So, nachdem wir jetzt gute zweite Monate aus dem Norden mit dem Bus statt der U-Bahn in die Stadt fahren durften, wie waren eure Erfahrungen mit dem SEV? Zuerst dachte ich ja, 6-Minuten-Takt von Gelsenkirchen und 3-Minuten-Takt ab II. Schichtstraße klingt schon fast vernünftig und so, als könnte es sogar funktionieren. Nur hatte ich mal wieder nicht bedacht, dass die Busse dann ja auch alle 6 bzw. 3 Minuten fahren müssten. Was sie natürlich nicht taten. Zu keiner Zeit.
Egal ob's der erste Bus morgens um halb 5 Uhr war, der kam erstmal fast 10 Minuten zu spät. Oder vormittags, mittags, nachtmittags, abends oder nachts. Beim 6/3-Minuten Takt kann man natürlich nicht mehr wirklich von Verspätungen reden, sondern von Ausfällen. Und die waren mannigfaltig. Dazu Busfaher\*innen, die immer wieder Haltestellen nicht angefahren haben, noch nie was von progressivem Bremsen gehört haben. Die rote Ampel an Haltestelle Zeche Carl Richtung Gelsenkirchen war für viele auch eher ein netter Vorschlag, den man aber ignorieren konnte. Anzeigen, welche Haltestelle als nächste kommt oder gar Durchsagen waren auch eher optional, vor allem bei den Subunternehmer-Bussen. Konnte aber vorher natürlich niemand wissen. Klar.
Und da gefühlt nur die Hälfte der Busse auch kam, waren die dann gerade in den Stoßzeiten komplett überfüllt. Da konnte man schon mal ne freitags abends am Berliner Platz ne Stunde warten, bis dann endlich ein Bus kam, in den man auch einsteigen konnte.
Aber netterweise hat die Ruhrbahn ja - wie man es kennt - immer super informiert und Verspätungen und Ausfälle transparent kommuniziert. Wäre ja auch traurig, wenn selbst in der App nicht einfach nur die planmäßigen Abfahrten stünden ohne jeden Hinweis auf etwaige Probleme, Ausfälle oder Verspätungen. Sowas würde ja nie passieren.
Konnte ja aber auch mal wieder niemand damit rechnen, dass Busse, die über die Altenessener, die Gladbecker und die Bottroper fahren, irgendwie mit viel Verkehr zu tun haben könnten. Oder dass Busfahrer\*innen auch mal Pause machen müssen. Oder dass eine Buslinie, die von Gelsenkirchen Horst bis nach Bredeney durch die Innenstadt mit all den Baustellen fährt, vielleicht gar nicht immer den vielleicht etwas optimistischen Fahrplan einhalten könnte. Woher soll man auch wissen, dass auch noch andere über diese Straßen fahren?
Zum Glück gibt's aber alle anderen. Die waren schuld. Immer und an allem. Der Verkehr, die Fahrgäste, kaputte Busse. Immer nur diese bösen äußeren Umstände, die arme Ruhrbahn konnte natürlich - wie man es kennt - da halt gar nichts tun.
Naja, eine Woche noch, dann fahren wieder die U-Bahnen. Auch nicht immer und selten püntklich. Aber besser als das, was die Ruhrbahn da die letzten zwei Monate verbrochen hat, wird's allemal.