben sie? Welche kulturellen, sozialen und situativen Regeln wirken auf sie ein? Und vor allem, für Autoren: Was hat dramaturgische Durchschlagskraft?

Eine wirklich vollständige Analyse dieser Faktoren kann außerordentlich kompliziert werden. Aber das muss einen nicht abschrecken. Man entwickelt ohnehin mit der Zeit eine gewisse Intuition und man lernt, misstrauisch gegenüber Oberflächen zu werden. Wenn das doch eine individuelle Schwäche sein sollte, nimmt berühmte Szenen und zerlegt sie analytisch, bis sich ein Gefühl hierfür entwickelt.

Wie schreibt man Subtext?

Dafür gibt es zahlreiche Mittel:

  • Sprachliche und rhetorische Mittel: Ironie und Sarkasmus, in Fragen versteckte Behauptungen, Euphemismen, Beschönigungen oder gezielte Auslassungen können etwas vermitteln, ohne es ausdrücklich zu sagen.
  • Wortwahl und Formulierungen: Bestimmte Wörter tragen Konnotationen, Wertungen oder Zweideutigkeiten in sich, die über ihre reine Bedeutung hinausweisen.
  • Humor und Witze: Humor kann eine besonders elegante Möglichkeit sein, etwas zu äußern, ohne die Verantwortung für das Gesagte vollständig übernehmen zu müssen.
  • Kontext: Eine Bemerkung kann für Außenstehende völlig harmlos erscheinen, für zwei Figuren jedoch aufgrund ihrer gemeinsamen Vorgeschichte oder eines geteilten Codes (z.B. ein Insider-Gag) eine ganze Geschichte enthalten und etwas völlig anderes bedeuten, als es isoliert betrachtet den Anschein hat.
  • Passiv-aggressive Kommunikation und implizite Vorwürfe: Auch eine scheinbar harmlose Feststellung kann einen Vorwurf oder eine Anklage in sich tragen. Ebenso können subtile Bemerkungen oder Mikroaggressionen mehr transportieren, als sie auf der Oberfläche erkennen lassen.
  • Subtext muss sich nicht auf der verbalen Ebene ereignen. Kommunikation umfasst auch nonverbale und paraverbale Signale wie Körperhaltung, Mimik, Blick, Lautstärke, Sprechtempo und Pausen. Ein Mensch kann sagen: „Natürlich freue ich mich für dich“, und dabei demonstrativ zur Seite blicken. Dasselbe Wort kann je nach Tonfall und Betonung eine völlig andere Bedeutung erhalten. Auch Schweigen kann bedeutungsvoll sein; nicht umsonst heißt es, man könne nicht nicht kommunizieren.
  • Hinzu kommt das Performative, also das, was ein Mensch durch sein Handeln mitteilt. Jemand kann zehnmal beteuern, dass alles in Ordnung sei, und gleichzeitig seine Sachen packen. Besonders aufschlussreich ist dabei der Widerspruch zwischen Wort und Handlung: Eine Figur behauptet das eine, tut jedoch etwas anderes.
  • Auch sekundäre Emotionen können Subtext erzeugen. Eine Figur zeigt beispielsweise Ärger, obwohl darunter in Wirklichkeit Angst, Scham, Trauer oder Kränkung liegen. Das sichtbar Gezeigte ist dann nicht unbedingt das, was tatsächlich empfunden oder kommuniziert wird.

Zusammenfassend: Man kann etwas verbergen, entstellen, abschwächen, übertreiben oder in eine andere Form kleiden, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen. Dabei ist aber etwas Wichtiges zu beachten: Wenn Subtext ein Fisch ist, dann ist Subtilität Wasser. Der Fisch muss unter Wasser bleiben. Wer Subtext einsetzt, muss unbedingt widerstehen können, alles noch einmal zu erklären. Sobald der Text ausdrücklich mitteilt, was damit gemeint war, ist der Reiz dahin – und der Fisch erstickt. Die Kunst besteht darin, dem Leser gerade genug zu geben und ihn zum Mitautor dieser zweiten Bedeutung zu machen.

Übung

Entiwckle folgende Dialogsituationen und schreibe sie so, dass die eigentliche Message verhüllt wird. Steig einfach in media res ein. Beachte dabei, dass die Dispositionen und Kapazitäten der Figuren sowie die Situation berücksichtigt bleiben. Die Übung kann hier in den Kommentaren, oder bei etwas längeren Ausführungen, in einem gesonderten Thread mit dem Flair: Schreibhandwerk gepostet werde.

  1. Situation: Ein Vater möchte, dass sein Sohn Medizin oder Ingenieurwesen studiert, weil er die Familie vermutlich bald nicht mehr finanziell wird unterstützen können. Diesen Grund spricht er jedoch nicht offen aus. Der Sohn möchte keines von beidem studieren, fühlt sich durch die Erwartungen seines Vaters unter Druck gesetzt und leidet unter geringem Selbstvertrauen. Der Dialog bleibt durchgehend höflich und friedlich.
  2. Situation: Ein Schüler gibt seinem Lehrer das Manuskript seines Romans zur Begutachtung. Der Lehrer ist hin- und hergerissen: Er kann den Schüler nicht ausstehen, ist aber von dessen Manuskript begeistert. Zugleich sieht er sich in seiner Rolle als Erzieher und möchte den arroganten, kommunikativ einschüchternden Schüler nicht zu sehr loben.
  3. Situation: Im Gerichtssaal versucht ein Anwalt, dem Richter indirekt zu verstehen zu geben, dass sein Mandant freigesprochen werden sollte. Der Mandant gehört zur Mafia, und eine Verurteilung könnte unangenehme Folgen und mögliche Vergeltungsmaßnahmen seiner Leute nach sich ziehen.
  4. Situation: Ein Mann überfährt versehentlich die Katze seiner Freundin. Als sie ihn nach dem Verbleib des Tieres fragt, versucht er zu lügen, gesteht durch seine Wortwahl und Ausflüchte jedoch gleichzeitig, was geschehen ist. Kommt er damit durch?
  5. Situation: Ein Priester hält während der Sonntagsmesse eine Predigt, in der er sich indirekt vom Glauben verabschiedet, ohne dass die Gemeinde es bemerkt. Er möchte niemanden beunruhigen und wahrt deshalb bis zuletzt den vertrauten Ton einer religiösen Ansprache. Außerdem hat er ein seit Jahren ein Verhältniss mit sämtlichen Omas der Gemeinde.
  6. Situation: In einem Radiowetterbericht verkündet ein wütender und sarkastischer Wettersprecher faktisch eine bevorstehende Klimakatastrophe, er macht die Dummheit der Menschen dafür verantwortlich, lässt seine Prognose jedoch so klingen, als stünde uns lediglich eine besonders sonnige und sommerliche Zeit bevor.
  7. Situation: Ein Ehemann möchte seiner Frau zu verstehen geben, dass er von ihren Seitensprüngen weiß – und dass er sich bereits an ihr gerächt hat: mit ihrer Mutter. Der Dialog ist toxisch, verletzend und von gegenseitigen Beleidigungen geprägt.
  8. Situation: Gott erschafft die Welt und die Menschen, doch die Engel sind sehr skeptisch und nicht gerade begeistert.
  9. Situation: Manfred hat seit Jahren wieder ein Date, die sich aber als sehr sensibler Star Wars Fan herausstellt. Er hasst Star Wars, kann sein Mund nicht halten, will sie aber nicht verletzen. Kommt er damit durch?
  10. In einer Feuerwache langweilen sich die Feuerwehrangehörige. Ein Kamerad insinuiert dann Wege und Möglichkeiten, mit glaubhafter Abstreitbarkeit natürlich, wie man sich selbst Arbeit beschaffen könnte.

r/Schreibkunst 7d ago

Text: Kritik erwünscht aus der kategorie wunschdenken

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r/Schreibkunst 8d ago

Text: Kritik erwünscht Leseprobe Teil 1/2:

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Kapitel 1:
 „Eine folgenschwere Entdeckung”

„Ich hoffe, du weißt, warum wir heute hier sind..." Die Frau am Rednerpult ließ ihren Blick durch den Saal schweifen, bevor sie die Angeklagte gefunden hatte: mich. Eine fast 16-jährige Schülerin. Mit zittrigen Händen zupfte ich an meiner Bluse. Fast vergaß ich zu nicken. Was möchten die alle von mir? 
Der große Saal mit den hohen Decken ließ einige Stühle leer. Auf stählernen Bänken saßen vereinzelt ernste Gesichter in Anzügen. Ist es wirklich so schlimm, dass ich diese alten Videos angesehen habe? 

Ein Räuspern der Frau riss mich aus meinen Gedanken. Ihre kalten Augen musterten mich. Oder sollte ich besser sagen, suchten nach Gründen, um mir noch mehr Ärger anzuhängen. Erwachsene... Ich zog das Gummiband an meinem Handgelenk in die Länge und ließ es wieder los. Schnell entschuldigte ich mich und wiederholte meine Anklagepunkte: 
-Verstoß gegen staatliche Zensurauflagen. 
-Besitz von staatsgefährdender Propaganda. 
-Verstoß gegen die Auflagen zur Meldepflicht volksgefährdender Inhalte...

Alles hatte ich am Vortag auswendig gelernt. Ziemlich harte Worte für so eine kleine Speicherkarte... Die Leute auf den Bänken neben der Frau nickten. Ein kurzes Raunen ging durch den Saal. Ich zog noch einmal am Gummiband. 
Die Frau schwieg einen Augenblick, warf einen Blick in ihre Unterlagen... Und lächelte. Kühl. „Soso... Bist du dir sicher, dass das alles ist?" Ihr Blick durchlöcherte mich förmlich. 
Was? Ich versuchte mich krampfhaft an den Inhalt des Schreibens zu erinnern. 
Das war's doch! Ganz bestimmt. Zu einhundert Prozent... Richtig? 

Bevor ich auch nur an eine Antwort denken konnte, fuhr sie fort: 
„Dir ist sicherlich bewusst, was für dich auf dem Spiel steht. An deiner Stelle würde ich lieber noch einmal nachsehen..." Ihr Blick fixierte den abgenutzten Rucksack neben mir.
Mit zittrigen Händen holte ich ihn hervor. Meine Finger brauchten einige Versuche, um den Reißverschluss zu öffnen. Das Formular lag schnell auf dem spärlichen Tisch, der als Anklagebank fungierte.
Ich überflog es. Ich überflog es ein zweites Mal. Sogar ein drittes. Ich habe doch recht? Ich las den Text. Die Punkte blieben identisch. Mist. Meine Augen sprangen zum letzten Absatz: „...Bei weiteren Verstößen gegen die Richtlinien vor bzw. während sowie nach den Verhandlungen drohen weitere Strafen. Diese beinhalten: Bußgelder, Beschlagnahmung von privatem Eigentum, bis hin zu längeren Freiheitsstrafen sowie verlängerten Eingangssperren in den Bereich von FutureCity.“ Ich musste schlucken.

Ich kann mir noch nicht einmal das monatliche Abo für die Klimaanlage in meinem Microapartment leisten! Und die gehört zur Grundausstattung. Von Teilen für ein neues Cyberdeck ganz zu schweigen... Die Frau räusperte sich. Ihre Finger trommelten auf einem glänzenden Laptop.

„Verzeihung, in meinen Unterlagen stehen lediglich diese Punkte", erwiderte ich. Die Frau tat, als hätte sie mich nicht verstanden. Schweiß stand auf meiner Stirn. Mir war zum Weinen zumute.
Mein Umfeld wurde blasser. Das Raunen der wenigen Anwesenden vermischte sich mit dem Brummen der Luftfilterungs- und Klimaanlage. Ich entschuldigte mich wieder und las das Dokument laut vor. Wie albern, noch Papier zu verwenden. 
Sie schüttelte nur den Kopf. „Das sind nicht die korrekten Unterlagen." Ich blickte auf den Stempel. Sie waren offiziell bestätigt. Stempel und Unterschrift. Danke dafür, Skandal! 

„Aber, das sind die einzigen-"

Die Frau ließ mich nicht ausreden. Ein Mann im Publikum hustete.
 „Es liegt in der Verantwortung des Angeklagten, sich um seine gerichtlichen Dokumente zu kümmern." 
Perplex nickte ich. In Filmen gibt es Leute, die einem helfen. Anwälte hießen die, glaube ich.... Ich hatte nicht so jemanden. Ob es an meinen Geldsorgen oder dem System lag, wusste ich nicht. Ich ergänzte noch eine Entschuldigung. Wieder zog ich am Gummiband. 

Die Frau lehnte ab und meinte, dass mein Verhalten absolut unverantwortlich sei und es ein negatives Licht auf mich werfen würde.
Scheiße! 
„Verzeihung, aber ich denke, das hier ist ein Missverständnis! Ich habe genau diese Unterlagen erst gestern Abend von den Beamten bekommen!“, antwortete ich. Meine Augen weiteten sich. Wieso lässt sie mich jetzt ausreden? 

Sie schien etwas zu notieren. Ein leichtes Lächeln auf ihren geschminkten Lippen. Zaghaft fragte ich, ob auf den „richtigen“ Unterlagen andere Punkte stehen. 
Sie blickte kurz auf und nickte.  Warum? Ich starte auf das Papier. Hätte ich heute Morgen noch einmal nachfragen sollen? Die Frau räusperte sich. Ich blickte wieder nach vorn. „Beschreibe bitte kurz, was genau vorgefallen ist.“
Uff... Nicht auch noch das. Ich gab mir Mühe, die Fragmente meiner Erinnerung zusammenzupuzzeln.

-Vor drei Tagen-

Es war die letzte Schulstunde an einem Dienstag. 
„Gut machst du das. Wirklich sehr schöne Arbeit!“, lobte meine Informatiklehrerin.
 Mit einem nervösen Lächeln schrieb ich weitere Zeilen. Programmcode. Stück für Stück. Was genau ich schrieb, war mir hingegen schleierhaft. 
Klar, es ging um das Kategorisieren und Aufräumen von Daten im Intranet der Schule... Aber sind die nicht schon einsortiert? Nach einiger Zeit beugte sich die Lehrerin wieder über meinen Monitor. 
Dieses Mal schien sich ihre Stimme an die ganze Klasse zu richten. „Hervorragend. Besser könnte man die Anweisungen nicht umsetzen! Anderes hatte ich von unserer Kursbesten kaum erwartet!“

Ich habe vermutlich bescheiden abgelehnt. Um ehrlich zu sein, war das die einzige Anerkennung, die ich bekam. Seit jenem Tag... Aber meine Klassenkameraden verdrehten nur genervt die Augen. Ich hatte sie öfters hinter meinem Rücken tuscheln gehört.
Sie meinten, es würde sie nicht wundern, wenn ich eines Tages etwas Gefährliches erschaffen würde... Ich hatte aufgehört, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Ich bin doch keine Gefahr! Niemals.
Nach der Stunde habe ich wie immer dabei geholfen, die Stühle hochzustellen. Ich weiß noch genau, dass ich für einen Test lernen wollte. Am besten in der Schulbibliothek. Schnell griff ich meinen abgewetzten Rucksack und ging durch die Gänge. Das Tappen meiner Turnschuhe ging im Stimmenwirrwarr quasi unter.

In der Bibliothek war es gleich um einiges ruhiger. Nur ein grünhaariges Mädchen redete leise mit der Bibliothekarin. Wir haben mal gemeinsam ein kompliziertes Experiment im Chemieunterricht durchgeführt. 
Ich winkte ihr kurz zu.
Sie lächelte zurück.
Kurz blieb ich stehen und musterte die hohen Regale. Bücher. CDs. Externe Festplatten. Auch Speicherkarten...

Am besten suche ich mir eines der digitalen Arbeitshefte für meinen Kurs und ziehe mir eine temporäre Kopie auf meine Speicherkarte. Die Ausleihfrist läuft ja erst übermorgen ab… So mache ich es!

Ich zog die leicht abgestandene Luft ein und begann, mich durch die Regale zu wühlen.
Es dauerte etwas, bis ich eine passende CD gefunden hatte. Fassungslosigkeit spiegelte sich in meinen Augen, als ich die Rückseite las:
 "Die Mathechecker checken in die spannende Welt der Linearen Gleichungssysteme mit zwei ultrafreshen Variablen ein. Extra für megageile Nerds!" 
Was zum? Ich klemmte sie mir schnell unter den Arm. Was ein Schwachsinn!

Mein Blick schweifte durch den Raum. Kaum hörbar seufzte ich und begab mich zu einem der hoffentlich freien Computer. Ich setzte mich und bewegte die Maus. Der PC war noch eingeschaltet.

Hoffentlich ist das Lernmaterial halbwegs erträglich... Gedankenverloren setzte ich die Kopfhörer auf, die auf dem Gerät lagen. Öffnete die CD-Hülle... -Und fand keine CD vor. Was zum? Irritiert starrte ich in die Hülle. Eine Speicherkarte war mit etwas Klebeband in die Innenseite geklebt. Eigentlich hätte ich sie abgeben sollen…

Aber meine Gedanken drehten sich lediglich um mein Lernmaterial. Es gab nicht viel Auswahl für meinen Kurs. Ich setzte die Kopfhörer ab und durchsuchte wieder das CD-Regal. Es dauerte etwas, bis ich etwas Anständiges gefunden hatte. Gekonnt ignorierte ich den Titel. Gelangweilt klickte ich mich durch das Menü und speicherte das Material auf meiner mitgebrachten Speicherkarte. Mein Blick schweifte zur mysteriösen Speicherkarte von vorhin. Was soll ich damit? Prüfend nahm ich sie aus der Hülle und musterte sie. Seltsam… 

Eine Stimme riss mich aus meinen Gedanken: 
 „Wie oft habe ich euch schon gesagt, dass explosive Gemische streng verboten sind!"
Wutentbrannt watschelte ein kleiner Mann in meine Richtung. Ich zuckte zusammen und ließ die Karte auf den Tisch fallen. Was will der Gnom jetzt von mir? Ein Mädchen erwiderte, das auch explosive Stoffe wichtig für die Forschung sind. Erst jetzt bemerkte ich, das grünhaarige Mädchen aus meinen Chemiekurs. Sie saß mir gegenüber. Hinter einem Sichtschutz. Ich hatte nie nach ihrem Namen gefragt…
Sie hielt sich die Hand vor den Mund, vermutlich um ein Grinsen zu unterdrücken. Während der Mann mit dem langen Bart eifrig auf sie einredete. Auch ich blieb von seiner Standpauke nicht verschont. Sein wildes Gestikulieren ließ mich mein eigentliches Vorhaben kurz vergessen. Nach einigen Minuten beruhigte er sich wieder langsam. Endlich!
Daraufhin wurden wir nach Hause geschickt. Ich machte mir große Sorgen um meine Bahnverbindung. Hektisch packte ich zusammen und steckte eine Speicherkarte in meine Hosentasche.

Nur knapp bekam ich meine Magnetschwebebahn nach Hause.
Dort angekommen warf ich mich erstmal ins Bett.

-Am gleichen Abend-

Irgendwann wachte ich auf. Ich blickte auf die Küchenuhr. 19:25 Uhr. Na toll…
Seufzend richtete ich mich auf und blickte durch meine Wohnung.
Ich konnte mir gerade so ein Microapartment leisten. Mir fiel ein, dass ich noch das Lernmaterial auf meiner Speicherkarte anschauen wollte.

Ich schleppte mich zu meinem Esstisch, der gleichzeitig als Arbeitsfläche diente, und schaltete mein Cyberdeck an. Während ich auf die etwas veraltete Technik wartete, kramte ich die Speicherkarte aus meiner Hosentasche hervor.

 *Miep, Miep* 
Ich steckte sie gedankenverloren in das Gerät und ging zum Kühlschrank. Etwas Butter war noch da. Schnell holte ich Toast. Eine leise Melodie lief im Hintergrund. Ich verteilte die Butter. Die Melodie wurde lauter, schneller. Sie kam mir vage bekannt vor. Es war, als hätte ich sie seit Jahren nicht mehr gehört. Seit jenem Tag…
Es rauschte etwas. Dann dröhnte eine Stimme durch mein Apartment. Das kann nicht..!

 *Moin, Moin miteinander! Süß, dass ihr wieder eingeschaltet habt! Thihi… Wollt ihr sehen, wie wir unsere verdiente Rache bekommen?*

NICHT SCHON WIEDER! Ich rannte zum Cyberdeck. Meine zitternden Finger drückten immerwieder den Aus-Knopf. -Aber nichts tat sich. Ich starte auf den Monitor.
 Kurze schwarze Haare. Unnatürlich breites Grinsen. Und vor Allem… diese rot leuchtenden Augen. Sie spiegelten förmlich das Feuer und das Chaos wieder. Mir blieb die Luft weg.

*Nein? Echt nicht?* 

Die Kamera zommte etwas zurück. Sie befanden sich vor einmem großen Gebäude. Einer Bank. HOPE-CITY?! Ich presste mir die Hand vor den Mund. Mir wurde übel. SIND DAS…? Ich starte auf den Monitor.

*-Schade… Naja. Wir rauben jetzt eine der wichtigten Banken des Landes aus! Ist gleich viel interresanter. Richtig?”

Ein mechanisches Klicken war zu hören. 
Der Rest verschwamm vor meinen Augen. Schweiß stand auf meiner Stirn. Das sind also die verbotenen Originalaufnahmen. ACH DU SCHEIßE! Hoffentlich bekommt das nie jemand mit!

-Drei Tage später (Irgendwann Mittags)-

Die Frau unterbrach meine Erzählung. Ich hatte planlos drauflos geredet. Zu planlos…
„Danke. Das ist alles, was wir wissen müssen!" Grob mit den Händen gestikulierend, wies sie die Leute an, zu gehen. Diese tuschelten leise und verließen eilig den Saal.
Perplex versuchte ich zu erwidern: „Warum, es geht doch noch wei-"

*Bamm\*

 Die Frau blickte ernst durch den Saal und schlug mit der Faust auf ihr Pult. 
„Damit hast du Recht. Aber diese grässlichen Ereignisse kennen wir alle! Du musst sie jetzt nicht auch noch beschreiben! Wichtiger ist jetzt die Tatsache, das du die Aufnahmen nämlich einer Freundin von dir zuspielen wolltest. Dachtest du etwa, so etwas könntest du uns vorenthalten?" 
Ich schüttelte den Kopf. Es war so schnell gegangen…
Die Frau wertete mein Kopfschütteln als ein Leugnen der Tatsachen. Sie erwiderte, dass dies ebenfalls gegen mich verwendet wird. Kurz schien sie sich mit dem Mann neben ihr zu beraten. Er tippte auf einem Laptop. Mist. Ich zog wieder am Gummiband.
Verdammt, ich muss hier raus! Die Leute schwiegen.
Vorsichtig sah ich mich um. Der Saal wirkte nun gespenstisch still. Ein paar Lichter blinkten im sterilen, etwas gedimmten Licht. Die Klimaanlage surrte leise. Ich, die Frau und der Mann neben ihr, waren allein. Ich legte meinen Kopf auf den Tisch.

Seit mich das Spezialeinsatzkommando vorgestern mitgenommen hatte, konnte ich kaum ein Auge zumachen. Meine Tür hatten sie auch noch eingetreten... Die Rechnung dafür ist auch bald fällig. Ach, Fuck! 

Ein Räuspern brachte mich wieder zurück ins Hier und Jetzt. Ich schreckte hoch.
Meine Strafe schien entschieden. Wenn sie nicht schon vorgestern feststand... 

„-Das war alles, was wir wissen müssen. Möchtest Du noch etwas zu Deiner Verteidigung sagen?" 
Ich überlegte fieberhaft. MIST! 

Ein Klopfen riss mich aus meinen Gedanken. 
„ Herein!" Die Frau tippte auf ihrem Laptop und sagte leise etwas zu dem Mann. 
Ein mechanisches Surren ertönte. Langsam öffnete sich die große Tür. 

Schwere Stiefel hallten durch den Saal, gefolgt von zögerlichen Schritten. Nicht schon wieder! Die waren so unfreundlich... Widerwillig drehte ich mich um. Der Raum wirkte mit einem Mal kälter. Die Luft steriler.

Zwei Personen hatten den Raum betreten. Eine Frau mit langen schwarzen Haaren und Klemmbrett in der Hand, gefolgt von einem Mann mittleren Alters im Anzug. Moment mal! Ist das-? Nein, ich bilde mir das nur ein!  Als ob ich wichtig genug für Blackwood höchstpersönlich wäre…
Die Frau lächelte sanft. Der Anzugträger räusperte sich.
 „Einspruch, Madam. Wir möchten einen Vorschlag unterbreiten." 
Diese Stimme... Er stellte sich neben das Pult. Die strenge Frau wirkte sichtlich nervös. Sie unterhielten sich hinter vorgehaltener Hand.

Die vermutliche Assistentin mit den schweren Stiefeln stellte sich neben ihn und musterte prüfend den Raum. Ihre rechte Hand am Gürtel, das Klemmbrett in der Linken. Die Zeit zog sich wie Kaugummi.

Dann nickte die strenge Frau und drückte auf eine kleine Fernbedienung. Ein leises Surren ertönte und eine Leinwand baute sich über ihnen auf.
Sie gingen beiseite und nahmen ein paar Meter hinter mir Platz. Die Frau mit den Stiefeln hielt inne.

In einer Bewegung holte sie einen Gegenstand von ihrem Gürtel und schüttelte ihn. Ein um die zwei Meter langer dünner Stab sprang jetzt in ihre linke Hand. Er blickte kurz auf. Blau. Dann Türkis.
Sie räusperte sich und schaute lächelnd in das mittlerweile nur aus vier Personen bestehende Publikum. Dann musterte sie mich von Kopf bis Fuß. 
„So, du nennst dich also Zero. Freut uns, dich kennenzulernen. Du hast doch sicherlich nichts dagegen, wenn wir uns kurz vorstellen?"
Perplex nickte ich. Scheiße, ich hasse rhetorische Fragen…

Sie klatschte in die Hände. Lächelnd erklärte sie, dass sie jetzt eine kleine Präsentation halten werde. Ich könnte mir gerne Notizen machen und Fragen stellen. Ich richtete mich auf und schaute gespannt zur Leinwand. 

Das Bild war zuerst schwarz, langsam wurde es heller. Es war, als würde sich Wasser am Bildschirm spiegeln.
„Freut mich, dich begrüßen zu dürfen. Ich würde dir gerne unser neuestes Projekt vorstellen:” Die Stimme der Assistentin klang warm und professionell.
Blaue Farbe wurde dazugegeben.
„Blackwood Electronics und -”
Meine Augen weiteten sich. 
Im Augenwinkel sah ich, wie auch rote Farbe hinzugegeben wurde.
„BLACKWOOD ELECTRONICS?” wiederholte ich ungläubig. Lauter als beabsichtigt.
Die Frau stoppte. Ich drehte mich um und starrte den Mann an, der erst vor wenigen Minuten den Raum betreten hatte. Hier? Er war vermutlich in seinen Dreißigern. Dunkelblauer Anzug. Dunkle Augenringe. Das gibt’s doch nicht! Eher gelangweilt blickte er zurück. Dann nickte er langsam. Ach du Scheiße… Die Assistentin räusperte sich. 
Ich merkte, wie mein Gesicht heiß wurde und widmete mich schnell wieder ihrer Präsentation. 
Sie fuhr fort. Jetzt war der Bildschirm lila.
„- präsentieren Projekt "Mysteries Of Despair", in dem wir der Verzweiflung der letzten Jahre auf den Grund gehen. Ein kontroverses Thema, ich weiß. Nicht viele Menschen trauen es sich zu, sich mit den Ursachen des Skandals von vor gerade einmal sechs Jahren auseinanderzusetzen. Aber wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Licht in die tiefen Gewässer der Ungewissheit zu bringen. Lange Rede, klarer Sinn: Ein kompaktes Einsatzteam, bestehend aus drei Personen, begibt sich auf eine Expedition durch das Gebiet rund um “HopeCity".
Was? Aber dieses Gebiet ist doch… Der Bildschirm verschwamm förmlich vor meinen Augen. Mir wurde zugleich heiß und kalt. Ich rückte auf meinem Stuhl und versuchte mich zu konzentrieren. Der Bildschirm zeigte nun eine Art gepanzertes Wohnmobil, das über eine gezeichnete Landschaft fuhr. 
„Sie werden erstens das Gebiet erkunden und die allgemeine Lage überprüfen.”
Ich wurde etwas ruhiger. Wenigstens kein Flugzeug! Das Bild wechselte zu zwei Männchen, die sich hinter Rednerpulten austauschen. 
„Zweitens werden sie sich um Verhandlungen mit den dort herrschenden Androiden- Gangs bemühen.”
Also mit mordlustigen Maschinen plaudern? Jetzt ging es über zu einem Männchen, das einen Laptop in der Hand hielt, dieser war durch ein Kabel mit einem anderen Männchen verbunden. 
„-Und drittens: dem Versuch des Programmauslesens um mögliche Softwarefehler zu finden, die zum Skandal geführt haben.”
Ich schüttelte den Kopf. 
„Selbstverständlich ist es wichtig, nicht den Wald vor lauter Bäumen zu übersehen. Deshalb wird sich selbstverständlich auch auf die Suche nach einem möglichen Programm begeben, was imstande ist, die Software der Androiden zu zerstören oder zumindest sie dauerhaft unschädlich zu machen.” 
Sie blickte ernst in die Runde.

Okay, und was soll ich nun damit?
„Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Habt ihr Fragen oder Anmerkungen?”
Stille.
Mein Blick schweifte zwischen der Assistentin, die ihre rechte Hand an ihrem Gürtel hielt, und dem nun wieder violetten Bildschirm hin und her. 
Plötzlich zeigte der Stab in ihrer Linken nun auf mich. Ihre Miene war erwartungsvoll.
„Wie wäre es denn mit dir, Zero. Wie fandest du meine kleine Präsentation?”
Wie? Ich? 
Mein Gesicht heizte sich langsam wieder auf. 
„Ähm… ja. Sie haben sehr frei gesprochen… äh und viele Bilder und schöne Fachbegriffe verwendet! Aber…”
Ich stockte. Wieso muss ausgerechnet der einflussreichste Typ in ganz FutureCity hinter mir sitzen?! Ich zog am Gummiband. Verdammt! 
Die Assistentin malte mit ihrem dezent bedrohlichen Stab einen Kreis in die Luft. Sie bat mich, mein “aber” genauer auszuführen. 
„Verzeihung… Ich möchte nicht unhöflich sein… Aber was genau geht mich das an? Äh, ich meine-”
Mit einem breiten Lächeln unterbrach sie mich: 
„Gerade das ist unser Angebot!”
Ich musterte sie mit offenem Mund. Langsam nahm sie ihre rechte Hand von ihrem Gürtel. Mein Blick blieb an dieser Stelle hängen. Ich musste schlucken.
Schwarzes Metall glänzte im Strahl des Projektors. Eine Pistole. 
Die meint es auf jeden Fall ernst! 
Kleinlaut fragte ich, ob sie mir das genauer erklären könnte.
Sie blinzelte.
„Das ist eine sehr kluge Frage, Zero! Man merkt, dass du eine der Jahrgangsbesten bist. Kurzgesagt, könntest du ein Teil des Projektes sein und einen erheblichen Beitrag zum Frieden und zur Forschung leisten.”
Mit weit aufgerissenen Augen zeigte ich auf meine lavendelfarbene Bluse. 
„Ich?”
Die Assistentin, an deren Rolle ich nun zu zweifeln begann, nickte. 
„Äh.. Ich bin aber nicht besonders dazu geeignet! Ich bin doch erst-”
Ich stockte wieder.
Die bewaffnete Frau kam langsam auf mich zu. Der Stab malte großzügige Kreise in die Luft.
Als seine Spitze nur noch circa einen Meter von mir entfernt lag, zeigte sie wieder auf mich. 
„Meinst Du nicht, dass du etwas mehr Vertrauen in deine Programmierfähigkeiten haben solltest? Schließlich weiß deine gesamte Schule von deinem Talent.”
Ich musste unfreiwillig lächeln. Und alle haben deswegen Angst vor mir. Sogar die von der umstrittenen Technik- AG. War da nicht auch mal dieses grünhaarige Mädchen dabei?
Ich schüttelte den Kopf.
„Und was ist, wenn ich euer Angebot ablehne?”
Ich holte leise Luft. Ich bereute meine Frage direkt.
Die strenge Frau räusperte sich hinter mir. 
„Dann bekommst du eine gewöhnliche Haftstrafe außerhalb dieser Stadt und darfst FutureCity ohne Weiteres nicht wieder betreten. Dazu kommen noch ein paar Geldstrafen und die Beschlagnahmung von privatem Eigentum…”
Kaum hörbar seufzte ich. Meinen Blick nach unten gerichtet.
Eine Art Roadtrip durch HopeCity. Vermutlich kommt meine Lage für ein solches Projekt ziemlich gelegen… Ob wir wohl auch durch die umliegenden Dörfer fahren können? Ach, scheiß drauf! Nach dem Unfall damals habe ich ohnehin nicht viel zu verlieren… 
Tränen breiteten sich in meinen Augen aus. Können wir?
Zögernd stützte ich meinen Kopf auf meine Hände und sah nach vorn. Ich schluckte wieder.
Ich stellte meine Frage.
Die dunklen Augen der “Assistentin” wurden einen Augenblick lang größer, bevor diese nickte. 
„Wenn das dein Wunsch ist, können wir uns gerne auch ein paar Dörfer ansehen. Ich nehme an, eines davon ist dein damaliger Wohnort?”
Ich antwortete nicht. Insgeheim aber merkte ich, wie mein Puls ruhiger wurde. 

Plötzlich räusperte sich eine Männerstimme von hinten. 
„Hast Du nun deine Entscheidung getroffen? Die Zeit wird langsam knapp.”
Blackwood höchstpersönlich. Seine Stimme hatte etwas Monotones, mit einem Hauch von Langeweile.
Ich überlegte einen Moment lang. Ist es das wirklich wert? Ich habe doch gar keine Erfahrung! Aber irgendwas müssen die doch in mir sehen, sonst hätten sie mich nicht dafür ausgewählt… Diese Frau meinte sogar, dass ich einen Ausflug in mein altes Dorf machen könnte. Wann würde ich dazu jemals wieder eine Gelegenheit bekommen?
Dann nickte ich zaghaft. Hoffentlich bereue ich das nicht!
Die bewaffnete Frau strahlte und fuhr ihren Stab wieder ein.
„Wunderbar. Eine ausgezeichnete Wahl! Selbstverständlich werde ich dich noch über die einzelnen Details informieren. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass du abhängig von deiner Leistung, auch große Teile deiner Schulden abbezahlen kannst?”
Sie steckte ihren Stab wieder in ein Fach ihres Gürtels zurück.
Das klingt nicht schlecht. Im Knast wäre das deutlich schwerer…
Daraufhin standen die Erwachsenen hinter mir wieder auf und klappten die Laptops zusammen. Die “Assistentin” bat mich, ihr und Blackwood zu folgen. 

Ehe ich es wirklich begreifen konnte, verabschiedete ich mich auch schon von der strengen Frau und lief hinter Blackwood und seiner rätselhaften Begleiterin aus dem Saal hinaus.
Die Gänge dieses Gebäudes waren ungewöhnlich breit und unübersichtlich. Die kühle LED-Beleuchtung flackerte hin und wieder kaum merkbar auf. 
Es war seltsam hinter den beiden herlaufen und noch seltsamer mit ihnen danach in einen Fahrstuhl zu steigen und drei Stockwerke nach unten zu fahren. 


r/Schreibkunst 8d ago

Text: Kritik erwünscht Zwanzig und …

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Es war für mich das letzte Mal, dass der Wecker mich weckt. Er klingelt jeden Morgen um 07:03 Uhr. Ich lasse mir nicht von meinem Job vorschreiben, dass ich um Punkt sieben aufstehen muss, diese drei Minuten Rebellion brauche ich. Ich mache mir dasselbe Frühstück wie gestern: zwei Eier, 200 Gramm Haferflocken und ein Glas Orangenschorle. Nicht, weil es mir sonderlich schmeckt, sondern weil es vernünftig ist. Kaffee trinke ich seit vier Monaten nicht mehr. Mein Arzt hat mir neulich gesagt, dass ich mit achtundzwanzig langsam anfangen sollte, auf meinen Blutdruck zu achten. Das hörte sich an, als würde er mir schon mal die Grabrede vorlesen, um anschließend eine Provision vom Bestatter zu kassieren, die er dann am Wochenende heimlich im illegalen Bordell im Nachbardorf verjubelt. Ich halte mich an seinen Rat, ohne wirklich darüber nachzudenken. Es ist einfacher so.
Meine Mutter ruft an, während ich das Frühstück hinunterwürge. Sie sagt, ich solle froh sein: eine feste Stelle, eine eigene Wohnung, keine Schulden. Heutzutage sei es schließlich nicht mehr selbstverständlich, sein Leben so sicher im Griff zu haben wie ich. Ich sage ja, das stimmt, und meine es dabei ungefähr so sehr, wie das ,,wie gehts dir?, zur Schwiegermutter.
Später, beim Kauen, scrolle ich durch mein Handy und bleibe an einer Anzeige hängen. Werbung für eine private Klinik. Freundliche Fotos, Menschen in bequemer, heller Kleidung, die auf einer Wiese sitzen und aussehen, als hätten sie gerade den Sinn des Lebens herausgefunden. Ich denke mir, dass ich lieber jeden Tag zur Arbeit in meine verdammte Einrichtung gehe, als in so einer Seelenklempner-Oase mit fremden Leuten über meine Gefühle zu reden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich für so etwas einfach nicht gebaut bin. Dann startet ein Trailer: Menschen, die irgendwohin reisen. Ein offenes Meer, ein Flughafen, jemand lacht in Zeitlupe. Ich bleibe ein paar Sekunden länger an dem Video hängen, als ich mir eigentlich erlaube. Dann schalte ich das Display aus, schaue auf meine Küche, die noch immer dieselbe leere Küche ist, und esse stumm weiter.
Der Bus hält an derselben Haltestelle wie jeden Morgen. Ich setze mich auf meinen Stammplatz: dritte Reihe, rechts. Niemand spricht mit mir. Ich empfinde das nicht als Problem, sondern als beruhigend geregelten Zustand.
Kurz bevor der Bus in die Kurve zur Arbeit fährt, passieren wir ein separates Gebäude, das zum Komplex gehört. Ein abgeriegelter Trakt, etwas abseits vom Hauptbereich. In einem der Fenster im ersten Stock sehe ich seit ein paar Wochen jeden Morgen dieselbe Frau. Sie tanzt. Nichts Dramatisches, eher eine kleine, in sich gekehrte, wiederkehrende Bewegung, als würde sie sich an eine Melodie erinnern, die nur sie hören kann. Ich habe keine Ahnung, warum sie das tut, und ehrlich gesagt frage ich mich das auch nicht besonders intensiv. Vor dem Fenster ist ein Gitter angebracht – dünn, fast dekorativ, wahrscheinlich irgendeine strenge Sicherheitsvorschrift für diesen speziellen Bereich. Ich denke mir nichts dabei. Unsere Einrichtung hat überall Gitter. An Fenstern, an Zäunen, an Stellen, wo ich schon seit Jahren nicht mehr genau hinsehe, weil sie zur Tapete geworden sind. Nach ein paar Tagen gehört die tanzende Frau einfach zu meiner Fahrt dazu, genau wie die Ampel an der Kreuzung davor.
Ich laufe über den Parkplatz. Dort stehen heute elf Autos. Das ist eine Zahl, die es an einem normalen Arbeitstag eigentlich nicht geben dürfte. Normalerweise sind es sechzig. In den Ferien vierzig. An einem wirklich miesen Montag im Februar vielleicht mal dreiunddreißig. Aber elf habe ich in vier Jahren noch nie gesehen. Ich weiß solche Zahlen, weil ich seit vier Jahren an derselben Stelle aus demselben Bus steige und in dieser Zeit ungefähr so viel erlebt habe, wie der Dschinn, bevor Aladdin an der Lampe gerieben hat.
Ich denke zwei Sekunden über die leeren Parkplätze nach und gehe dann rein.
Meine Schlüsselkarte funktioniert. Der Kaffeeautomat im Flur funktioniert auch, was mir seit vier Monaten aufgrund meines Blutdrucks nichts mehr nützt. Am Sicherheits-Kontrollpunkt sitzt niemand. Das ist nicht einmal ungewöhnlich. Im Sommer ist der Posten öfter unbesetzt. Ich habe irgendwann aufgehört, mich darüber zu wundern, dass eine Einrichtung, die angeblich voll auf Hochsicherheit ausgelegt ist, im Alltag erstaunlich viele Lücken zulässt. Das nutze ich erstmal aus.Ich gönne mir nämlich jeden Tag genau drei Minuten Auszeit. Ich rechtfertige das damit, dass der Mann, der über mir steht, seine schlechte Laune mit derselben Selbstverständlichkeit im Büro verteilt, wie andere Leute einen guten Morgen wünschen. Irgendwann habe ich einfach angefangen aufzurechnen. Wenn er sich das Recht herausnimmt, jeden Raum, den er betritt, emotional ein bisschen schlechter zu hinterlassen, dann nehme ich mir das Recht auf eine Runde Clash Royale, die im Schnitt genau drei Minuten dauert. Ich nenne das für mich die Arschloch-Ausgleichspause. Niemand sonst kennt diesen Begriff, und das ist auch gut so, weil er beim Aussprechen ungefähr so viel Würde besitzt wie eine fehlerhafte Steuererklärung. Um 08:10 Uhr steht plötzlich Herr Arschloch Ausgleichspause Stretter in meinem Gang. Ich habe in den gesamten vier Jahren bisher zweimal mit ihm persönlich gesprochen. Beim ersten Mal ging es um einen Schlüssel, beim zweiten Mal um denselben Schlüssel. Der Mann hat ein Gesicht wie ein Hodensack, dem man das Rauchen beigebracht hat. Ich sage das ohne jede Bosheit, rein beschreibend, weil ich mir bei dieser tief gegerbten Haut wirklich nicht sicher bin, ob sie durch Sonne, Wind oder durch dreißig Jahre gesammelte Enttäuschung über die Menschheit entstanden ist. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Vermutlich hat er als Kind schon so ausgesehen und wurde sogar zum Elternsprecher gewählt. Er steht immer so da, als würde er nur darauf warten, dass jemand etwas falsch macht. Meistens klappt das auch.
„Sie haben heute nichts zu tun“, sagt er.
Das stimmt zwar, aber es gefällt mir absolut nicht, dass er es weiß.
„Ich hätte schon noch einiges zu—“
„Sie haben heute nichts zu tun.“ Exakt derselbe Tonfall, exakt dieselbe Lautstärke. Mir wird klar, dass das schon beim ersten Mal keine Frage, sondern eine Anordnung war.
„Okay.“
„Ich brauche einen Gefallen. Und Sie kriegen was gut bei mir.“
Ich nicke und gehe mit.
In Stretters Büro sitzt ein Azubi namens Timo. Er ist ungefähr zwanzig, vielleicht auch neunzehn. Jedenfalls einer von diesen Menschen, die einem innerhalb der ersten zwei Minuten ungefragt erzählen, dass sie eigentlich etwas ganz anderes aus ihrem Leben machen wollten. Er sitzt extrem gerade auf seinem Stuhl, so wie jemand sitzt, der in seinem Leben noch nie irgendwo falsch geparkt hat. Vor ihm liegt ein Notizblock, auf dem absolut nichts steht. Er sieht aus wie ein Typ, der Aladdin allein für den Diebstahl des Brotes lebenslänglich wegsperren würde.
„Heute ist der siebte Tag“, sagt Stretter trocken.
Er erklärt das Prozedere zweimal, weil er offenbar davon ausgeht, dass wir es beim ersten Mal nicht begreifen. Bei Timo hat er damit vermutlich recht. Spätestens alle sieben Tage gibt es eine unangekündigte Sicherheitsübung. Der Zeitpunkt ist zufällig. Wenn es losgeht, ertönt ein erstes Signal. Dann werden zwingend zwei Schlüssel gebraucht, einer für ihn und einer für Timo, jeder in seinem eigenen abgeriegelten Bereich, an getrennten Türen, absolut gleichzeitig. Genau eine Minute später folgt ein zweites Signal. Erst danach darf ein bestimmter Knopf gedrückt werden, um das System zurückzusetzen.
„Und von wem wird der Knopf gedrückt?“, frage ich.
„Von Ihnen.“
In diesem Moment passiert etwas, das ich niemals zugeben würde, wenn man mich direkt danach fragte: Ich finde es interessant. Nicht lebenswichtig und schon gar nicht aufregend, aber interessant. Auf die Art, auf die ein schweres Werkzeug interessant ist, das man vorher nur in Katalogen gesehen hat. Ich gebe hier seit vier Jahren stumpf Material aus und hake Listen ab. Und heute drücke ich einen Knopf, den sonst ein Techniker drückt, den ich noch nie zu Gesicht bekommen habe.
„Und was machen wir bis dahin?“
Stretter greift in seine Innentasche und zieht ein Kartenspiel heraus.
Ich hätte in dem Moment mit allem gerechnet. Einem Handbuch, einem Sicherheitsprotokoll, einer kleinen zynischen Ansprache über den Ernst der Lage. Aber stattdessen legt ein Mann, der aussieht wie das personifizierte Ende einer viel zu langen Arbeitswoche, ein abgegriffenes Blatt Karten auf den Tisch. Er mischt es mit einer fließenden Routine, die mir in zehn Sekunden mehr über sein Leben verrät als vier Jahre stumme Flurbegegnungen.
„Blackjack“, sagt er. „Kennen Sie das?“
„So ungefähr.“
„Dann kennen Sie es nicht.“ Er teilt die Karten aus. „Ziel ist es, möglichst nah an Einundzwanzig zu kommen. Bilder sind zehn wert, ein Ass ist eins oder elf, wie Sie wollen. Wer drüber ist, verliert. Sie können eine Karte ziehen oder passen. Fertig.“
Timo verliert direkt die erste Runde, weil er bei achtzehn Punkten noch eine Karte zieht.
„Warum zur Hölle ziehst du bei achtzehn?“, fragt Stretter.
„Ich... ich hatte da so ein Gefühl.“
Stretter sieht ihn daraufhin sehr lange an und sagt überhaupt nichts. Dieses Schweigen ist mit Abstand das Vernichtendste, was ich seit Jahren miterlebt habe.
Ich spiele vorsichtig und bleibe bei sechzehn stehen. Das ist mathematisch eigentlich falsch, aber ich habe es noch nie gut ausgehalten, an einem Verlust selbst schuld zu sein. Stretter hingegen spielt, als hätte er eine unsichtbare Wahrscheinlichkeitstabelle im Kopf. Wahrscheinlich hat er die tatsächlich.
Nach der vierten Runde fragt er mich beiläufig, ob ich heute Morgen mit dem Bus gekommen sei. Ich bejahe. Er murmelt, dass er in seinem ganzen Leben noch nie Bus gefahren ist. Ich weiß nicht recht, was ich mit dieser Information anfangen soll, aber ich merke, wie sich die angespannte Luft in dem kleinen Raum ein wenig lockert.
Nach der siebten Runde nennt Timo ihn versehentlich „Papa“. Das kann passieren, wenn man neunzehn ist, unter Stress steht und Autoritätspersonen emotional noch nicht sauber voneinander trennen kann. Stretter zieht stoisch eine Karte, sieht sie an und sagt: „Neunzehn.“ Dann fügt er hinzu: „Und nein.“
Ich lache. Zum ersten Mal seit vermutlich letztem Dienstag.
„Warum sind heute eigentlich so wenige Leute im Gebäude?“, frage ich irgendwann, während die Karten neu gemischt werden.
Stretter mischt unbeeindruckt weiter. „Weil ich die letzten Wochen zu viele Urlaubsanträge gleichzeitig genehmigt habe.“
„Alle?“
„Alle.“ Er teilt aus. „Und dann habe ich noch eine Fortbildung übersehen. Vier Leute, drei Tage. Steht eigentlich seit Februar im System.“
„Und jetzt?“
„Jetzt ist es allein mein Fehler.“ Er dreht seine Karte um. „Ich mache aus meinen eigenen Fehlern kein Problem für andere. Deswegen decken wir das hier heute zu dritt ab.“
Ich sitze da und versuche, diesen Satz mit dem Mann zusammenzubringen, der letzten Herbst jemanden im Flur so lange und brutal angebrüllt hat, dass der Betreffende danach zwei Wochen krankgeschrieben war. Es klappt ungefähr so gut wie der Versuch, zwei Magnete mit den falschen Polen zusammenzudrücken. Ich gebe es auf und ziehe meine Karte.
Timo sagt plötzlich: „Vielleicht ist ja auch jemand auf einer Beerdigung.“ Er sagt es fröhlich. Genau so, wie man Dinge sagt, wenn man neunzehn ist und Beerdigungen für etwas abstraktes hält, das grundsätzlich nur anderen Leuten passiert. Stretter blickt in dem Moment nach untern und erinnert sich an etwas.
Niemand antwortet.
Stretter legt seine Karten hin. Sehr langsam, sehr ordentlich, mit den Kanten exakt aufeinander. In diesem Moment sehe ich es. An seinem linken Ringfinger ist ein schmaler Streifen Haut deutlich heller als der Rest der Hand. Er trägt keinen Ring mehr, aber da war so lange einer, dass die Sonne den Unterschied in dieser Lebenszeit nicht mehr wegbekommt.
Ich schaue einen Moment zu lange hin.
Er merkt es natürlich. Dieser Mann merkt vermutlich sogar, wenn sich im Nachbargebäude eine Zelle dazu entscheidet, bösartig zu werden.
„Sie ist nicht tot“, sagt er leise. „Sie ist nur vorübergehend nicht bei mir.“
Ich weiß nicht, was ich mit diesem Satz anfangen soll. Ich weiß nicht einmal, was er genau bedeuten soll, und gleichzeitig spüre ich panisch, dass ich es auch gar nicht wissen will. Das hier läuft gerade sehr schnell in eine tiefe, emotionale Richtung, für die ich weder ausgebildet noch gemacht bin. Ich bin extrem gut im Nehmen von dreiminütigen, stummen Ausgleichspausen. Ich bin katastrophal schlecht im Reagieren auf Sätze wie diesen.
Also flüchte ich mich in die Mechanik des Spiels und sage: „Dann lass uns doch schauen, wer diese Runde gewinnt.“
Es ist das Dümmste und Taktloseste, was ich in diesem Moment hätte sagen können.
Stretter sieht mich lange an. Dann nimmt er wortlos die Karten wieder auf. „Gute Idee.“
Die letzte Runde läuft wie in Zeitlupe ab. Timo hat zwölf, zieht eine Karte, landet bei zweiundzwanzig und ruft „Ach du Scheiße!“ in einer Lautstärke, die ihm hier vermutlich noch drei Jahre in seiner Personalakte nachhängen wird.
Stretter dreht seine Karten um. Eine Dame und eine Zehn. Zwanzig. Er sieht mich an. „Sie sind dran.“
Vor mir liegen ein Ass und eine Neun offen. Das sind zwanzig Punkte, wenn ich das Ass als elf zähle. Damit wäre Stretter nur eingeholt, aber nicht geschlagen. Und dann ist da noch meine dritte Karte. Sie liegt verdeckt. Ich habe sie mir bisher nicht angesehen, weil ich mich seit vier Jahren sehr erfolgreich darin trainiere, Dinge nicht anzusehen, solange ich nicht absolut muss.
Ist es eine Eins, habe ich genau einundzwanzig und gewinne. Ist es irgendetwas anderes, bin ich überkauft und habe verloren.
Ich lege zwei Finger auf die Rückseite der Karte. Stretter beugt sich leicht vor. Timo hört auf, seine kleine Katastrophe zu bejammern. Der Raum wird mit einem Mal extrem eng und sehr, sehr ruhig. Mir fällt auf, dass ich zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder das echte, brennende Bedürfnis habe zu wissen, wie eine Sache ausgeht.
Ich hebe die Kante der Karte an.
Dann geht der Alarm los.
Stretter ist mit einer explosiven Bewegung auf den Beinen, die man einem Mann seines Alters und seiner Haltung nicht mehr zutrauen würde. Er reißt einen kleinen Wandsafe auf und drückt Timo einen Schlüssel in die Hand. Seine Stimme ist mit einem Schlag völlig ausgewechselt, laut, kantig, aggressiv. Da ist kein Rest mehr von dem ruhigen Mann, der eben noch erzählt hat, dass er nie Bus gefahren ist.
„SCHNELL! AUF EURE POSTEN!“
Timo verschwindet durch die linke Tür. Stretter sprintet in die entgegengesetzte Richtung. Die schweren Sicherheitstüren fallen mit einem satten Klicken ins Schloss.
Ich bleibe allein zurück, mit genau der Anweisung im Kopf, die ich seit einer Stunde wie ein Mantra vor mich hinbete: Warten. Erstes Signal. Zweites Signal. Knopf.
Auf dem Überwachungsbildschirm vor mir tauchen plötzlich rote Punkte auf. Sie bewegen sich in einem Muster, das ich aus einem Dokumentarvideo kenne, das ich mir vor Jahren mal nachts angesehen habe, weil der YouTube-Algorithmus dachte, ich hätte Interesse an militärischer Radartechnik. Geschwindigkeit passt. Größe passt. Ich brauche keine drei Sekunden, um zu begreifen, dass das hier keine Übung mehr ist. Irgendetwas ist in die Anlage eingedrungen.
Das Heulen der Sirene dröhnt in meinen Ohren. Ist das das erste Signal? Oder schon das Zweite? Der rote Knopf liegt vor mir unter einer Glasabdeckung. Er ist größer als jeder Knopf, der für etwas Harmloses gedacht sein könnte. Mein Kopf schaltet auf Autopilot. In dem verzweifelten Glauben, meine einzige Aufgabe in diesem Chaos erfüllen zu müssen, schlage ich die Abdeckung ein.
Ich drücke den Knopf. Es verändert sich absolut nichts. Keine Bestätigung, kein Klicken.
Stretter kommt genau in dem Moment durch die Tür zurückgerannt, als ich meine Hand vom Pult zurückziehe. Was danach passiert, entzieht sich fast meiner Wahrnehmung.
Er schreit etwas, das ich akustisch nicht ganz verarbeiten kann. Seine Stimme klingt wie dumpf unter Wasser. Nur Fetzen wie „Vollidiot!“, „Das war die Notverriegelung!“ und „Wegen dir sitzen wir hier fest!“ dringen durch das Rauschen. Er kommt mit aufgerissenen Augen auf mich zu. Ich sehe seine erhobenen Hände. Ich rechne mit allem. Dann ist da nur noch ohrenbetäubender Lärm, wilde Bewegung, sein massives Gewicht, das gegen meines prallt. Der Boden unter mir kippt weg. Irgendetwas, vielleicht die Tischkante, vielleicht seine Faust trifft mich hart genug am Kopf, dass mein gesamtes Sichtfeld kurz grellweiß aufblitzt.
Dann ist da nichts mehr.
Ich wache in einem Bett auf, das definitiv nicht mein eigenes ist. Ich trage ein raues Krankenhaushemd, das hinten offen ist, weil sich anscheinend irgendjemand vor Jahrzehnten ausgedacht hat, dass Menschen in absoluten Ausnahmesituationen zusätzlich noch kalte Zugluft am Hintern brauchen, um sich völlig wehrlos zu fühlen. Mein Kopf pocht erbärmlich an einer Stelle, die sich nach mehreren frischen Stichen anfühlt.
Eine Frau in einem hellen, freundlichen Kittel kommt herein. Sie schaut kurz auf ein Klemmbrett und sagt mit sanfter Stimme, ich sei jetzt hier auf Station Vier, ich solle mich erst einmal in Ruhe erholen. Ich nicke langsam. Das ist genau das, was ich erwartet habe, ein separater, medizinischer Bereich für Mitarbeiter, die bei einem Einsatz in der Einrichtung etwas abbekommen haben. Ich denke mir noch, dass es eigentlich ganz gut organisiert ist, dass es hier so ein internes Krankenhaus überhaupt gibt.
Zwei Wochen später sitze ich am Nachmittag in einem großen Aufenthaltsraum. Die Tische und Stühle hier sind alle ein kleines bisschen zu pastellfarben und bunt für den strengen Ernst, den ich in dieser Einrichtung eigentlich vermute. Jemand rückt mir höflich einen Stuhl frei, bevor ich überhaupt danach gefragt habe. Ich nehme jetzt jeden Morgen eine kleine Tablette, weil das Pflegepersonal mir sagt, dass ich das tun soll. Ich halte mich daran, ohne wirklich darüber nachzudenken. Es ist vernünftig.
Die tanzende Frau aus dem vergitterten Fenster sitzt am Tisch genau mir gegenüber. Sie mischt fließend ein Kartenspiel. Ich erkenne sie sofort, ohne auch nur im Geringsten erstaunt darüber zu sein. Es ist, als würde man jemanden wiedertreffen, den man schon sein ganzes Leben lang kennt, auch wenn man ihn eigentlich noch nie persönlich gesprochen hat.
„Blackjack?“, fragt sie und lächelt mich an.
„Kenn ich.“
„Dann kennst du’s nicht“, sagt sie.
Ich lache, weil sie recht hat, und weil es das erste Mal seit diesem verfluchten Alarm ist, dass mir wieder etwas wirklich komisch vorkommt.
Für eine winzige Sekunde blitzt direkt nach dem Lachen ein anderes Bild in meinem Kopf auf. Ein Telefonat. Meine Mutter. Ihre mahnende Stimme, wie froh ich doch sein solle, eine feste Stelle zu haben, eine eigene Wohnung, mein Leben voll im Griff. Wie ernst sie es meinte. Und wie erschreckend wenig es gebraucht hat, um mich aus all dem herauszureißen und genau hierhin zu verfrachten. In einen viel zu bunten Raum, mit einem geliehenen Kartenspiel, fernab der Realität.
Das hier ist nun mein Alltag. Seit zwei Wochen.
Die Frau teilt die Karten aus. Währenddessen erzählt sie mir ganz ruhig von ihrem Mann. Dass er viel zu viel arbeite, dass er die Verantwortung nicht abgeben könne und deshalb kaum noch nach Hause komme. Ich wusste aus früheren Gesprächen in der Teeküche auch schon von ihren toten Kindern. Diese Frau spricht exakt so offen und unbeschwert über ihre Tragödien, wie sie damals hinter dem Gitter tanzte.
Ich blicke hinüber in den Besucherbereich am anderen Ende des Flurs. Dort sehe ich Stretter. Er geht den Gang entlang, in legerer Zivilkleidung. Ich erkläre mir das logisch so, dass er heute seinen freien Tag opfert, um unsere medizinische Abteilung persönlich zu inspizieren. Er sieht mich durch die offene Tür, bleibt kurz stehen und nickt mir einmal zu. Nur ganz kurz. Ich nicke ernst zurück, weil ich das als klare Anerkennung verstehe. Für meinen Einsatz. Für das, was ich tapfer getan habe, als der Alarm losging.
Ich vergleiche mein Leben hier nicht mit vorher. Ich denke einfach seltener an vorher, das ist alles.
Wir sitzen am Tisch. Sie mischt zu Ende. Ich frage, ob wir noch eine Runde spielen. Sie sagt ja. Sie teilt aus. Ein offenes Ass, eine offene Neun. Eine verdeckte Karte. Ich lasse meine Finger einen Moment lang auf der Rückseite der verdeckten Karte liegen. Dann drehe ich sie um. Ein weiteres Ass. Zwanzig und Eins.


r/Schreibkunst 8d ago

Text: Kritik erwünscht Papa, guck mal

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Es ist Samstag, und wegen eines Festes im Ort ist auch der Spielplatz des Kindergartens geöffnet. Erwachsene stehen mit Getränken zusammen, Kinder laufen über den Hof, irgendwo spielt Musik. Eigentlich ein ganz normaler Abend.

Meine Kleine nimmt mich gleich mit zu den Hangelstangen.

Sie ist vier und erzählt mir seit Wochen davon, dass sie jetzt hangeln kann. Ganz alleine, von einer Seite bis zur anderen. Ich habe das natürlich schon oft gehört und entsprechend beeindruckt reagiert. Heute soll ich es endlich sehen.

„Papa, guck mal.“

Sie springt hoch, greift nach der ersten Stange und hangelt los. Die Beine schwingen dabei ziemlich wild mit, vermutlich mehr als nötig, aber das spielt keine Rolle. Sie ist völlig konzentriert.

Dann ist sie drüben, lässt los und dreht sich sofort zu mir um. Sie muss gar nichts sagen. Man sieht ihr an, wie stolz sie ist.

Siehst du, Papa? Ich kann das jetzt.

Ich klatsche, sie strahlt, und kurz darauf ist sie schon wieder unterwegs.

Dann sehe ich meine Große.

Auch sie war vor gar nicht so langer Zeit noch hier im Kindergarten. Trotzdem wirkt es plötzlich fast merkwürdig, sie auf diesem Spielplatz zu sehen.

Sie geht jetzt in die dritte Klasse. Ihre Beine sind zu lang für die kleinen Podeste, die Rutsche wirkt plötzlich winzig und manches, worauf sie früher mühsam geklettert sein muss, nimmt sie heute mit einem Schritt.

Für einen Moment sieht es tatsächlich so aus, als hätte jemand den Spielplatz kleiner gemacht.

Natürlich ist das Quatsch.

Sie ist gewachsen.

Das weiß ich ja. Man kauft größere Schuhe, sortiert Hosen aus, die plötzlich Hochwasser haben, und irgendwann stellt man fest, dass das Kind einem schon wieder ein Stück weiter nach oben reicht.

Aber hier fällt es mir anders auf.

Vielleicht, weil der Spielplatz noch genauso aussieht wie damals.

Vor gar nicht so langer Zeit gehörte meine Große hier einfach hin. Jetzt sieht sie ein bisschen aus wie eine Besucherin an einem Ort, der einmal ihrer war.

In dem Moment schreibt mir meine Frau.

Ob sie mich mit der Aufsicht ablösen soll. Dann könne ich mich ein bisschen unterhalten und ein Bier trinken.

Normalerweise hätte ich das ziemlich gern angenommen.

Kinder übernommen, kurz raus aus der Aufsicht, ein Bier, ein paar Gespräche – dagegen spricht auf einem Dorffest wirklich nicht viel. Wahrscheinlich hätte ich sonst nicht lange überlegt.

Diesmal schaue ich auf die Nachricht und dann wieder zu den beiden.

Die Kleine hängt wieder an den Stangen, weil natürlich noch einmal bewiesen werden muss, dass der erste Durchgang kein Zufall war.

Die Große läuft über denselben Spielplatz und ist eigentlich schon zu groß dafür.

Und plötzlich ist mir das Bier ziemlich egal.

Nicht grundsätzlich. So weit möchte ich dann auch nicht gehen.

Aber gerade jetzt.

Weil mir in diesem Moment etwas auffällt, das man eigentlich weiß und trotzdem gerne übersieht: Diese ganz normalen Nachmittage sehen nicht wichtig aus, solange man mitten in ihnen steckt.

Niemand sagt einem, dass man sich jetzt etwas merken sollte.

Keiner hängt einen Zettel an die Kindergartentür: Heute bitte gut hinschauen. Ihr Kind wird vielleicht bald nicht mehr nach Ihrer Hand fragen, wenn es irgendwo hochklettert.

Es passiert einfach.

Irgendwann braucht ein Kind die Hand beim Klettern nicht mehr. Und irgendwann fällt einem auf, dass auch dieses ständige „Papa, guck mal“ seltener geworden ist. Wann genau das passiert ist, weiß man meistens nicht.

Genau das trifft mich gerade bei meiner Großen.

Ein paar Jahre sind nicht besonders viel. Aber hier auf diesem Spielplatz wirken sie plötzlich enorm.

Ich versuche mich daran zu erinnern, wie sie hier mit vier war. Natürlich gibt es Fotos. Tausende wahrscheinlich. Aber ich weiß nicht mehr genau, wie ihre Hand sich damals angefühlt hat, wenn sie meine genommen hat. Oder wie ihre Stimme klang, wenn sie mich hier gerufen hat.

Ich war da.

Ganz sicher.

Und trotzdem habe ich für einen Moment das Gefühl, nicht genau genug hingesehen zu haben.

Vielleicht kann man in solchen Jahren gar nicht genau genug hinsehen. Man merkt ja nicht, dass gerade etwas vorbeigeht.

Meine Kleine lässt die letzte Stange los und landet.

„Hast du gesehen?“

„Ja.“

Sie schaut mich kurz an, als würde sie prüfen, ob ich wirklich verstanden habe, wie groß diese Leistung gerade war.

Dann ist sie zufrieden.

Hinter ihr läuft ihre Schwester vorbei.

Und für einen Moment sehe ich beide gleichzeitig.

Die eine zeigt mir voller Stolz, wie groß sie schon geworden ist.

Die andere zeigt mir, ohne es zu merken, wie schnell das geht.

Zwischen ihnen liegen vielleicht fünfzehn Meter Spielplatz.

Mehr nicht.

Mein Handy ist noch in der Hand. Die Nachricht meiner Frau wartet auf Antwort. Hinter dem Zaun stehen Leute zusammen, trinken Bier, reden, lachen. Normalerweise wäre ich wahrscheinlich längst dort.

Aber ich bleibe noch.

Nicht weil ich ab heute jeden Moment bewusst genießen werde. Das wäre gelogen. Morgen werde ich wieder aufs Handy schauen, obwohl mir eines der Kinder etwas erzählt. Ich werde genervt sein, wenn etwas zum fünften Mal erklärt werden muss, und ich werde mich wieder freuen, wenn jemand anders kurz die Aufsicht übernimmt.

Aber heute habe ich es eben gemerkt.

Meine Kleine steht schon wieder vor den Hangelstangen.

„Papa, nochmal!“

Ich gehe ein Stück näher.

„Ja. Zeig mal.“

Und sie springt hoch.


r/Schreibkunst 9d ago

Text: Kritik erwünscht Gegenwehr auf Linie 701

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Die Lichter der Stadt zogen draußen im Regen vorbei. Es war das typische Brummen des Busses auf dem Heimweg von der Arbeit – das leise Rauschen des Motors, das Stimmengewirr weiter vorne, die Müdigkeit in meinen Knochen. Ich lehnte den Kopf an die kalte Scheibe und wollte einfach nur nach Hause.

​Dann spürte ich es.

​Eine Hand auf meinem Oberschenkel. Erst ganz leicht, wie aus Versehen. Ich starrte auf den dunklen Jeansstoff. Neben mir saß er. Er sah nicht mal zu mir rüber, starrte stur geradeaus, während seine Finger sich bewegten – und unter dem Sitz leuchtete ganz schwach das Display seines Handys auf. Er filmte.

​Ein Eisschock fuhr mir durch den Körper. Die typische Erstarrung wollte mich lähmen, aber in mir zog sich etwas zusammen. Nicht heute. Nicht mit mir. Mein Herz hämmerte wie wild, während mein Verstand glasklar wurde. Ich wartete genau auf den Moment, in dem der Bus an der nächsten Haltestelle bremste und die Türen aufzischten...Die Türen zischten auf. Jetzt.

​Mit einer einzigen, explosiven Bewegung griff ich nach unten, riss ihm das Smartphone mit voller Kraft aus der Hand und schoss aus dem Sitz.

​„Hey! Bleib stehen, du Sch-!“, brüllte er hinter mir, doch ich war bereits durch die offene Bustür auf den Bürgersteig gesprungen. Der kalte Regen schlug mir ins Gesicht, aber das Adrenalin brannte wie Feuer in meinen Adern. Ich rannte. Meine Schritte knallten auf den nassen Asphalt, während ich das entsperrte Handy in meinen Händen fest umklammerte.

​Ich bog scharf um die Ecke in eine dunklere Seitenstraße, drückte im Laufen direkt auf die Notruf-Taste und presste mir das fremde Telefon ans Ohr.

​„Notruf, was ist Ihr Notfall?“, schallte die ruhige Stimme der Beamtin aus dem Lautsprecher.

​„Ich wurde eben im Bus belästigt und gefilmt!“, rief ich keuchend, während ich den Blick nach hinten warf. Ich sah seine Silhouette am Ende der Straße auftauchen. Er holte auf. „Ich habe das Handy des Täters gestohlen, mit dem er mich gefilmt hat! Er verfolgt mich jetzt – Sie müssen dieses Handy orten, schnell!“

​„Ruhig atmen. Bleiben Sie am Apparat, wir leiten die Ortung Ihres aktuellen Standorts über das Gerät sofort ein und schicken Streifenwagen los. Wo befinden Sie sich genau?“

​Ich nannte ihr die Straßenecke, während ich hinter einer Reihe von Müllcontainern in einer Gasse Halt machte. Mein Atem ging stoßweise, das Herz schlug mir bis zum Hals. Am Telefon hörte ich bereits das leise, entfernte Martinshorn...Er bog in die Gasse ein. Sein Gesicht war rot angelaufen, die Augen weit aufgerissen vor Wut und Panik.

​„Gib mir mein verdammtes Handy zurück!“, schrie er und machte zwei schnelle Schritte auf mich zu.

​Ich wich nicht zurück. Ich hielt das Smartphone hoch, das Display leuchtete immer noch. „Zu spät“, sagte ich mit fester Stimme. „Die Polizei ist bereits am Telefon. Sie wissen genau, wo wir sind.“

​In diesem Moment blitzte blaues Licht an den Häuserwänden auf. Das Heulen der Sirenen schnitt durch die Nacht und wurde sekündlich lauter. Zwei Streifenwagen bogen mit quietschen Reifen in die Straße ein und blockierten den Ausstieg der Gasse.

​Der Täter erstarrte. Seine Augen wanderten panisch von mir zu den Scheinwerfern der Polizeiautos. Er versuchte umzudrehen, aber zwei Beamtinnen und Beamte waren bereits aus den Wagen gesprungen.

​„Hände wohin wir sie sehen können! Stehen bleiben!“, schallte die Ansage über den Platz.

​Binnen Sekunden drückten sie ihn gegen die Wand und legten ihm Handschellen an. Er versuchte sich herauszureden, fluchte und behauptete, ich hätte ihn grundlos überfallen.

​Ich trat aus dem Schatten der Container hervor und reichte der Beamtin das entsperrte Telefon. „Auf diesem Handy befinden sich die Aufnahmen, die er heimlich von mir im Bus gemacht hat. Es ist alles drauf.“

​Die Polizistin sah erst auf das Display, dann zu dem Täter und schließlich zu mir. Ein wertschätzendes Nicken lag in ihrem Blick. „Das war extrem mutig von Ihnen. Er wird heute nirgendwo mehr hingehen.“

​Als sie ihn auf die Rückbank des Streifenwagens schoben, spürte ich, wie die Anspannung langsam von mir abfiel. Der Schrecken aus dem Bus war verschwunden – zurück blieb nur das unbeschreibliche Gefühl, die absolute Kontrolle behalten zu haben.


r/Schreibkunst 9d ago

Text: Kritik erwünscht Der Direktor

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Die alten Dielen unter dem Teppich knarrten unter den glänzenden schwarzen Schuhen des Direktors. „Und deswegen sollten Sie Lea einschreiben. Am besten gleich heute, damit wir alles organisieren können … und damit … der Platz nicht wegkommt. Wissen Sie, draußen wartet eine weitere Familie auf ihre Chance …“, schloss er seinen Monolog offen ab.
Vater grinste zustimmend und nickte bei jedem Schritt des Direktors – wie in Trance. Mutter räusperte sich und fragte schüchtern: „Aber … was macht man nach Ihrer Schule? Also, was wird man da?“

„Gut, dass Sie fragen“, fuhr der Direktor begeistert fort. „Ihnen stehen alle Türen offen. Und damit meine ich … alle“, verkündete er halb feierlich, halb verschwörerisch. „Aber wenn Sie denken, dass das zu herausfordernd ist, dann sollten wir es vielleicht lassen …“

Vater gab Mutter unter dem polierten, niedrigen Tisch, auf dem Schulunterlagen, Zeugnisse und Folder verstreut lagen, einen Tritt. Mutter sah ihn giftig an, stellte aber keine weiteren Fragen.
Sie zuckte nur zusammen, als der Direktor plötzlich „Clarissa!“ durch die offene, mit Schnitzereien verzierte Eichentür schrie. Die schmale Nase einer Dame um die fünfzig, besetzt mit einer kleinen, funkelnden Brille, und das dazugehörige Gesicht schoben sich zwischen Tür und Türstock.

„Ja, Herr Direktor?“
„Bringen Sie mir die Akte von Lea, ja?“
„Sofort, Herr Direktor.“

Nase, Brille und Clarissa verschwanden, und der Raum füllte sich mit gespanntem Warten.
Ich wippte mit den Füßen in dem viel zu hohen, weichen Sessel und sah in die Runde. Der Direktor sah sehr beeindruckend aus mit seinen grauen Haaren, den scharfen, wachen Gesichtszügen, dem samtigen Anzug, der dunklen Hose und dem Seidenhalstuch. Wenn er sich umdrehte, schimmerte hinter dem Grau seiner Haare leicht die fleischige Farbe einer beginnenden Glatze durch. Während ich sie betrachtete und darüber nachdachte, wann sie vollends zum Vorschein kommen und wie sie die schlanke Gestalt des Direktors verändern würde, kam Clarissa mit einer dünnen Akte in einer braunen Mappe zurück.

Der Direktor legte sie auf seinen schweren Schreibtisch, mitten in den Lichtkegel seiner Lampe, und schnurrte: „Ja, sehr, sehr beeindruckend. Ich sage das ja nicht oft, aber wenn Sie zusagen, schicke ich die nächste Familie gleich weg. Sie könnte morgen anfangen. Für die erste Zeit könnten wir auch Sie auf dem Campus unterbringen. Besonders vielversprechende Schüler sollen sich bei uns wohlfühlen. Und die Eltern sollen ebenfalls überzeugt sein.“ Der Direktor sah den im Takt nickenden Vater und die schweigende Mutter an.

„Also, ist es dann beschlossen? Ja?“, fragte der alte Herr und lächelte freundlich in die Runde. „Clarisssssa!“, schrie er unerwartet schrill durch die Tür, sodass ich kurz in meinem Sessel zusammenzuckte. „Bringen Sie bitte die Formulare für die Einschreibung her!“

Vater unterzeichnete als Erster mit einem kunstvollen Kringel. Mutter als Zweite, mit einem stilisierten H. Ich war noch zu jung, um zu unterschreiben, und lächelte, weil ich spürte, dass die Erwachsenen fertig waren und der Moment für ein freundliches Abschlusslächeln gekommen war.

„Clarisssaaaa!“, hallte es zum dritten Mal durch die Tür. „Zeigen Sie bitte Lea und ihren Eltern die Schule und ihre Quartiere. Machen Sie sich keine Sorgen – Sie haben die richtige Entscheidung für die Zukunft Ihres Kindes getroffen. Das wird wundervoll!“, zischte der Direktor und nahm hinter seinem Schreibtisch Platz, während er mich breit anlächelte.


r/Schreibkunst 9d ago

Text: Kritik erwünscht Monteney

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Zeit ist nicht mein Problem.

Ich sah noch eine Weile zu, wie die Rebellen darüber diskutierten, was sie mit den Überresten ihres Anführers Monteney machen sollten. Seine Herrschaft hatte vor vierzig Jahren begonnen, als sein Vater starb. Jetzt war es an der Zeit, ihn abzuholen.

Ich schlenderte auf seinen Körper zu. Oder auf das, was davon noch übrig war. Unterwegs nahm ich wie immer die Gestalt an, die mein Gegenüber verstehen sollte. Als ich ankam, wartete Monteneys Seele bereits auf mich.

„Wo ist die Sense?“, fragte er.

„Der Rest passt.“

Er versuchte noch einmal, sich die Nase zu putzen, bevor ihm klar wurde, dass die irdischen Regeln nicht mehr galten.

Ganz schön selbstbewusst für einen Mann, der gerade zu Tode geprügelt worden war, dachte ich.

Showtime.

In meiner Knochenhand erschien eine Mistgabel, die weit über meinen schwarzen Umhang hinausragte. Mit der anderen Hand zeigte ich direkt auf ihn.

„Du kommst mit.“

Ich ging auf ihn zu und packte ihn an der Schulter. Mit einer Angst in den Augen, die man bei ihm nur selten gesehen hatte, starrte er auf meine Hand. Mit jeder Sekunde ließ ich uns durchsichtiger werden. Monteney begann zu flehen. Er bat mich, ihn nicht aufzulösen.

„Nein“, krächzte ich.

Ich ließ uns in einem kleinen Dorf in der Wüste wieder erscheinen. Es hatte es nie in die Nachrichten geschafft. Alles sah noch genauso aus wie vor vierzig Jahren.

Wir sahen zu, wie eine Mutter aus einer Hütte trat. In der Ferne hörten wir bereits Pferde herangaloppieren. Monteney schloss die Augen. Er hatte die neuen Regeln immer noch nicht verstanden.

Er MUSSTE hinsehen.

Die ersten Reiter erreichten das Dorf. Monteneys Truppen fielen ein, setzten eine Hütte nach der anderen in Brand und erstachen jeden, der versuchte, den Flammen zu entkommen. Monteney selbst hatte damals von der Seite zugesehen.

Nach dem Blutbad stand nur noch die Mutter mitten im Dorf. Der Monteney von vor vierzig Jahren trat auf sie zu und zog sein Schwert.

Meine Stimme wurde zu einem tiefen Grollen.

„Warum, Monteney? Warum?“

Er schüttelte den Kopf und erklärte, dass keine Dynastie ohne Grausamkeit überleben könne.

„Sieh hin!“

„NEIN!“

Ich vervielfachte seinen Körper und zwang ihn, die Szene aus jeder erdenklichen Perspektive mitzuerleben. Dann versetzte ich sein Bewusstsein in die Opfer: in den Bauern, der sein Kind noch in den Armen hielt, in den alten Mann, den sie zu Boden stießen, in diejenigen, die aus den brennenden Hütten flohen, und in diejenigen, die es nicht mehr herausschafften.

„GENUG!“

Meine Stimme donnerte über das gesamte Dorf. Augenblicklich setzte ich ihn wieder in seiner eigenen Gestalt auf den Boden.

Monteney fiel auf die Knie. Mit gefalteten Händen und gesenktem Kopf flehte er mich an, ihn zu verschonen. Ich tippte ihm auf die Schulter.

Als er aufsah, nahm ich meine Kapuze herunter.

Mit dem Gesicht der Mutter sah ich ihm in die Augen.

„Nein.“

Monteney weinte und kroch in Panik auf allen Vieren davon. Ich ließ ihm ein paar Sekunden, bevor ich mich ein letztes Mal zu ihm hinunterbeugte.

„Du bleibst erst mal hier.“

Nun begann nur ich langsam zu verblassen. Ich winkte ihm noch einmal zu.

„Wir sehen uns in vierzig Jahren. Dann geht es weiter.“

Als ich verschwand, hörte ich, wie Monteney zu einem langen, verzweifelten Schrei ansetzte.

Jetzt war es vorbei.

Vorerst.


r/Schreibkunst 11d ago

Gesucht: Testleser oder Lektoren Tester für meine Schreibsoftware 'StoryForge' gesucht

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Hallo liebe Mitautorinnen und Mitautoren,

ich hatte über die letzten Wochen und Monate das dringende Bedürfnis meine alte Software (yWriter) zu ersetzen, weil mein Wechsel auf macOS diese nun kostenpflichtig machen würde. Außerdem gab es einige Punkte die hier und da immer mal wieder zu kurz kamen oder die icheinfach vermisst habe.

Nun gibt es die Hardcore Autoren, die in einem Terminal oder DOS Bereich schreiben. Was alles fine ist. Ich bin aber etwas visueller und will auch Charaktere klassifizieren. Vielleicht sehen in welchen Szenen sie auftauchen oder wann sie sterben, etc. Ich möchte Notizen haben und anlegen können. Ein Kapitel mit den Szenen vielleicht doch verschieben, oder aber eine Szene nach vorne ziehen...all das geht mit der Software, die ich nun habe und einiges mehr.

Ich hätte aber noch einige offene Fragen und am Ende soll es auch keine Software für mich sein. Sie soll verfügbar sein und auch genutzt werden. Daher bräuchte ich Freiwillige, die sich hier zum testen melden. Projekte importieren und exportieren ist möglich, das Tool ist vollständig lokal und überträgt nichts an irgendeinen Server - Disclaimer: Sofern ihr keine KI API hinterlegt, das geht nämlich auch. Hier stehen euch dann entweder bei markierten Abschnitten eigene Prompts oder vorgefertigte zur Verfügung oder aber die Analysefunktion einer Szene oder eines Kapitels. Das Feedback gibt es als Notizen, die ihr anpinnen könnt. In diesem Fall würde schon etwas euer Gerät verlassen, aber das ist kein Muss für eine funktionierende Schreibsoftware.

Einzige aktuelle Bedingung: Ich brauche MAC user zu diesem Zeitpunkt. Gerne hier drunter posten oder eine DM schicken, dann nehme ich Kontakt auf.

Danke, viele Grüße und frohes erschaffen von Fantasien :)


r/Schreibkunst 12d ago

Text: Kritik erwünscht Jeder einzelne

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Der Sturm draußen schien endlos. Als ob das Wetter nicht aufhören würde, bis jeder Ast gebrochen und jeder Baum aus dem Boden gerissen wäre.

"Jeder einzelne", dachte ich.

Ich hatte die Zeit vergessen. Meine müden Augen wechselten ständig zwischen dem Fernseher und dem knackigen Gemüse auf meinem Teller.

Ein vertrautes Geräusch störte die Ruhe. Die Türklingel. Ich zuckte heftig zusammen. Das schönste und schrecklichste Geräusch zugleich, je nachdem, ob man jemanden erwartet.

Das tat ich nicht.

Langsam drehte ich meinen Kopf zur Tür. Ich wusste verdammt gut, dass ich sie nicht öffnen würde, ging aber trotzdem hin, um durch den Spion zu schauen.

Je näher ich kam, desto mehr roch die Luft faulig. Was zur Hölle war in meinem Flur gestorben?

Ich schloss ein Auge und beugte mich zum Spion. Niemand war da.

Dann hallte eine Stimme durch das Treppenhaus.

"Jeder einzelne."

Einen Moment lang fragte ich mich, ob sie von einem der unteren Stockwerke gekommen war. Inzwischen wurde der Geruch unerträglich.

Als das Echo verschwunden war, drehte ich mich um.

Da war er.

Genau so, wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte. Langer schwarzer Mantel. Dunkelheit unter einer spitzen Kapuze. Eine Sense in einer knochigen Hand. Tiefe, raue Stimme.

"Bruder. Ich bin der Tod. Ich fürchte, deine Zeit ist um."

Es war mir egal, wie dieser maskierte Mann reingekommen war. Das war jetzt eine Frage von Leben und Tod. Ob er nun log oder nicht.

Ich starrte in die Dunkelheit unter seiner Kapuze. Meine Sinne schalteten auf Tunnelblick. Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, griff ich langsam nach dem Türgriff und bereitete meine Beine aufs Rennen vor.

Sie freuten sich schon darauf.

Ich erreichte die Klinke nicht.

Als ich endlich nach unten schaute, um meiner Hand zu helfen, sah ich, wie meine Finger direkt hindurchfuhren.

Das konnte nur bedeuten, dass ich träumte.

Also standen wir in meinem Flur. Ich starrte auf den Boden. Wie lange weiß ich nicht.

Meine Sinne verschwanden langsam. Ich hätte ewig da stehen können, ohne schwindelig zu werden. Ohne dass mein Kreislauf schlappmacht. Alles in mir wollte schwarz werden.

Aber das Schwarz kam nie.

"Marvin. Setz dich", sagte die uralte Stimme.

Ich tat es.

Ich setzte mich auf meine geliebte Couch. Der Tod in den Sessel. Wir atmeten beide schwer aus.

"Was passiert jetzt? Du schwingst die Sense und das war's?"

Er hob einen knochigen Finger.

"Ist schon passiert."

"Was ist passiert? Ich hab ferngesehen und gegessen..."

Der Finger zeigte hinter die Couch.

Ich schaute.

Mein eigener Körper lag auf dem Boden. Erstickt an rohem Gemüse.

Ich hätte ohnmächtig werden sollen. In Panik geraten. Schreien. Aber mein neuer, transparenter Körper spielte nach anderen Regeln.

Mich überkam das Gefühl, dass der Tod diese irdische Erscheinung aufrechterhielt, um mich zu beruhigen.

Ich setzte mich wieder auf die Couch und starrte ihn mit großen Augen an.

"An Gemüse erstickt. Wer hätte das gedacht."

Anscheinend hatte meine Selbstironie überlebt. Ein Lächeln entkam meinem Gesicht.

"Passiert oft", krächzte die Stimme aus dem Mantel.

"Super. Danke, Tod. Also kommst du und holst mich. WARUM ICH? Ich habe ein gutes Leben gelebt!"

Ich konnte mich nicht mal mehr an mein Alter erinnern, um es ihm vor die Füße zu werfen. Stattdessen warf ich eine Tasse.

"ICH! Ich habe so vielen Menschen geholfen. So vielen. Und jetzt kommst du, bevor ich meine eigenen Pläne beenden kann? Scheiß drauf. Das ist nicht fair!"

Der Tod tippte langsam mit dem unteren Ende seiner Sense auf den Boden.

Lila Staub umgab uns. Mein Zimmer verschwand.

Ich stand nackt in völliger Dunkelheit.

Dann erhob sich der Tod aus dem lila Staub.

So hoch wie ein Wolkenkratzer.

"VERGISS NICHT, MIT WEM DU SPRICHST, MARVIN! ICH HABE DICH NICHT ERSTICKT. DAS WARST DU ALLEIN! ICH ENTSCHEIDE NICHTS! JEDER EINZELNE!"

Der Tod verschwand.

Ich stand zitternd in der Dunkelheit.

Langsam kehrte mein Wohnzimmer um mich herum zurück.

Er saß wieder im Sessel.

"Wo waren wir, Marvin?" fragte er, jetzt ruhiger, aber immer noch krächzend.

Ich brachte kein Wort heraus.

"Meine Aufgabe ist anders. Kommt dir das nicht seltsam vor? Denk mal drüber nach."

Ich hatte keine Wahl, als darüber nachzudenken, wie ich diesem Albtraum entkommen könnte.

Der Tod ließ mich so lange nachdenken, wie ich wollte.

Ich ging verzweifelt jede Möglichkeit durch.

Ich war tot. Das wusste ich.

Aber ich war nicht weg.

Ich war noch hier.

Mein ganzes Leben lang hatte ich geglaubt, dass es nach dem Tod nichts gibt. Und jetzt saß ich auf meiner Couch und schaute auf meinen eigenen Körper.

Wenn ich hätte weinen können, hätte ich es getan.

Ich schaute ihn an.

"Wir haben Seelen?"

Der Tod nickte.

"Dafür bin ich da."

Im Angesicht des Todes hatte ich zum ersten Mal meine Seele gesehen.

Ich schloss die Augen.

"Es ist trotzdem nicht fair", sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen.

Die Stimme krächzte ein letztes Mal.

"Ihr müsst gerecht sein. Ich muss der Tod sein."

Er stand auf.

Ich folgte ihm.


r/Schreibkunst 13d ago

Gesucht: Testleser oder Lektoren Testleser/Kritik für Romantasy (F/F) gesucht

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Hey 🙂
ich suche Testleser:innen für meine Romantasy: Nebelflut Chroniken - Der Ursprung.
Sie hat derzeit ca. 40k Wörter, also liest man schon bisschen daran.
Ich würde mich aber auch zu Feedback einzelner Kapitel/Passagen sehr freuen!
Link zum Text: https://zeilencafe.de/stories/c8943970-3d4a-43e2-ae56-cb4610be8308
Liebe Grüße und vielen Dank ♥️


r/Schreibkunst 13d ago

Schreibhandwerk Wie unfair darf eine Entscheidung in einem interaktiven Roman sein?

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r/Schreibkunst 15d ago

Gesucht: Testleser oder Lektoren WANTED: Testleser für interaktiven Psychothriller

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r/Schreibkunst 18d ago

Schreibhandwerk Was haltet ihr von meiner Totenreich-Idee? Kann man diese in einem Jugendroman einbauen oder ist sie zu abgefahren??

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r/Schreibkunst 19d ago

Text: Kritik erwünscht In ewiger Sekunde

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makaveli85.wordpress.com
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In der Kenntnis wahrer Sünden,
da verlieren sich Gebote.
Bei der Nennung klarer Gründe,
da sterben grundlos Tote,

du kannst bloß die Suche finden
suchst du nach dem Sinn,
das Leben muss im nichts münden,
findest du dich so darin –

vor dem Weg liegt stets die Irrung,
im Irren bloß siehst du das Ziel,
vor der Klarheit liegt Verwirrung,
vor dem Ernst zuerst das Spiel

und bloß in dem vom Schatten,
siehst du die Existenz von Licht,
weshalb, wo sie keinen hatten
bloß das wahrlich Finstre spricht –

wenn ich ein Herz brennen sehe
dem ich gerne nah sein will,
steh‘ ich auf und gehe
und schweige, schweige still,

weil Worte dort gefangen bleiben
wo sie durch die Hand gereicht,
deshalb lasse ich mich fort treiben
und verschwinde mit vielleicht

und lass‘ mich einfach sinken
und sag‘ bloß: „halb so wild“
und hoffe, wirst du so einst winken
siehst du in aufgetauchtem Spiegelbild

die Schönheit im Grund der Gründe
und in ewiger Sekunde:
der Glaube dran, dass er bestünde
geht aus gutem Grund zu Grunde.


r/Schreibkunst 20d ago

Gesucht: Testleser oder Lektoren Testleser:innen für vollständigen Gay/MM-Romance-Roman gesucht

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Hallo zusammen,

vor einigen Monaten hatte ich hier bereits Menschen für eine kurze Leseprobe gesucht. Inzwischen ist das Manuskript deutlich weiter – deshalb suche ich jetzt Leser:innen für die vollständige Testlese.

Projekt:

„Zwischen uns die halbe Miete“

– Adult Gay/MM Romance · Contemporary Romance

– Slow Burn · Forced Proximity · Found Family

– ca. 392 Seiten (ca. 67.000 Wörter)

Kurzpitch:

Ein Wasserschaden. Ein Zimmer. Ein schmales Bett. Viel zu wenig Abstand.

Nino ist frisch von Anna getrennt und hat eigentlich genug mit seinem eigenen Neuanfang zu tun. Dann wird das Zimmer seines Nachbarn Rafi nach einem Wasserschaden unbewohnbar. Ausgerechnet Nino bietet ihm vorübergehend Platz an – und plötzlich teilen die beiden deutlich mehr Alltag und Nähe, als Nino eingeplant hatte.

Für die Testlese suche ich kein Korrektorat oder Line Edit, sondern Rückmeldung zur Lesewirkung:

– Wo funktioniert die Chemie zwischen Nino und Rafi?

– Wo fiebert ihr mit?

– Wo wird das Tempo zäh?

– Wo entstehen Verständnisprobleme?

– Und wo fällt man aus der Geschichte heraus?

Rahmen:

– EPUB oder PDF

– etwa 4 Wochen Lesezeit

– ab 18 Jahren

– kostenlos

– keine Rezension erforderlich

– Anmeldung ist bis 24.08.2026 möglich.

Bei Interesse findet ihr die Infoseite im ersten Kommentar – oder schreibt mir gern eine PN.

Danke und viele Grüße

Jonas


r/Schreibkunst 21d ago

Text: Kritik erwünscht Rückfahrt

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Mara hatte Erfahrung mit schnellem Einpacken und Verschwinden. Das war die fünfte WG, die sie verließ.

Sie legte ihren Schlüssel in die staubige Schale mit Münzen, Schrauben und Kaugummis und ging mit allen anderen die Treppen herunter und in den Hof hinaus. Thomas stopfte Maras Kartons in den Kofferraum eines alten Skodas, den ihm einer seiner Freunde übers Wochenende geborgt hatte. Marie und Simon sahen zu.

Küsschen links, Küsschen rechts.

Sie winkten und lächelten traurig, als Mara die Autotür vom Beifahrersitz aus zuknallte. Mara lächelte traurig und winkte. Thomas nickte ihnen durch die Scheibe zu und fuhr los.

Er war ein Punk. Man sah es ihm nicht an. Man hörte es aber, wenn man mit ihm mitfuhr.

Sie mussten durch die halbe Stadt, um in Maras alte Gegend zurückzukehren. Sie rollten durch die leeren Straßen – schnell, laut und im 4/4-Takt.

Mama und Papa waren heute nicht dabei. Sie fühlten sich wohl fehl am Platz. Zumindest waren sie nicht auf der Hinterbank zu sehen. Wahrscheinlich, weil Thomas dabei war.

Die Aussicht aus dem Fenster wurde vertrauter, je näher sie ihrer alten Gegend kamen. Das blaue Eckhaus, der alte Baum mit dem Loch, der verfallene Zeitungskiosk vermischten sich in Maras Kopf mit Szenen aus ihrer Kindheit.

Gedanken, die sie glaubte, gehabt zu haben. Erinnerungen, die sie irgendwo gehört hatte.

Sie wusste nicht immer, was davon ihr Leben war und was ihr jemand erzählt hatte.

Ab und zu schrie jemand im Track „Fuck“ oder Thomas fragte, ob er hier abbiegen soll.

Mara hätte das Haus verkaufen können. Das hätte aber wieder bedeutet, zu organisieren, zu warten, sich dann wieder etwas Neues zu suchen. Etwas nur für sich.

So gerne sie Thomas und die anderen hatte: Sie war es leid, Zimmer, Leben und Freunde zu wechseln und nie irgendwo anzukommen.

Sie fuhren an drei ehemaligen Wohnungen vorbei. Hier um die Ecke, das zügige grüne Stiegenhaus rauf, hatte sie ein Zimmer gemietet. Da hinten war die Bahnbrücke, die sie aus dem Küchenfenster der zweiten Wohnung sah. Und hier war die enge, dunkle Straße, in der sie eine Wohnung im Erdgeschoss bewohnt hatte und nachts Betrunkene gegen die Hauswand pissen hörte.

Alle Bleiben vereinte, dass sie keine Top-Immobilien waren. Mehr war aber leider nicht drin.

Zunächst hatte ihr Vater ihr Geld gegeben, weil man das wohl so macht.

Er pflegte zu sagen: „Ich gebe mein Bestes und sorge immer gut für meine Familie.“

Das erzählte er Kollegen, Bekannten und jedem anderen, der in einem redseligen Moment zufällig neben ihm stand. Manchmal sogar Mara.

Nach einem halben Jahr wurden die Beträge jedoch kleiner und kamen immer seltener. Nach einem Jahr kamen sie gar nicht mehr.

Mara zuckte mit den Schultern und nahm einen weiteren Kellnerjob an.

Eines Abends bediente sie einen Nachbarn im kleinen, aber sehr lauten Lokal. Übrigens, gleich hier um die Ecke hinter dem Schild, das Thomas, getragen vom Rhythmus, fast gestreift hätte.

Obwohl das Lokal immer voll und sehr dunkel war, erkannte der Nachbar Mara sofort und verwickelte sie in ein Gespräch, für das sie so gar keine Zeit hatte.

„Komm doch wieder vorbei. Dein Vater ist so alt und krank, und er hat so viel für euch getan!“

Die Augen des Mannes glänzten betrunken und neugierig.

„Ja, er gab mir und meiner Mutter immer sein Bestes“, sagte Mara artig, lächelte und ging zum nächsten Tisch.

„I don’t care“, schrie eine Band im Chor ins Mikro.

Thomas tippte im Takt mit dem Finger gegen das Lenkrad und summte mit.

Instrumentaler Break im Lied …

Dann:

„Fuck youuuuu!“

(…)

Maras Vater hatte in seiner eigenen Wahrnehmung immer jeden Respekt verdient und immer viel zu wenig davon bekommen.

Ab und zu saß er am großen Tisch in seinem alten, leeren Haus und dachte nach: „Wenn ich morgen nicht zur Arbeit erscheine, würde mich niemand vermissen. Vielleicht würden sie sich sogar freuen?“

Dann wurde er wütend.

Auf seine Frau.

Sie war 15 Jahre jünger als er. „Du bist nichts ohne mich!“, hatte er ihr nach der Hochzeit gesagt. Und daran glaubte er aus tiefstem Herzen.

Sie war nicht das, was er sich gewünscht hatte. Aber sie brauchte ihn. Genauso wie seine Tochter. Ein schmächtiges, blasses Kind mit großen Augen.

Aufmüpfig – genau wie die Mutter.

Kurz nach ihrer Geburt hatte sie ihn so seltsam angesehen – neugierig. Sie streckte ihre kleinen Finger nach ihm aus und lächelte zahnlos. Anfangs hatte er sie nach der Arbeit ab und zu umarmt und geküsst.

Doch als er einmal wütend nach Hause kam, schob er sie unsanft zur Seite. Er hatte jetzt keine Kraft für ihr Geschrei. Für „Papa, Papa!“ Für Runden auf dem Rücken durch den Vorraum.

Mara landete im Schuhhaufen neben der Eingangstür.

Seitdem sah sie ihn anders an.

An manchen Tagen deutete er ihren Blick als Respekt, an anderen als Ablehnung. Aber sie rannte ihm nie wieder entgegen.

Das machte ihn wütend.

Nicht nur das. Am meisten hasste er es, wenn sie sich in einen Streit zwischen ihm und ihrer Mutter einmischte. Wie ein kleiner Terrier, der kläfft und alles nur noch schlimmer macht.

Ohne es zu wissen.

Er musste sich regelrecht zusammenreißen, als er merkte, wie einfach es war, sie durch den Raum zu schleudern. Viel leichter als ihre Mutter.

Mara begriff nicht sofort, dass sie genau gar kein Gewicht in so einer Auseinandersetzung hatte. Selbst als sie es verstanden hatte, gab sie die Versuche nicht auf.

Seitdem hasste sie es, wenn die Haustür aufging und Vater eintrat. Schon das Geräusch des rostigen Gartentores ließ ihre Hände feucht werden.

(…)

„Makes meee sick!“

„Gutes Lied, oder?“, stellte Thomas in den Raum des fahrenden Autos.

„Hat definitiv was!“, antwortete Mara, ohne zuzuhören.

Öffentlich gab Maras Vater immer gerne zu, dass er streng war und gleichzeitig stolz auf die Erziehung seiner Tochter. Das war der einzige Punkt, den er als gemeinsame Leistung mit seiner Frau ansah.

Beide wollten Mara nicht zu sehr verhätscheln – sie sollte bereit fürs Leben sein.

Die Prügel gegen sich selbst sah Maras Mutter differenzierter: Sie war stolz auf ihr mutiges und starkes Mädchen, wenn sie sich ihrem Vater in den Weg stellte und ihr Zeit verschaffte, um ins Bad zu flüchten.

Nach den Schlägen kam sie zu Mara und erzählte, was für ein Monster ihr Vater doch sei.

„Ich kann nicht weg! Was soll ich alleine machen? Und auch noch mit dir?“

(…)

„Pass auf, jetzt kommt es.“

Thomas trommelte auf das Lenkrad und summte mit:

„No Future“.

Mara lächelte wohlwollend und wippte im Takt.

(…)

An ihrem letzten Geburtstag mit ihrer Mutter bekam sie eine Puppe und einen kleinen Kuchen mit ein paar Kerzen – fünf waren bereits angesengt und nur eine war unverbraucht.

Es fehlte an Geld, und das sah man im Großen und im Kleinen.

Mutter präsentierte ihr Geschenk an Mara – stolz und unverpackt. Vater war bei diesem Fest nicht dabei. Deshalb war Mutter zu Beginn auch gut gelaunt.

Sie stießen an, und nach ein paar Gläsern Saft wurden Mamas Augen noch glasiger als sonst. Sie fing an zu weinen und steigerte sich immer mehr hinein.

Viel mehr passierte nicht an diesem Tag. Daran hätte sich Mara erinnert.

Sie wusste nur noch, dass sie im Bett lag und dachte:

„Das war mein Geburtstag.“

Das war der zweite Abend, an dem sich Mara ihre Eltern wegwünschte – und einer der letzten vor Mamas Verschwinden.

(…)

„I don’t care …“ dröhnte es aus dem Lautsprecher.

Thomas war still.

Mara starrte durch das Fenster.

Sie bogen in die Straße ein, in der Mara ihre Kindheit verbracht hatte – vorbei an alten Bäumen mit den viel zu langen Wurzeln, die den Bodenbelag sprengten, und den viel zu alten Häusern, die entweder verlassen oder überfüllt waren.

Von hier aus hätte Mara den Weg nach Hause sogar im Schlaf gefunden.

(…)

Die Zeit verging schneller ohne Mama. Mara wurde größer und ihr Vater gebrechlicher.

Er hatte immer schon eine Brille, aber nun wurde sie immer dicker und seine Augen dahinter immer winziger. Er sah lächerlich aus, wenn er wütend war.

Mit dem schwindenden Augenlicht verlor er immer mehr Kontrolle über sein Leben. Er brauchte Unterstützung und forderte sie ein.

In Befehlston.

Auch als der Heizkostenzuschuss auszufüllen war. Er schrie und tobte und fuchtelte mit den fünf nummerierten Fragebögen vor Maras Nase herum.

Und Mara hatte genug.

Sie war 18 Jahre alt, hatte die Schule beendet und einen Ferienjob. Sie nahm die Zettel und warf sie auf den Boden.

Als er alles aufgesammelt hatte, war sie nicht mehr im Zimmer.

Das gusseiserne Tor zur Straße seufzte auf und knallte zu.

Sie war weg.

Sehen sollte er sie nie wieder.

(…)

„Fuck. Fuck. Fuuuuuuck“, sangen Mara und Thomas im Chor.

(…)

Mara kam die erste Zeit bei Freunden unter. Manchmal konnte Mara Oma besuchen, ohne dass Vater es bemerkte, und ihren Kram, Stück für Stück, aus dem Haus schleusen.

Manchmal sah sie ihn reglos am Tisch sitzen oder Radio hören. Er bemerkte sie nicht. Vielleicht tat er aber auch nur so, um nicht mit ihr sprechen zu müssen.

Blinde Menschen hören ja für gewöhnlich gut.

Eines Tages rief Oma an und meinte, Papa sei im Krankenhaus – angeblich im gleichen, in dem ihre Mutter gestorben war.

Auf dem Weg nach Hause waren Mara und Thomas daran vorbeigefahren. Es ist gleich die Allee runter. Manchmal sieht man Patienten dort spazieren. Sie gehen aber nie weit weg, als wären sie angebunden.

Oma hatte schon zum Zeitpunkt des Telefonats ihren Frieden damit gemacht, dass ihr Sohn da wohl nie wieder lebend rauskommen würde. Das teilte sie Mara mit und die Bitte, ihn doch mal zu besuchen.

Auch beim Besuch im Krankenhaus – ihrem letzten – wusste Mara zu Beginn nicht wirklich, ob er seinerseits wusste, dass sie da war.

Es war zu spät, um etwas zu besprechen oder zu klären.

Beim Gehen sagte sie ihm, dass sie ihn „wahrscheinlich“ lieb habe.

Das fühlte sich alles so falsch an.

So, als hätte es jemand anderes gesagt.

(…)

„Wrong, wrong, wrong …“ krächzte es aus den Boxen des alten Skodas.

(…)

Mara umarmte ihn widerstrebend. Er lag nur da und drückte sie nach einiger Zeit langsam weg.

Dann ging sie heim.

Beim nächsten Anruf des Krankenhauses hob sie nicht ab.

Irgendwann rief eine unbekannte Nummer an – es ging um die Verlassenschaft und das Erbe ihres Vaters: das Haus und ein bescheidenes Sparkonto.

An ihrem Schreibtisch im Büro sitzend fühlte sie – nichts.

(…)

„I’m not ok … no, no, no“, sang eine nasale Stimme und Thomas stimmte mit ein.

Er war sehr happy über die lange Fahrt mit Beschallung, aber Mara bekam langsam Kopfweh. Es war gut, dass sie angekommen waren.

„Ist es das?“, fragte Thomas.

„Ja“, antwortete Mara.

Er schien nicht beeindruckt vom Haus. Man sah von der Straße aus nicht viel außer den krausen grünen Köpfen der Bäume und Sträucher und ein wenig von den alten, bröckelnden Wänden.

Man konnte nicht mal die Form des Hauses erahnen. Ob es groß oder klein war. Hoch oder nieder.

Selbst als er durch das grüne Tor ging und die Stufen zur Haustür hoch, sah er immer nur ziemlich verwitterte Ausschnitte im Grün des Gartens.

Thomas verabschiedete sich mit einer langen Umarmung, nachdem er ihren Kram im Vorraum untergebracht hatte.

Das Tor knarzte, als er es schloss.

Mara ging durch ihr Haus.

Die Sonne schien durch die Fenster im Erdgeschoss, und es war s


r/Schreibkunst 21d ago

Gesucht: Autoren oder Schreibpartner Rp Partner suche Für diese Story

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(Das ist meine Lilith auf dem Bild, mit ihr rp ich dann)

🦇Story🦇:

Lilith Johnson ist eine Besonders Schöne Frau und ihre ganze Familie Beherbergt ein Grundliegendes Geheimnis,

Ihre Mutter gab ihr damals Bücher über die Familien Geschichten und Legenden, Sie Trägt seid Jahren

eine Kette mit einem Blutroten Diamant Fledermaus, Dieser Diamant ist aus Reinem Blut gefertigt worden, diese kette wurde ihr von ihrer Mutter geschenkt.

Danach Verstarb ihre Mutter ohne zu wissen wer Lilith's Leiblicher Vater ist setzte sie ihr Langweiliges leben Fort.

in ihrem inneren Schlummerte eine Vampirin aus Reinem Blut, das weiß sie aber noch nicht.

🦇Meine Angorderung ist🦇:

🦇Aktiv sein

🦇Den Vampirkönig Playen und Dominant sein

🦇Ü18 sein

🦇Ist ein 1x1 Rp

🦇Freue mich auf dich🦇


r/Schreibkunst 24d ago

Gesucht: Autoren oder Schreibpartner Suche Schreibbuddy 🖤 | Dark/High Fantasy, Multi-POV & Found Family

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r/Schreibkunst 23d ago

Text: Kritik erwünscht Suche Feedback zu kurzem Text

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Ich muss für einen Uni-Kurs einen kurzen kreativen Text zu dem Thema 'Almost...' schreiben. Ich würde gerne wissen wie euer allgemeiner Eindruck ist und wo und wie ich den Text verbessern könnte. Die einzige Vorgabe neben dem Thema ist, dass der Text nicht mehr als 4000 Zeichen inklusive Leerzeichen haben darf.

Den Text könnt ihr in den Kommentaren finden.

Schon mal vielen Dank für eure Hilfe :)


r/Schreibkunst 24d ago

Gesucht: Testleser oder Lektoren Testleser für erste Romantasy Geschichte gesucht

7 Upvotes

Hey, ich bin Felix und schreibe an meiner ersten großen Geschichte:
Die Zielgruppe ist Young Adult
Bisher hat es um die 35k Wörter und bald um die 40k (wenn ich das nächste Kapitel fertig habe)
Feedback hinsichtlich Stil, Plotholes, Spannungsbogen und generelles Sentiment dem Inhalt gegenüber wäre super!

Kurzbeschreibung:
Nori, Schülerin am Druiden-Kloster in den tiefen des Schimmerwaldes, steht kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung. Doch als Gesandte aus Osmeria, der Hauptstadt des Königreichs Andaya, eintreffen, muss sie ihr bisheriges ruhiges Leben hinter sich lassen.

Ein alter Feind weitet sich im Osten des Landes aus – ein Nebel, der alles verschlingt, was ihm begegnet und aus dem Heerscharen von Kreaturen dringen, die nicht von dieser Welt stammen können. Um der Gefahr entgegenzutreten, ruft das Königreich nicht nur die erfahrensten Kleriker und Druiden, sondern auch Lehrmeister und Schüler der drei Klosterschulen Andayas in die Hauptstadt, um sein Heer für den Kampf zu wappnen.

Nori und ihre Freunde treten eine Reise an, die sie all ihre Kräfte kostet. Dabei freunden sie sich mit Lenara, einer Söldnerin des Königs an, die auch eigene Ziele zu verfolgen scheint. Nach und nach wird klar: Noris Rolle in diesem Krieg ist größer, als sie je geahnt hätte und sie muss gut abwägen, wem sie wirklich vertrauen kann.

Vielen lieben Dank, falls ihr reinschauen wollt <3
Link zur Geschichte:
https://zeilencafe.de/stories/c8943970-3d4a-43e2-ae56-cb4610be8308