Hallo meine Lieben 🫶🏼
Heute beschäftigt mich das Thema Nächstenliebe und ich möchte meine Gedanken mit euch teilen.
Ein Tl:dr kann ich glaube ich nicht sinnvoll formulieren, also ist diese Textwand nur etwas für gelangweilte, die Bock haben mal einer fremden in den Kopf zu schauen :D
Folgende Situation/en
Ich arbeite seit kurzer Zeit nebenbei in einer Pizzeria. Ich habe einen Arbeitskollegen, mit dem ich mal eine Diskussion über Glaube hatte. Ich bin nicht gläubig bzw. verfolge ich keine Religion und fühle mich keiner angehörig, würde aber behaupten, dass ich religiöse Grundwerte vertrete, wie zum Beispiel eben Nächstenliebe, dem anderen nicht schaden, etc. Noch kurz zum Plot:
In dieser Diskussion wurde es „entspannt hitzig“, wo dieser Kollege irgendwann meinte „wenn du nicht glaubst kommst du in die Hölle“. Das hat mich ansich nicht wütend gemacht, weil ich ohnehin nicht an die Hölle glaube, aber dafür die Art und Weise die Unterhaltung zu führen. Es war nicht wirklich konstruktiv. Deshalb habe ich ihn aber auch als etwas „einfältig“ abgestempelt und ihm innerlich vorgeworfen wie mein Opa zu sein, der mir den Katholizismus aufzwängen wollte. Hat einfach irgendetwas in mir getriggert und ich war meinem Kollegen seither eher abgeneigt.
Letzte Woche ist mir ein fetter Patzer unterlaufen und ich habe statt Pizzabrötchen mit Hähnchen einfach eine fette Party Pizza bei den Bäckern bestellt. Aber zumindest mit Hähnchen! Jedenfalls haben wir vergeblich versucht sie noch zu verkaufen. Besagter Kollege war dann aber so toll, dass er freiwillig den Umweg gemacht hat und die Pizza zur Tafel gebracht hat. Obwohl es irgendwo für mich keine Frage wäre, natürlich würde ich diese riesen Pizza irgendwo unterbringen - mein erster Gedanke wäre aber vermutlich bei meinen Freunden gewesen. Oder ich hätte mir im Zweifel was damit überlegt. Ich hatte auch gar nicht die Möglichkeit vor Augen, dass ich sowas auch bei bestimmten Stellen abgeben kann um jemandem zu helfen. Deshalb erstmal fette Props an meinen Kollegen! Andererseits arbeitet er schon länger in der Gastro (ich bis dato nur mal nen Monat vor 10 Jahren), vermutlich hat er so eine Situation schon öfter mal. Dennoch ist der Umgang damit nachhaltig und hilfsbereit.
Heute, kurz vor Ladenschluss, kamen zwei Männer zu mir an die Kasse. Haben sehr devot und freundlich gefragt, ob es bei uns irgendetwas zu essen gäbe, sie hätten kein Geld, sei es was auch immer. Mein Kollege (Pizzabäcker) hat entschieden noch schnell Pizzabrötchen raus zu geben. Das aber auch mit einem kleinen Anflug von „ist mir unangenehm“, weil er vor seinem Küchenchef nicht so zeigen wollte, dass er Sachen verschenkt. Dann hat er die gebacken, der Küchenchef ist raus, und der Kollege drückt mir schnell 2x Kräuterbutter in die Hand. „Hier, gib denen schnell…“ und ich denen dann schnell die Butter durchgereicht, irgendwie fast schon total erleichtert. Die Jungs waren auch super dankbar, vermutlich endlich eine warme Nahrung nach Tagen in den Magen zubekommen.
Mein Kollege hat mich damit irgendwie total beeindruckt. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich sehr dankbar für seinen Umgang damit bin und er ein großes Herz hat. Das, was ich gern gemacht hätte aber nicht entscheiden konnte, hat er dafür genau nach meinem Wunsch für die Männer entschieden. Ohne mir jetzt einen Heiligenschein aufsetzen zu wollen: Ich gebe regelmäßig in meiner Stadt Obdachlosen, gerade bei Hitze, Wasserflaschen, mein zu viel gekauftes Brötchen, mitgenommene „Essensreste“ vom Imbis, und so weiter und sofort. Das gehört für mich dazu, denn wenn ich jemandem Bedürftigen helfen kann dann tue ich es auch mit dem, was mir möglich ist. Ich kann nicht immer 2 Euro geben - die brauche ich aufgrund meiner finanziellen Lage auch leider selber.. wenn ich aber irgendwie kann tue ich es. Dass mein Kollege, mit dem ich überhaupt nicht auf einer Welle schwimme, genau das, wofür ich stehe, lebt, hat mir einen neuen Blickwinkel auf die Nächstenliebe gegeben, über den ich bisher nicht so nachgedacht habe.
Ja, die Nächstenliebe verstehe ich als Hilfsbereitschaft; Unterstützung; niemandem etwas schlechtes gönnen, sondern offene und große Herzen haben; den Armen helfen. Dabei habe ich aber ganz vergessen, dass Nächstenliebe auch bedingungslos sein kann und mein direktes Umfeld betrifft, das vielleicht nicht in diesem Sinne bedürftig ist, aber irgendwo meiner Aufarbeitung bedarf. Ich kenne viele viele Leute, einige davon mag ich einfach nicht, was okay ist. Aber muss ich die direkt auf das Negative beschränken, weshalb ich sie nicht mag? Viel zu selten werfe ich genau diesen Leuten positive Eigenschaften vor oder mutmaße, dass sie auch mit guten Werten durch die Welt laufen können. Ich mache mir entweder keine Gedanken über sie, oder aber denke, dass sie bestimmt dieses oder jenes auch tun. Ich will doch gar nicht so sein. Viel besser kann ich, wenn ich mit diesen Menschen zusammen sein muss, versuchen die guten Dinge in ihnen zu sehen. Das ist kein Problem wenn ich die Zeit habe sie wirklich kennenzulernen und diese guten Seiten auch für mich sichtbar sind - bei diesem Kollegen waren sie es nicht, weil ich ihn zum einen nicht oft sehe, zum anderen aber vor allem schnell abgestempelt und bis aufs Arbeiten nicht mehr groß beachtet habe. Das war vielleicht nicht ganz so fair von mir und ich möchte versuchen wieder mehr zu suchen. Nicht nur die Leute zu nehmen wie sie sind und manchmal auf Distanz zu bleiben, sondern aktiver nach ihren positiven Traits zu stochern. Bei ihm weiß ich jetzt wo ich anknüpfen, vielleicht sogar mich mit ihm austauschen kann, um noch mehr Anlaufstellen und Angebote zu finden.
Puh das war lang.. aber irgendwie musste es raus. Mein Herz ist gerade einfach gefüllt mit Liebe, das wollte ich gerne mit euch teilen.
Abschließend möchte ich danke an jede sagen, die bis hierher gelesen hat. Ich fühle mich gesehen ❤️ Und, dass ich diese Community schätze und dieses Thema nicht umsonst hier droppe. Danke für die Möglichkeit!
In diesem Sinne: Spendet, schaut auf einander, helft euch gegenseitig, fragt ob jemand Hilfe braucht und unterstützt, wenn ihr in der Lage dazu seid. Die Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied - lasst uns alle Teil davon sein genau diese zu stärken und unsere jeder Gemeinschaft kräftiger zu machen!
(Und vielleicht fällt euch ja auch jemand ein, dem ihr nochmal die Chance geben möchtet, euch eines besseren zu belehren.. und sei es ein Sidecharacter in eurem Leben.)
Hab euch lieb.