Langsam rumpelt ein T1 unter den gerade entzündeten, sacht glimmenden Straßenlaternen über das Kopfsteinpflaster.
Aus dem Radio schmeichelt sich, über dem leichten Rumpeln des Motors fast nicht zu hören, die Stimme von Leonard Cohen in die Ohren der müden Fahrerin und mischt sich mit den Zirpen der Grillen in den sommerlichen Feldern, und der nach Heimat klingenden Stille des so vertrauten und irgendwie doch fremd anmutenden Dorfes.
Going home without my sorrow
Going home sometime tomorrow
Going home to where it′s better than before
Going home without my burden
Going home behind the curtain
Going home without the costume that I wore
Den Ellbogen auf der Kante des Fensterrahmens abgestützt, eine kalte Zigarette zwischen den Fingern, schaut die Fahrerin in die langsam an ihr vorbei ziehenden Fenster, aus denen das warme Licht all der kleinen Heimatinseln des Dorfes die nächtliche Straßen erhellt.
Schorschis Haus, der Schrottplatz Gebrauchtwarenhandel, das HDH, die WG, Stiegls Dorfkneipe, Bennis Haus, Laras Cafe, Luis Zuhause.
Alles noch da. Unverändert. Vertraut. Fremd.
Es riecht nach Acker, nach Staub, nach Kühen. Nach Hotdogs, Kornfeldern, Wald, dem See und Sommer. Und ein bischen nach Maschinenöl, Eisen und Bachmann.
Die Fahrerin lächelt, die Haare wie immer nachlässig zusammengebunden, tiefe Ringe unter den Augen.
Die letzten Monate waren seltsam gewesen. Rastlos, getrieben, voller Heimweh.
Mit einem letzten Brummen, leichtem Quietschen und einem kleinen Ruck, hält der Van am See.
Die hintere Tür geht auf, um die duftende Nachtluft hineinzubitten. Ein Schlafsack raschelt.
Ein letztes erleichtertes, schläfriges Seufzen.
"Hier ist gut."
Skadi schläft, beinahe ansatzlos, ein.