Ich arbeite als Lehrkraft an einem Gymnasium und seit ein paar Jahren steigt die Anzahl der Schulbegleiter in den Klassen. Kaum eine Klasse in den Jahrgängen 5-8, in denen nicht mindestens ein Kind mit Begleitung sitzt. In den allermeisten Fällen ist das prinzipiell eine gute Idee bzw. auch nötig, überwiegend aufgrund einer ADHS- oder Autismusdiagnose.
Es kotzt mich aber total an, dass allermeisten Schulbegleiter offensichtlich das sind, was man als „gescheiterte Existenz“ bezeichnen würde. Leute, die keine Berufsausbildung haben, keinerlei Qualifikation und vermutlich nur deshalb diesen Job (ich nenne es hier bewusst nicht Beruf) gewählt haben, weil es hier in der Gegend kein Callcenter gibt, in dem sie mit vergleichbar geringer Qualifikation arbeiten könnten.
Viele haben zwar das Herz am rechten Fleck, sind aber völlig ungeeignet, kognitiv zu verstehen, was der Umgang mit ihren Schützlingen erfordert, sodass sie auch gleich wegbleiben könnten. Manche bilden durch ihr Verhalten eine zusätzliche Belastung zu 30 Kindern im Raum, da sie z.B. am Handy sind, was die Kinder zurecht irritiert („Wieso dürfen wir das nicht?“), sich lautstark unterhalten (in manchen Klassen sitzen gleich zwei oder mehr Begleiter) oder versuchen, sich in den Unterricht einzumischen.
Ich verstehe ja, dass es einen stetigen Bedarf bei gleichzeitigem Mangel an qualifiziertem Personal gibt, aber nehmt doch bitte nicht einfach jeden dahergelaufenen Mensch mit Hauptschulabschluss und einwandfreiem Führungszeugnis (was bei vielen Trägern die einzigen Anforderungen sind). Die momentane Lage hilft echt niemandem.
EDIT: Mal kurz als Antwort auf die am meisten genannten Kritikpunkte in den Repliken:
- Es geht mir um die Kinder, darum macht es mich so wütend. Diesen Kinder soll durch Unterstützung die Teilhabe am Unterricht an einer Regelschule ermöglicht werden. Wenn dann aber Callcenter-Angie oder Spielothek-Kevin (bewusst überspitzt formuliert) als Begleitung eingesetzt werden, wird das nix und das Kind verliert weiterhin.
- Es gibt Leute, die machen einen ganz wunderbaren Job und auf die möchte ich zum Wohl des Kindes auf keinen Fall verzichten. Und ja, das sind zum Teil auch Leute ohne passende fachliche Qualifikation.
- Logisch gibt es in Lehrerkollegien ebenso Leute, die völlig ungeeignet für ihren Beruf sind. Erstens geht’s aber gerade nicht um die und zweitens haben sie sich zumindest diverse Jahre mit der Qualifikation beschäftigt.
- Jede Berufsausbildung ist wertvoll und wichtig. Ihr wollte aber auch nicht, dass ich plötzlich im Krankenhaus arbeite, nur weil ich keine Lust mehr aufs Lehrerdasein hab und ja immerhin alle zwei Jahre einen Erste-Hilfe-Schein gemacht habe.
- Klar ist es primär meine Aufgabe, die Schüler zu unterstützen und den Klassenraum zu managen. Dass das aber z.B. in der 5. Klasse mit mittlerweile 30 Kindern, von denen 10 keine passende Schulartempfehlung haben und drei eine attestierte Neurodivergenz haben, nicht so leicht ist, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier.