r/einfach_schreiben 5h ago

Das Lamm im Wolfspelz

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Eine Wölfin gebar ein Lamm. Entsetzen und Sorge wird ihr zum Bann. Das Lamm bekommt ihre Obhut, ein Wolfspelz aus Angst und Kummer.

Mit der Zeit verkennt es ihre Natur so wie die Mutter.

Jagen, Essen, doch der Hunger kann so niemals enden, bestimmt ist er etwas anderem.

Viele male wäre das Lamm verstorben, viele male war es soweit. Doch die Mutter hütet es so, wie es ihrer Natur entspricht.

Eines Tages als das Wolfslamm allein auf der Pirsch war begegnet es einen Hirten. ,, Ein Wolf bist du nicht, es ist zuwider. Dein blick ist nicht das eines Jägers." Sagt der Hirte. Das Lamm endsinnt sich, es will nicht mehr. Aber ihre Mutter gab es Ihr Pelz und Hütet es. Der Schäfer sagt ,, Sieh wie mager du bist, es muss wahr werden, zeig dich deiner Mutter und red ihr Verständniss ein." Es wirft ihr Pelz ab, weidet, und mit neuer Zuversicht und Kraft geht es zur Mutter.

Erkennen tut sie ihr Kind jedoch nicht, ergreift und zerfleischt wird ihre Tochter.


r/einfach_schreiben 7h ago

es ist okay, Papa

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Papa, um dich zu lieben,
beinahe will ich lachen,
ist am Ende mir geblieben
das Geständnis dir zu machen,
was du zum Vorwurf mir gemacht,
weil du’s, wie ich, zerdacht,
bis zu deinem letzten Gang
als mir kein Gefühl gelang,
wo Tränen aufrecht scheinbar fielen
in einem kalten Abgesang,
musst‘ ich meine Trauer spielen,

Papa, kannst du es lesen,
die Leere, sie war gut gemeint,
du wurdest, bist gewesen,
weil du selber nie um dich geweint,
du gingst und bist gegangen
aus dir, in dir gefangen
und liegst unter dem, dazu begraben,
was bis zum Schluss sie drauf noch gaben.
Ich weiß, dass es dich traurig macht
wird zu „Fußballhymnen“ dir gedacht,
wenn du siehst, hier ist es Nütze
was am Ende dich nach dort gebracht
und eingesargt in Kochmütze,

Papa, du hast gehasst,
was dich vor diesem Leben schützte,
was zum Überleben passt
zum Leben aber dir nie nützte,
Papa, ich hab’s gespürt,
dass sie hin zum Schluss dich führt,
die Hoffnung, bis zum Schluss gelogen,
hat den Schlussstrich längst gezogen,
das erste, letzte Mal in deinen Armen
in dem du mich zum Mensch erzogen
war ein Abschiedsgruß im Warmen,

Papa, es war zu kalt,
zu kalt, zu kalt in deinem Herzen,
dieses Leben dir zu alt
und die unbeweinten Schmerzen
und die Zweifel und kein Glück
und dieser Weg und kein zurück.
Papa, ich weiß du bist gestorben
weil du keinen eignen Schritt auf deinem Stück
gingst, denn diese Erde ist verdorben,

Papa, was sie auch sagen,
nur zu! nur zu! nur zu!,
weil mich deine Zweifel plagen,
warst du ich und ich bin du,
weil mir von dir blieb, dich zu hassen
hast du am Ende mir gelassen,
den Grund für mich, den Grund dafür,
ein zu Haus‘, die Welt zu fassen
mit deinen Namen an der Tür.

Papa, ich hatte bloß nicht angenommen,
weil ich glaubte, glaubte gern,
für echte Liebe müsst‘ es weit kommen,
dass weit die echte Nähe fern,
dass wir Nahe dem Verderben,
dass manche Menschen müssen sterben
damit am Ende einmal eben
einmal Menschen Menschen erben,
einen echten Grund zum Leben,

Papa, kannst du es sehen,
diese Träne wird uns einen
zu der wir bald gemeinsam stehen,
wo lachend wir uns bald beweinen,
dort genau zur Welt wird kommen,
was du seit Anfang mir genommen
was für dich war längst verloren
als du selbst zur Welt gekommen
wird genau dort neu geboren,

wo wir gemeinsam schweigen,
dort werde ich mich zu dir legen,
wo wir der Welt uns zeigen,
wir gemeinsam graue Gassen fegen,
wir für alle! Alle! Alle! Alle! Jeden!,
über alle, alle, alten Reden
unsre innre Stelle legen,
dort wird frischer Wind die Ahnung prägen
und das bunte Laub alter Bäume
unter’m grau doch Farben offen legen
im warmen Klima alter Träume,

am Orte, wo wir uns verstecken,
wo ich, Papa, dich liebe,
werden Worte uns wie Laub bedecken,
unter welken Blumen, totem Triebe,
unter kaltem Glanz, toten Erden,
was wir seit jeher überwinden,
wird am Schluss lebendig werden,
was im Tode bloß wir finden,
wird am Schluss lebendig werden,

wird aus sechs Fuß tief zum Himmel schreien
und uns ein Lebensliedchen singen
und unter allen uns befreien,
wird’s dabei nach uns bloß klingen.

https://makaveli85.wordpress.com/2026/08/31/es-ist-okay-papa-3/


r/einfach_schreiben 12h ago

Ein Tuch im Wind

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**Klartext aus dem Herzen**

Nach dreizehn Jahren Schmerz.
Ich heiße Pan. Ich bin ein kleiner Mann am Wasser, der oft gefallen ist, sich lange an fremden Maßstäben gemessen hat und irgendwann nach all dem Fallen auf sich selbst gefallen ist.
Ich bin Bademeister und Rettungsschwimmer. Und doch war ich lange ein Mensch, der im eigenen Leben nicht mehr schwimmen konnte, bis ich gelernt habe, mir selbst die Hand zu reichen.
Nicht, weil ich weise bin.
Nicht, weil ich stärker oder größer wirken möchte als andere.
Sondern weil ich gelernt habe, ehrlicher hinzusehen.
Dieser Text ist meine ausgestreckte Hand von mir zu dir.
Kein Rat.
Kein Anspruch.
Kein Versprechen.
Nur der Versuch, etwas Menschlichkeit, Mitgefühl und Respekt weiterzutragen.

Hier ist mein Klartext aus dem Herzen.
Mein Tuch im Wind.

Manchmal beginnt etwas Großes
mit einem Keim.
Vielleicht nur mit einem Augenblick,
in dem ein Mensch innehält.
Hinsieht.
Und etwas erkennt,
das längst schon da war,
aber noch keinen Namen hatte.
Etwas beginnt.
Leise.
Fast unsichtbar.
Vielleicht beginnt genau dort
eine Reise.
Nicht hinaus in die Welt.
Sondern zuerst
zu uns selbst.
⚪️

**I. Was bleibt**
Manchmal gehe ich durch mein Leben
wie durch einen stillen Wald im Frühherbst.
Blätter fallen leise,
und niemand zählt, wie viele.
Manchmal denke ich daran,
wie viel von dem, was wir geben,
aus dem entstanden ist,
was andere uns einmal gegeben haben.
Etwas geht
von einem Menschen zum nächsten
und wird dabei
nicht weniger.
Vielleicht Liebe.
Vielleicht Glück.
Vielleicht nur ein Blick.
Ein Wort.
Ein Gefühl.
Dass jemand da ist.
Dass jemand zuhört.
Dass jemand einen
für einen Augenblick
wirklich sieht.
Wie ein Tuch im Wind,
weitergetragen
über Wiesen und Wege,
über Hindernisse,
Berge und Täler,
so weit,
wie ein wenig Menschlichkeit reicht.
Und manchmal stelle ich mir vor,
wir wären auf diesem Tuch.
Ganz leicht.
Ganz sanft.
Zwischen Erde und Himmel.
Zwischen Wasser und Wolken.
Ohne wissen zu müssen,
wohin.
Nur für diesen Augenblick.
Wie eine Sternschnuppe,
die für einen Moment
den Himmel berührt
und weiterzieht.
Nicht verloren.
Nur weitergezogen.
Vielleicht tragen wir alle
einen kleinen Keim in uns.
Lange unsichtbar.
Und trotzdem da.
Wie Erde,
die still erscheint
und doch voller Leben ist.
Wie der erste Regen
nach langer Dürre.
Etwas beginnt wieder
zu atmen.
Vielleicht auch das:
Menschlichkeit.
Lange war ich
wie ein kleiner rollender Stein
in einer Flut
aus größeren Steinen.
Vielleicht habe ich mich
deshalb so oft
zu klein gefühlt.
Zu anders.
Zu viel.
Oder nicht genug.
Vielleicht habe ich mich
nur zu lange
an einem Maß gemessen,
das nie meines war.
An Erwartungen.
An Vorstellungen davon,
wie gerade ein Weg,
wie ruhig ein Leben,
wie sicher ein Schritt
sein sollte.
Ich war trotzdem dieser Stein.
Angestoßen.
Weitergetragen.
Verändert.
Immer in Bewegung.
Immer auf der Suche.
Manchmal
auf der Flucht vor mir selbst.
Bis von dem,
was ich einmal gewesen war,
nicht mehr alles
übrig blieb.
Aber etwas blieb.
Ganz tief.
Fast unsichtbar.
Ein Funke.
Ein Atemzug.
Ein Gedanke.
Etwas in mir,
das sich weigerte,
ganz zu verschwinden.
Vielleicht genau das,
was nie gemessen werden konnte.
Das Eigene.
Und irgendwann
habe ich verstanden:
Ankommen ist vielleicht
kein großes Ereignis.
Vielleicht ist es der Augenblick,
in dem wir aufhören,
einem fremden Maß genügen zu wollen,
und merken:
Ich bin noch da.
Ich atme noch.
Ich fühle noch.
Vielleicht muss Ankommen
nicht für immer sein.
Vielleicht hebt der Wind
uns irgendwann wieder an.
Dann fliegen wir weiter.
Leben weiter.
Aber nicht mehr
fort von uns.
Mit uns.

**II. Getragen**
Wir können nicht verhindern,
dass Menschen gehen.
Wir können nichts festhalten,
dessen Zeit vorbei ist.
Und manchmal reichen Worte nicht
für das,
was ein Mensch
in einem anderen zurücklässt.
Manche Abschiede bleiben.
In einem Geruch.
In einem Lied.
In einem Satz,
den niemand sonst versteht.
In einer bestimmten Art
von Licht.
In einem Blick.
Dann stehen wir manchmal da
wie ein Mensch am weiten Meer
an einem nebligen Morgen.
Die Aussicht fehlt.
Die Richtung vielleicht auch.
Und trotzdem
gehen wir weiter.
Nicht immer mutig.
Nicht immer stark.
Manchmal nur,
weil der nächste Atemzug
von selbst kommt.
Und danach noch einer.
Denn selbst im Nebel
ist der Weg noch da.
Wir können den Wind
nicht ändern.
Aber vielleicht können wir lernen,
uns von ihm tragen zu lassen.
Und irgendwo
hebt sich wieder
dieses Tuch im Wind.
Nicht festgehalten.
Nicht verloren.
Einfach getragen.
Vorbei an einem Olivenzweig.
Über stilles Wasser,
auf dem eine Seerose ruht
und sich dem Licht öffnet.
Nicht vollkommen.
Gewachsen.
Wie die Rose
des kleinen Prinzen.
Kostbar nicht deshalb,
weil sie schöner ist als alle anderen,
sondern weil jemand
sie wirklich gesehen hat.
Vielleicht sind es
die kleinen Dinge.
Ein Blick.
Ein Wort.
Eine warme Hand.
Ein Lächeln.
Ein Morgen,
leichter als der gestrige.
Dass jemand da war.
Dass jemand zugehört hat.
Dass jemand
für einen Augenblick blieb.
Manchmal ist
ein Augenblick genug,
um etwas in uns
zu verändern.
Vielleicht ist das
der wahre Himmel:
kein Reich aus Gold.
Kein Besitz.
Kein Preis.
Nur Menschlichkeit.
Ein Mensch,
der einen anderen sieht.
Eine Hand,
die nicht sofort loslässt.
Ein wenig Wärme,
wenn es kalt geworden ist.
Mit Gefühl.
Mitgefühl.
Ich habe viel erlebt.
Viel gefühlt.
Verloren.
Wiedergefunden.
Vielleicht nur,
um etwas weitergeben zu können.
Damit ein anderer Mensch
sich für einen Augenblick
weniger allein fühlt.
Ich möchte nichts beweisen.
Nicht stärker wirken.
Und auch nicht weise.
Nur verlässlich sein.
Denn ein offenes Herz
darf leise sein.
Und ein gebrochenes auch.
Stärke muss nicht laut werden,
um echt zu sein.
Manchmal ist Stärke nur:
noch zu atmen.
Ich bin gefallen.
Ich habe geweint.
Ich bin aufgestanden.
Und irgendwann
bin ich nach all dem Fallen
auf mich selbst gefallen.
Vielleicht war das
kein Ende.
Vielleicht war es Ankommen.
Ich bin noch da.
Ich atme noch.
Ich tauche nicht unter.
Ich tauche auf.

**III. Wir**
Vielleicht bedeutet Nähe
nicht immer,
jemanden festzuhalten.
Vielleicht bedeutet sie manchmal:
Bei dir.
Bei mir.
Bei uns.
Und manchmal bedeutet sie,
loslassen zu können
und trotzdem dankbar zu bleiben
für das, was war.
Auf dieser blauen Perle im All
begegnen sich Menschen.
Manchmal für Jahre.
Manchmal für Tage.
Manchmal nur
für einen Augenblick.
Und trotzdem
kann etwas bleiben.
Nicht als Besitz.
Nicht als Versprechen.
Sondern in einem Blick.
In einer Berührung.
In der Art,
wie wir später
einem anderen Menschen begegnen.
Vielleicht hinterlässt jeder Mensch,
der uns wirklich erreicht,
ein wenig von sich.
Nicht damit wir ihm folgen.
Sondern damit wir
unseren eigenen Weg
wieder sehen können.
Vielleicht sind es genau diese Menschen,
die uns nicht retten,
aber uns daran erinnern,
dass wir noch da sind.
Dass wir noch fühlen.
Dass wir noch atmen.
Vielleicht bedeutet Heilung
nicht,
jemand anderes zu werden.
Vielleicht bedeutet sie,
wiederzufinden,
was lange still war.
Bei sich anzukommen.
Nicht für immer.
Nur jetzt.
Hier.
Bei mir selbst.
Manche Erinnerungen
brauchen keine Zukunft.
Vielleicht dürfen sie
einfach gewesen sein.
Ein Blick.
Eine Berührung.
Ruhe.
Und dieses seltene Gefühl,
nirgendwo anders
sein zu müssen.
Wie beim Mädchen
mit dem Perlenohrring.
Nicht nur angeschaut.
Gesehen.
Sanft.
Still.
Ein Blick,
der nichts fordert
und gerade deshalb
etwas in mir öffnet.
Vielleicht ist es wie
ein Gänseblümchen,
vom Wind gestreichelt
und von der Sonne berührt.
Ganz unscheinbar.
Und für einen Augenblick
das Schönste
auf der ganzen Wiese.
Der Wind bleibt nicht.
Auch die Sonne
zieht weiter.
Aber der Augenblick
war da.
Und vielleicht reicht das.
Dann denke ich
an meine erste Blume.
Nicht,
weil sie vollkommener war.
Sondern weil sie
Bedeutung hatte.
Vielleicht entsteht Schönheit
genau dort:
wenn etwas Kleines
einzigartig wird,
weil ein Mensch
es wirklich gesehen hat.
Vielleicht gilt das
auch für Menschen.
Manche bleiben nicht.
Kein Mensch
gehört einem anderen.
Manche Wege
gehen auseinander.
Und trotzdem
verliert eine Erinnerung
nicht ihren Wert.
Denn Erinnerung
ist kein Anspruch.
Sie sagt nicht:
Bleib.
Sie sagt:
Du warst da.
Und etwas davon
ist geblieben.
Vielleicht unter
demselben Himmel.
Vielleicht unter
demselben Stern.
Vielleicht sehen zwei Menschen
ihn irgendwann
von verschiedenen Orten aus.
Nicht nebeneinander.
Vielleicht nie wieder
zur selben Zeit.
Und trotzdem
ist es derselbe Himmel.
Ich kann die Sterne
nicht verschieben.
Ich kann keinen Menschen
zu mir ziehen.
Und ich muss es auch nicht.
Vielleicht liegt darin
Verantwortung:
nicht zu besitzen,
was uns berührt hat.
Nicht festzuhalten,
was frei sein muss.
Nicht aus Erinnerung
eine Forderung zu machen.
Sondern sie
behutsam zu tragen.
Vielleicht liegt darin
einer der stillsten Siege:
einem Menschen
in die Augen gesehen zu haben
und später nicht daran zu denken,
was man haben wollte,
sondern daran,
was man gefühlt hat.
Ruhe.
Wärme.
Menschlichkeit.
Vielleicht
ein kleines Lächeln.
Und irgendwann
wird sogar die Perle nebensächlich.
Es bleibt der Mensch.
Der Blick.
Das Licht.
Vielleicht ist Schönheit
genau das.
Nicht Vollkommenheit.
Nicht Besitz.
Nicht Festhalten.
Sondern ein Augenblick,
der nichts verspricht
und trotzdem bleibt.
Ein Geschenk der Zeit.
Vielleicht zeitlos.
Und irgendwann
stehe ich wieder
in diesem stillen Wald.
Mittlerweile
im Spätherbst.
Die Blätter fallen
noch immer leise.
Aber diesmal
fällt Licht zwischen sie.
Der Nebel
ist nicht verschwunden.
Vielleicht muss er das
auch gar nicht.
Heute weiß ich:
Man muss nicht alles sehen,
um weiterzugehen.
Manchmal reicht
ein wenig Licht
für den nächsten Schritt.
Das Licht musste die Blätter
nie daran hindern,
zu fallen.
Es musste nur
zwischen ihnen hindurchfinden.
Vielleicht entsteht
das Schönste dort,
wo Licht und Schatten
sich nicht bekämpfen,
sondern einander
sichtbar machen.
Vielleicht auch dort,
wo Sonne
auf Regen trifft.
Für einen Augenblick
entsteht etwas,
das vorher
nicht zu sehen war.
Ein Regenbogen.
Nicht weil der Regen
verschwunden ist.
Nicht weil plötzlich
alles Licht geworden ist.
Sondern weil beides
gleichzeitig da sein darf.
Licht.
Regen.
Farbe.
Vielleicht ist es
mit uns genauso.
Vielleicht reicht es,
wenn ein wenig Licht
durch unsere dunklen Seiten findet.
Früher hätte ich vielleicht
nach dem Gold
am Ende des Regenbogens gesucht.
Heute glaube ich,
das Wertvolle
liegt nicht dort.
Vielleicht liegt es
in dem Augenblick,
in dem wir stehen bleiben,
hinsehen
und merken:
Wir sind noch da.
Mit unseren Träumen.
Mit unseren Narben.
Mit allem,
was gleichzeitig wahr sein darf.
Der Regenbogen
bleibt nicht.
Und trotzdem
war er da.
Und irgendwo darunter
schwebt wieder
dieses Tuch im Wind.
Nicht neu.
Nicht unversehrt.
Es trägt Spuren
von manchem Sturm.
Und trotzdem trägt es.
Nicht zurück.
Weiter.
Von Mensch zu Mensch.
Von Erinnerung
zu Erinnerung.
Nicht verloren.
Nur weitergetragen.
Und vielleicht erinnert sich
für einen Augenblick
auch das Kind in uns daran,
wie es sich anfühlte,
nicht stark sein zu müssen.
Einfach getragen.
Ganz leicht.
Wie vom Wind.
Wie ein Tuch im Wind.
Denn:
Wir werden.
Wir wirken.
Wir bleiben.
Vielleicht nicht
nebeneinander.
Vielleicht nur
in kleinen Dingen.
In einem Blick.
In einem Wort
zur richtigen Zeit.
In einer Hand.
In ein wenig Wärme
in einem anderen Menschen.
Vielleicht musste mein Weg
nie gerade sein.
Vielleicht musste er
nur ehrlich sein.
Durch Nebel.
Durch Licht.
Durch Regen.
Durch Nähe.
Durch Entfernung.
Durch das Fallen.
Durch das Wiederaufstehen.
Bis ich irgendwann
verstanden habe,
dass ich vielleicht
gar niemand anderes
werden musste.
Vielleicht war ich nie
zu viel.
Vielleicht auch nie
zu wenig.
Vielleicht habe ich mich
nur zu lange
mit einem Maß gemessen,
das nie meines war.
Und vielleicht bedeutet
bei sich anzukommen auch,
dieses Maß
aus der Hand zu legen.
Nicht größer.
Nicht kleiner.
Nicht richtiger.
Nur eigener.
Vielleicht war ich
einfach Mensch.
Ich bin nur Mensch.
Ein kleiner Mann am Wasser.
Nicht größer
als der Horizont.
Nicht stärker
als das Meer.
Kein Held.
Kein Opfer.
Nur ich selbst.
Ich heiße Pan.
Ich bin Bademeister.
Ein einfacher Rettungsschwimmer.
Und vor allem
ein Mensch,
der im Leben
nicht mehr schwimmen konnte
und irgendwann gelernt hat,
sich selbst
die Hand zu reichen.
Nicht vollkommen.
Nicht fertig.
Aber ich.
Und bereit,
weiterzugehen.
Vielleicht wieder
zu schwimmen.
Aber nicht mehr
fort von mir.
Mit mir.
Bei mir.
Ich bin noch da.
Ich tauche nicht unter.
Ich tauche auf.
Ich atme wieder.
Und weiter.
Und was bleibt?
Ein Blick.
Ein Wort.
Ein wenig Licht.
Etwas von mir
bei dir.
Etwas von dir
bei mir.
Nicht festgehalten.
Nicht zurückgefordert.
Nicht weniger geworden.
Nur weitergetragen.
Von Mensch
zu Mensch.
Zum Wir.
Einfach wir.
Mit Gefühl.
Mitgefühl.

**Widmung**
Für die Menschen,
die getragen haben.
Für die Menschen,
die tragen.
Und für die Menschen,
die selbst getragen wurden.
Für die,
die geblieben sind.
Und für die,
die gegangen sind,
von denen aber
etwas geblieben ist.
Für Begegnungen,
die kein Versprechen brauchten,
um Bedeutung zu haben.
Für Augenblicke,
die vorbei sind
und trotzdem
nicht verschwunden.
Für Blicke.
Für Worte.
Für Hände.
Für Licht.
Für Erinnerungen.
Für alles,
was ein Mensch
in einem anderen hinterlässt,
ohne es je
ganz zu wissen.
Vielleicht ist dieser Text
nur meine kleine Hand,
ausgestreckt
von Mensch zu Mensch.
Nicht,
um jemanden festzuhalten.
Nur um zu sagen:
Ich habe gesehen.
Ich habe gefühlt.
Ich habe gelernt.
Und es geht weiter.
Immer.
⚪️
**Der Keim**
Der Anfang des Sehens.
Ein Mensch hält inne
und sieht.
Nach außen.
Und nach innen.
**Sehen.**
⚪️
**Der Faden**
Kein Mensch
ist fertig.
Wir wachsen
aus Begegnungen,
Erfahrung,
Reibung,
Verlust
und Freude.
Nicht makellos.
Gewachsen.
**Werden.**
⚪️
**Das Gewebe**
Kein Faden
bleibt für sich allein.
Ein Blick erreicht
einen anderen Menschen.
Ein Wort wirkt weiter.
Eine Hand
berührt eine andere.
**Wirken.**
⚪️
**Das Tuch**
Und irgendwann
wird aus all diesen Fäden
vielleicht ein Tuch.
Nicht vollkommen.
Nicht ohne Risse.
Aber tragfähig.
Wir können den Wind
nicht bestimmen.
Aber wir können darauf achten,
was wir ihm anvertrauen.
Ein Wort.
Eine Hand.
Ein wenig Wärme.
Eine Erinnerung.
Vielleicht Liebe.
Vielleicht Glück.
Vielleicht nur
das Gefühl,
dass jemand
für einen Augenblick da war.
**Weitertragen.**

**Die Essenz**
**Sehen.**
**Werden.**
**Wirken.**
**Weitertragen.**
Vielleicht ist das
der ganze Weg.
Nicht alles
muss bleiben,
um Bedeutung gehabt zu haben.
Nicht jeder Mensch
muss bei uns bleiben,
damit etwas von ihm bleibt.
Nicht jede Erinnerung
braucht eine Zukunft.
Manche dürfen einfach
Erinnerungen sein.
Still.
Warm.
Frei.
Blätter fallen leise,
und niemand zählt, wie viele.
Was fällt,
ist nicht immer verloren.
Manches wird Erde.
Manches Erinnerung.
Manches Licht.
Und manches
wird weitergetragen.
Vielleicht musste kein Weg
gerade sein,
um ein wirklicher Weg
gewesen zu sein.
Vielleicht musste er
nur ehrlich sein.
Vielleicht musste auch
kein Mensch
einem fremden Maß entsprechen,
um genug
gewesen zu sein.
Dreizehn Jahre.
Nicht immer frei
im Denken.
Nicht immer frei
im Fühlen.
Nicht immer frei
im Leben.
Jahre mit Dunkelheit.
Mit Gedanken
an den Tod.
Und trotzdem:
Ich bin hier.
Danke
für das Gefühl.
Danke
für den Augenblick.
Danke
für das, was blieb.
Das ist
mein Geschenk zurück.
Vielleicht ist das
am Ende alles:
Ein Mensch sieht.
Ein Mensch fühlt.
Ein Mensch trägt etwas weiter.
Und irgendwo
zwischen Nähe und Entfernung,
zwischen Erinnern und Loslassen,
zwischen Licht und Schatten,
zwischen Regen und Sonne
bleibt etwas,
das keinen Besitz braucht,
um wirklich gewesen zu sein.
Ein Augenblick.
Ein Mensch.
Ein wenig Wärme.
Und das Wissen:
Ich war da.
Du warst da.
Wir waren da.
Und etwas davon
geht weiter.
**Ein Tuch im Wind**
**ist auch auf mich gefallen.**


r/einfach_schreiben 20h ago

Schattenarbeit

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r/einfach_schreiben 15h ago

System

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Und sie wollen Kohle

Die es nicht gibt

Gefangen in einem System

In dem der Mensch nicht zählt

Sie sind zerfressen vom Hass

Und verschließen ihre Herzen

Gute Miene zum bösen Spiel

Verstecken ihre Schmerzen


r/einfach_schreiben 21h ago

Die Königin des gebrochenen Herzen

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(Das Gedicht ist teil meines Gedichtzyklus namens „Die Königin des gebrochenen Herzen“. Hier ist der Link zum Zyklus: https://open.substack.com/pub/eleonorabaldur )

Die Königin des gebrochenen Herzens schreit ihr Klagelied hinaus in den Wind.
Vers nach Vers, Strophe nach Strophe singt sie es geschwind
über all ihre einst empfundenen Gefühle
Die Geschichten klingen mittlerweile so gleich, mehr wie ein sinnloses Gewühle
Eigentlich keine Geschichten, eher ein immer fortwährender Fluch
Ihr Leben verhext von einem Magier aus einem Märchenbuch
-
Denn hat sie sich einmal verliebt,
macht sie jede Geliebte zur Muse
So tragisch, wie sie jeder Geliebten immerzu alles von sich gibt
Alles in der Hoffnung die Geliebte mit großen Worten und Gedichten für sich zu gewinnen
Dann malt sie die schönsten Porträts der Zukunft an ihrer Seite mit ihrem Geist
All das vergebens, egal was sie tut, jede ihrer Geliebten wird ihr entrinnen
Wenn man ihr das Herz bricht, ist der Schmerz so süß und doch so bitter
Ihre Welt zerbricht, als erlebte sie das alles zum ersten Mal
Doch sie weiß, bald entlädt sich das befreiende Tränen-Gewitter
Ist das Gewitter abgezogen, sitzt sie vor den örtlichen Kirchen
Reingehen will sie nicht, dafür - denkt sie - begeht sie zu viele Sünden
Sie will nur in Ruhe trauern, ihre Gefühle landen in ihrem Notizbuch
Der Stift, der einst erfüllt von Liebe und Herzklopfen schritt,
rennt jetzt aus Angst und Wut über die Seiten
als trieben ihn diese Gefühle auf die Flucht
Doch wovor hat sie Angst, was hält sie nachts so lange wach?
Die Furcht, niemals jemanden zu finden, der sie wirklich liebt?
Ist sie selbst daran schuld, dass es keinen für sie gibt?
Ist sie wirklich zu viel oder zu emotional?
Ihre Freunde gaben ihr da ja mal so ein Signal
Aber sollte sie wirklich auf sie hören?
Sie weiß es nicht, eine Antwort wird sie um Mitternacht wohl doch nicht mehr finden
Während es zum Morgen dämmert, greift sie wieder nach ihrem Notizbuch
Ihr Herz blutet, aber ihre Worte klingen diesmal außerordentlich gut
Dies ist der ewige Kreislauf:
Man bricht ihr Herz und ihren Schmerz schmiedet sie zu Schmuck aus reinstem Gold
Ihr nächster ganzer Stolz ist fertig, sie steht etwas glücklicher als zuvor für den nächsten Tag auf
Sie macht sich wieder auf den Weg zu der Kirche, überlegt diesmal sogar, reinzugehen
Was sie noch nicht weiß: Auf dem Weg dahin wird sie ihre nächste Geliebte sehen
Ihr Herz klopft wie wild, während sie von ihr gegrüßt wird
In ihrem Kopf wächst sie schon die Inspiration
Das gebrochene Herz von gestern ist längst vergessen
Hat sie sich doch schon wieder verliebt
Der Ausgang der Geschichte, er ist so vorhersehbar
Entweder wird sie endlich die Liebe ihres Lebens finden
oder wird wieder ihr gewohntes Klagelied singen
Welcher Weg es sein wird, könnte ihr gerade nicht egaler sein,
weil es für sie im Moment nur noch das Gefühl der Hoffnung gibt


r/einfach_schreiben 20h ago

Mal sehen obs taugt

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Ich bin ein altenpfleger aus dem Schwarzwald un habe schon ewig Geschcihten im Kopf. Jetzt hab ichs einfach mal versucht. Ich hoffe es passt, aber es ist nur ein Hobby zerlegt es ruhig. "Ich weiß dass mein Dativ eine Katastrophe ist)

Breaking the Habit

Prolog

„Schatz, sag doch was?“ Dreimal – SAG JETZT.
Hinsehen. Seine Hand in meiner... Hinsehen!? – NUR – seine Hand.
Quälend langsam tropft eine armselige Menge Blut aus dem glatten Halbmond – „Schatz, wo bist du?“ – glatten Stumpf!
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Wer holt Vicky aus dem Kindi, wenn ich arbeite_Mama hat frei. tot? Futter für den Hund fehlt_nach Feierabend. tot?! Heute Nacht wird kalt im Bett ohne ihn_Heizdecke. Tot!? Wer tanzt Vicky zum Schlafengehen den Teddy? Tot!
Ich.will.mit.
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Du kannst noch nicht mit.  
                                Ich will mit.
Du kannst noch nicht mit.
                                Ich gehe mit.
Du KANNST noch nicht mit.
ICH lass dich nicht.
                                Brennen! Feuer! LAUT! LAUT! LAUT!
Dir passiert nichts.            Kühl... Segen...
Ich beschütze dich.             Warm, weich, rau. Flügel.....
Lädst du mich ein,              Zuhause, Geborgenheit, Ruhe...
oder muss ich dich zwingen.     LAUT! LAUT! LAUT! 

Was sagst du?                   …..................................................................................................
                                Vicky!? Mama!?
Sie leben, was ist mit dir?     ….......leer.............................................................................Nico...?
…......                         leer....................................leer...............................................leer......
Du lebst! Antworte!             Antwort..............worauf?...........................................................

Leben oder Leiden...            …............................................................................................................
 …............................          …............................................................................................................
…............................!?         ….........................................................Vicky...............................leben...

Verstanden...
Lass uns aufräumen.             
כ הד                            Glanz!

                {Trotz!}

I

Später wird er sagen, dass er nichts gesehen hat. Eine Lüge natürlich, aber wie soll er erklären, dass ein Mann mit schwarzem Shirt und schwarzer Cargo-Stoffhose mitten im Park vom Himmel gefallen und verschwunden ist, gemeinsam mit dem größtem Teil des Mannes vor ihm. Kein Knall, Blitz oder irgendetwas, einfach verschwunden... desintegriert ist ein Wort aus einem Videospiel, das dem Dreizehnjährigen dazu kurz in den Kopf schießt. Es ist eigentlich scheißegal; er hat Panik!

Etwas will angreifen, ein Tier? Ein Mensch? Egal was. Sein Instinkt ergreift die Kontolle und er hechtet beiseite. Die Frau, die noch immer die Hand ihres Mannes in der Hand hält bricht... doch nicht zusammen. Nach hinten gebeugt bleibt sie unnatürlich in der Schwebe, bevor sie sich wieder fasst und wie von einer Sturmböe getragen auf das Dach des Kiosk getragen wird.

Der Junge steht auf und greift in Panik nach den Händen seiner Schwester und Mutter und schleudert sie mit aller Kraft neben sich, in die Büsche. Dabei verliert er das Gleichgewicht und fällt. Er hat Schmerzen und schreit. Der Druck auf seinem rechtem Ohr ist unerträglich, bis er einem letztem Knall und einem stechendem Schmerz weicht. Wie dicke Tränen fließt das Blut aus seinem Ohr über seine Wange.

Links von sich hört er Schreie. Als er hinsieht ist dort nichts. Verwirrt sucht er weiter und erkennt rechts von sich Menschen. Verletzte, blutende,

II

Ich mach das. Lass los.

Gerade als sie realisiert hat, dass Nicos Hand immer noch in ihrer liegt, verändert sich ihre Welt. Sophia fühlt plötzlich Farben, hört Gerüche und schmeckt Klänge. Nicos Hand schmeckt wie eine wunderschöne Torte aus Koriander. Sie hört erbrochenes und lässt die Torte fallen, woraufhin sie aus ihrer Welt verschwindet.

Ich muss übernehmen sonst stirbst du!

-….......-

Verdammte Zicke!

Sie sieht einen Pfeilhagel auf sich zukommen.

-Mach!-

Sie zieht sich zurück, ihre Farben und Geräusche werden blasser. Schwarze Flügel tragen sie davon auf ein nahes Gebäude. Kurz darauf schlagen die Pfeile ein. Etwa dreißig Lichter flackern, einige tanzen wild... die Hälfte erlischt.

In der Ferne auf einer Brücke im Park kann sie ein Licht riechen. Als er sie dorthin blicken lässt, erkennt sie einen von Pfeilen durchbohrten jungen Mann, der einen Bogen auf sie richtet.

-Der Bogen fühlt sich zu rein an.-

Guter Hinweis.

Diese „Unterhaltung“ in ihrem Inneren überfordert sie.

In dem Moment, in dem ein faulig glänzender Lichtstrahl auf sie abgefeuert wird, macht er einen Schritt auf das dritte Gebäude neben ihr.

Sofort wird sie von zwei schimmernden Löwen angegriffen. Er duckt sich unter dem ersten Hindurch und schneidet ihm den Bauch mit einem

schreiende Menschen. Weiter! Er steht auf packt einen der riesigen leeren Alupflanzkübel und wirft sich rückwärts in die Büsche. Als er landet spürt er einen riesigen Druck, der den Kübel auf ihn drückt. Mama und Selena sind unter ihm. Mit aller Kraft drückt er dagegen, er spürt die Hände von Mama die seine umschließen und mitdrücken. Er spürt es... er spürt seinen Arm brechen. Und dann hört es auf. Er hört nur noch von links seine vierjährige Schwester weinen und seine Mutter die sich fest an ihn drückt.

Er bricht unter Tränen zusammen; geschafft.

Obsidiankatar auf, während er den anderen mit einer dreiläufigen abgesägten Schrotflinte, an deren Lauf zwei Axtblätter befestigt sind, eine Salve entegenfeuert. Der erste verschwindet aus ihrer Welt, während der zweite einen Satz beiseite macht und wieder auf sie zuspringt. Er drückt den unteren Trigger der Schrotflinte, woraufhin diese sich dreht und er abfeuert. Ein Feuerball fliegt in das Maul des Löwen, woraufhin dieser ebenfalls ihre Welt verlässt.

Verdammt!

Ein weiterer faulig glänzender Lichtstrahl fliegt auf sie zu. Verzweifelt sucht er einen Weg rechtzeitig auszuweichen. Sie richtet ihre Hände auf den Strahl, worauf Azaleen dem Strahl entgegenranken, diesen umschließen und ihn reinigen. In der Ferne sieht sie den jungen Mann flackern. Dazwischen kann sie eine alte Frau mit Dauerwelle erkennen, bevor beide verschwinden.

Spannend.

Als sie in den Park blickt, kann sie nurnoch blau flackernde Lichter sehen, die umherwuseln und gelb und rot leuchtende, die sie beschützen. Als sie die Sirenen hören kann, verliert sich ihre Welt.

  1. Akt

Als ich wieder zu mir komme, sitze ich auf der Sitzbank neben unserem Schuhschrank und rauche eine. Ich Rauche?! In der Wohnung!?

Tut mir leid, aber du warst nicht da, deshalb habe ich dein Unterbewusstsein entscheiden lassen. Eine warme Milch mit Honig steht in der Mikrowelle.

Der Duft von warmer Milch steigt mir in die Nase. Warme Milch mit Honig habe ich seit Jahren nicht getrunken. Als ich über Weihnachten bei Oma war, habe ich eine schwere Lungenentzündung gekriegt. Sie hat mir immer dieses eine Lied gesungen. Wie hieß es nochmal?

Prinzessin.

Genau. Sie hat dieses Lied gesungen und ich habe eine Tasse warme Milch mit Honig getrunken. Weil ich es so sehr geliebt habe, hab ich sogar noch zwei Tage länger krank gespielt.

Ich weiß...

Dieses nostalgische Nicht-Lächeln -versteht ihr was ich meine?- fährt mir über die Lippen. Ich stehe auf, gehe in die Küche und nehme die Milch aus der Mikrowelle. Ich setze mich an die Theke und nehme einen Schluck. Der erste Schluck klingt liebevoll.

Ich glaube wir müssen uns unterhalten.

Dass er mich nicht noch bei Oma lassen kann. Nurnoch einen Augenblick. Aber ich weiß, wir müssen reden.

-Müssen wir wirklich?-

Musst Du.

-Muss ich.....-

Ich darf wirklich nicht mit. Ich spüre, dass alles erledigt ist. Mama holt Vicky und bringt Hundefutter, die Heizdecke liegt im Bett, nur wer den Teddybärentanz tanzen soll, weiß ich immernoch nicht...

Jetzt bricht der Damm. Ich heule; heule wie ein kleines Kind. Ich schreie, der Rotz fließt in Strömen aus meiner Nase und mit jedem Tropfen meiner Tränen klingt die Milch weniger liebevoll und mehr nach Verzweiflung.

Gut du verstehst. Und jetzt müssen wir reden.

Lass mich doch einfach mit. Ich will doch einfach nur mit.

Das geht nichtmehr so einfach. Du hast mich eingeladen und ich kann erst gehen, wenn ich mein versprechen gehalten habe.

-Versprechen?-

Dir passiert nichts.

Ich beschütze dich.

Irgendwie verstehe ich. Aber ich weigere mich zu verstehen. Das Trauma hat bestimmt eine Psychose ausgelöst und jetzt habe ich Stimmen im Kopf. Ich verstehe, ich verstehe....

Du verstehst; langsam aber du verstehst.

-Ich bin nichtmehr allein?-

Vorerst nicht. Nein.

Natürlich frage ich mich warum, doch während er mir antworten will, empfinde ich seine... Zufälligkeit und... Bedauern...! Wut steigt in mir auf.

-Das hier, das alles, Nicos... dass du hier bist und dass ich dich nicht loswerde ist nur ein Unfall?-

Er drückt meine Zähne mit aller Kraft aneinander und beginnt zu knirschen.

Das war alles so nicht gedacht.

-So.Nicht.Gedacht. Wie.Dann.Gedacht!-

In meiner Welt fühle ich ein schwarzes Leuchten. Leuchtende Ranken bewegen sich darauf zu und... drücken es. Mit aller Gewalt. Drücken es.

Das tut weh. Reiß dich zusammen!

Die Ranken vertrocknen zu schmerzhaften Krümeln. Meine Hände verkrampfen. Schmerzhaft.

-Aufhören! Bitte!-

Meine Welt verblasst wieder.

Können wir uns dann unterhalten?

Meine Welt verblasst weiter. Kennt ihr das Video von „Take on me“? So fühlt sie sich an. Und sie steht still. Nur er und ich haben Farbe und bewegen uns, verschwommen, aber wir bewegen uns. Er sitzt an der Theke, zieht an einem Vape und trinkt einen schwarzen Kaffee. Er fühlt sich an als hätte van Gogh einen Film gedreht. Ich sitze daneben und nehme einen Zug von meiner Kippe.

-Ich bin überrascht.-

Er führt seinen Daumen zum Mund und beginnt auf dem Nagel zu kauen.

Was meinst du?

-Naja nichts himmlisches, nichts teuflisches, einfach ein,

ein bisschen zu jung gebliebener Midvierziger.-

Das sah ich. Ein Kerl, nicht einfach EIN Kerl. Der Kerl; genau der Typ den man meint wenn man sagt: „Kerle halt.“ Ich glaube ihr versteht.

Eine Bewegung durchfährt seinen dunkelbraunen mindestens-fünf-Tage-Bart, welche einige graue und rostfarbene Strähnen darin aufblitzen lässt. Er lehnt sich zurück und lacht so kräftig, dass sich sein leicht untersetzter Bauch hebt und senkt und seine etwas zu große schwarze Cargohose ein leichtes Klappern von sich gibt. Sein Lachen fühlt sich an wie das japanische Wasserspiel, das dich Nachts wachhält. Auf den Sommersprossen seiner Nase hüpft eine unauffällige Brille auf und ab.

Tut mir leid, aber was hast du erwartet?

-Das kannst du nicht sehen?-

Wir müssen reden, da wäre es doch verdammt unhöflich deine Atworten schon vorher zu kennen.

Ich weiß, dass das alles neu und viel für dich ist. Warum so gefasst?

-Du sagst du bist noch da, weil du versprochen hast mich zu beschützen und dass du erst gehen kannst, wenn du das Versprechen erfüllt hast, richtig?-

Er nickt.

-Heißt, dass ich nicht in Sicherheit bin. Ich weiß nicht wie das alles funktioniert oder wie es sein kann--- ich weiß aber, dass es so ist und damit muss ich gerade klarkommen. Ich habe genug Abenteuerbücher gelesen um zu wissen, dass gerade nicht die Zeit ist um die Toten zu betrauern oder Fakten anzuzweifeln. Und verstehen will ich das alles auch nicht. Der Deal war, dass ich dich reinlasse und du mich beschützt und dann wieder verschwindest. Dieser Deal gilt für mich.-

Ich glaube so einfach ist das leider nichtmehr.

Er nimmt einen Schluck aus seinem Kaffee und zieht an seiner Vape. Unerträglich lang lässt er den Dampf langsam zur Nase heraus. Ich könnte schwören kleine Sternenleuchten darin zu erkennen.

Genau. Dafür kann ich nichts. Das Trauma hat dich erweckt und ich hab dir nur den Rest gegeben, das war nicht vorherzusehen.

Mit geballten Fäusten stehe ich auf. Ich sehe sie. Sie schmeckt wie eine abgestandene Sprite, diese Art von der man noch denkt: „Bevor ichs wegschütte.“ Ich sehe wie die Worte als Rauch aufsteigen und einfach im Raum vergehen. Gleichgültigkeit.

-Wenn es dir egal ist warum sprechen wir dann?-

Weil man soetwas nicht tut. Nenn es meinetwegen einen Ehrenkodex.

Gleichgültigkeit. Er meint exakt, was er sagt. Er gibt sich nur mit mir ab, weil. Man. Soetwas. Nicht. Tut!

Ein rot schimmernder Luchs springt aus meiner Hand dem Mann entgegen. Kurz bevor die Tatzen den Mann erreichen, beginnen sie sich einfach aufzulösen, als würde er an einer unsichtbaren Wand zersetzt.

Das mein ich, dafür kann ich nichts.

Ich explodiere. Innerhalb weniger Augenblicke fülle ich den gesamten unendlichen Raum aus. Die Farben der Welt werden, rot und golden.

Und dafür kannst nur du etwas.

Meine Farben strahlen dunkler. Ein goldenes, azur brennendes Kollier ist zu hören. Das Kollier legt sich in einem weitem Kreis um ihn.

Du solltest dich wirklich wieder in den Griff kriegen.

Als wäre es ein Buch, klappt das Kollier in der Mitte zusammen. Auf dem Einschlag desKollierbuches prangtᚠᛟᛚᚲᚡᚨᚾᚷᚱin goldroten Lettern.Kurz bevor es zuklappt überkommt etwas meine Welt. Als würde eine Leinwand- wie die aus der Schule für die Diaprojektoren- heruntergefahren, wird meine Welt komplett blank. Nur einen Moment existiere ich, aber ICH existiere nicht. Dann wird die Projektion gestartet.

Eine zarte, mondlose Nacht erfüllt meine Welt. Eine solcher Nächte in der die Welt niemals aufzuhören scheint. Nur die Theke unsere Stühle und wir sind unverändert. Ein weiteres mal nimmt er einen tiefen Zug aus seiner Vape. Während er ausatmet dreht er sich um und lehnt die Ellbogen auf die Theke.

Noch etwas weniger Kooperation und ich packe dich in eine kleine hässliche Ecke deines Verstandes in der du warten kannst bis ich UNSEREN Job erledigt habe.

Ich werde kleiner.

Ich war nett!

Kleiner.

Ich habe gefragt!

Kleiner!

Ich hätte dich auch verrecken lassen können!

-Hättest du nicht!-

Wachsen.

-Du brauchst einen Körper. Nicht meinen, aber einen.-

Wachsen.

-Du hast dich an mich gebunden und kriegst mich nichtmehr los.-

Stehen.

-Du bist die Geisel.-

LAUT! DRUCK!

Ich werde komprimiert. Nicht zerdrückt. Ich verteile mich nicht um, als wäre ich eine eine Dose, die zerdrückt wird.. Ich werde in mich gedrückt. Meine Farben zerfasern. Leuchtendes grün, fließt um warmes rot, gelbt steigt auf wie Wolken und hüllt den chaotischen Regenbogen zu dem ich werde in ein sanftes Wabern. Je weiter ich komprimiert werde, umso kräftiger werden die Farben. Es tut nichtmehr weh. Es fühlt sich nicht an. Ich bin. Ich bin nicht ich. Ich bin. Nichts reagiert mit mir und ich reagiere auf nichts. Ich bin ein ungeschlüpftes Ei. Ich bin Potenzial. Aber ich bin nicht ich. Ich bin die Skulptur, die in dem Marmorblock steckt, der noch nicht aus dem Steinbruch gehauen wurde. Aber... ICH bin nicht ICH. Ich flackere.

Machtspiele haben wir auch abgehakt.

Ohne es zu merken sitze ich wieder an der Theke und nehme einen großen Schluck Milch. Er stößt sich von der Theke ab und steht aufrecht vor mir und streckt mir eine Hand entgegen.

Und jetzt nocheinmal von vorne. Hallo Sofia, ichbinלליאלund mein Job ist es dich am Leben zu halten.

II. Akt

An der Theke. Umgebung in wabernden schwazweißzeichnungen.לליאלund Sofia in leicht expressionistischem Stil in unmittelbarem Anschluss an die vorherige Szene.

-Dann sag genau worüber wir reden müssen.-

Legt den Kopf in die verschränkten Arme.

Ich glaube wir sollten klären, was genau mit dir los ist

und danach was wir tun müssen damit du mich hier wieder rauskriegst.

-Also soweit ich verstanden habe,

hat das was ich hier sehe ganz viel mit Gefühlen zu tun.-

Essenzen.

-Essenzen?

Essenzen. Okay, also was ich gerade sehe und das mit dem ge-

igeltem Bogenschützen war also quasi nicht real,

sondern ich habe nur gesehen, was euch so ausmacht?

Nicht so ganz.Lacht

Stell es dir mehr vor wie Platons Ideen.

Alles hat eine Form und eine Idee. Wir beide sind Menschen.

-Vermutlich.-

Wir beide sind Menschen. Und du erkennst einen Menschen.

Das ist die Idee von einem Menschen.

Aber jeder Mensch ist anders.

Blond, groß, dünn, dick, das ist die individuelle Form, das bist nur DU.

-Ich vermute du schweifst ab.-

Aber das bist immernoch nicht DU. Das ist auch nicht ein Stein.

Oder deine Tochter. Das ist der kleine Klumpen Materie der dir,

zur Miete, zugeteilt wurde. Du hast aber Potenzial.

Und dieses Potenzial ist deine Essenz.

Selbst wenn du es nie zum Rockstar geschafft hast,

weil Menschen nunmal dumm sind,

kannst du die Essenz eines Rockstars haben.

-Van Gogh!-

Du verstehst.

Und das kannst du jetzt wahrnehmen.

Schmeckt manchmal komisch,

und manchmal sind die Lichter ganz schön laut, aber das ist es eigentlich.

-Sehe ich dich oder deine Essenz?-

Welche Antwort würdest du denn glauben?

Außerdem ist dir glaube ich klar dass ich damit spielen kann.

Welchen Wert hat dann meine Antwort.

-Spielen? Ist das das richtige Wort?-

Je nach Situation...

Vorhin haben wir damit gekämpft.

-Wir?-

Nunja, ich kämpfe normalerweise nicht so blumig.

-Das war ich?-

Naja, deine Idee aufgepumpt wie ein Luftbalon mit meiner Essenz,

aber ja das warst du.

Aber das war gut sonst wären wir und die Leute in der

Nähe noch mehr zu schaden gekommen.

-Verletzte? Auch solche wie wir?-

Leider nein. Sie wurden verletzt und getötet ohne zu wissen was passiert.

Online wird es schon als Amoklauf vermarktet.

-Verletzte....-

Und mehr davon müssen wir verhindern, indem wir das ganze beenden.

-Aber warum?-

Ich weiß nichteinmal, warum er mich jagt.

-Sie.-

Sie?

-Er hat geflackert.-

Sie.

Aber ich kann es wirklich nicht sagen.

Ab und zu passiert mir sowetwas.

Und dir wird es in Zukunft auch passieren.

-Ohne Grund?-

Bestimmt mit Grund, aber du hast gesehen, wie wenig Zeit er...

sie mir vorhin gelassen hat

um meine Fragen zu formulieren.

-Und das willst du mir beibringen?-

Mhm.

-Und wenn ich nicht will?-

Ähm, dann lassen wirs.

-Werde ich mich trotzdem verteidigen

müssen wenn du weg bist meine ich?-

Solange du es nur anschaust eigentlich nicht?

Der hier ist nur hinter dir her, weil er dich

gesehen hat und du mit mir zu tun hast.

-Und du willst mir beibringen wie ich damit umgehen kann?

Kann etwas schlimmes passieren, wenn ich nein sage?-

Solange du dich nichts dummes machst, nein.

-Dann lehne ich ab.-

לליאלhält verdutzt inne Ok. Dampft an der Vape. Wendet den Blick ab.

Das heißt aber, dass du mich machen lassen musst wenn wir kämpfen müssen und nicht wieder so rumzickst.

-Dann los.-

Los?

-Los.-

Beide stehen auf. Während die Welt wieder Farbe annimmt und die Konturen wieder fest werden, verschwindetלליאל.

Akt III

Dann übernehme wohl ich jetz.Ich ziehe mich zurück und er wächst in mir. Sag mir wohin ich ihn... sie rufen soll.In mir blitzen verschiedene Bilder von abgelegen ruhigen Orten auf, Bis es wie beim Roulett bei einem verlassenem Wachturm aus dem erstem Weltkrieg anhält. Alles klar. Das geht.Ein kleiner pulsierender Klang entweicht uns und fliegt davon. Er läuft los. Dann los.

Er verlässt die Wohnung und geht die Straße entlang. Unsere Welt verändert sich. Die Straße wird verzerrt lang. In der Ferne der Turm. Während wir die Straße entlanggehen scheint der Turm in gleicher Distanz zu bleiben.

לליאלverändert sich. Er ist nichtmehr Mitte vierzig. Er wirkt jünger. Schwarze verstärkte Stiefel, herabhängende Bänder von der Hose, ein langer schwarzer Ledermantel. So gehen wir der Situation entgegen. An unseren Armen sind wieder die Obsidianklingen, welche er mechanisch im Mantel verschwinden lässt. Auf dem Rücken tragen wir ein Schwert eine Axt und einen Speer mit zwei Klingen. An ihnen allen prangt ein anderer Edelstein. Eine schwarze Kugel trifft die untere Spitze des Mantels. Wir heben die Arme und die Axtflinten feuern Explosionen in die Richtung. Es geht los.Etwas verlässtלליאל. Es fühlt sich an wie ein einzelner Tropfen Wasser riecht. Und dieser verteilt sich über unsere Welt, wie ein Tsunami.לליאלhat sich verändert. Er ist kein „Kerl“ mehr. Er fühlt sich jünger an und seine Essenz ist weniger... Mensch? Nicht weniger menschlich, nur weniger Mensch. Er zielt und beginnt zu feuern. Nach einer Vierteldrehung Hit! Hit! Hit!

erkenne ich was um uns herum geschieht. Hit! überall aus den Gassen und Seitenstraßen kommen Weltkriegssoldaten und beginnen zu feuern. Hit! schweres Gerät, Panzer, sogar eine Flakkanone. Hit! soldat von rechts mit Pistole und Kampfmesser. Klinge! Hit! Drehen!Der Nacken in den die Klinge wandert wird durch das drehen des Laufes in eine unansehnliche Suppe verwandelt, bevor der Soldat unsere Welt verlässt.

-Wer sind das?-

Er! Hit! SIE, meine ich! Kleine Häppchen Fremdessenz. Tut keinem weh und ist praktisch.Die linke Klinge durchlägt den Helm des Soldaten vor uns und das drücken des Triggers bläst ihm eine Explosion entgegen, die das dahintergelegene Panzerfahrzeug durchschlägt. Beides verlässt unsere Welt. Eine faulig strahlende Welle kommt auf uns zu. Die Bänder an der Hose katapultieren uns nach oben und drehen sich in unglaublichem Tempo dem Strahlen entgegen während wir von einem Band an einer Laterne gehalten werden und wir ein paar Schüsse Richtung Turm abgeben. Als ich mich einen Moment umsehen kann, sehe ich dass die Essenzen der Welt Schaden nehmen. Die Wunden in der Essenz reißen selbst in den Beton der Straße kleine Risse. Der Strahl hat sogar eine kleine Kuhle in die Essenz der Straße gebrannt, wodurch sie nun leicht nach links geneigt ist.

In dem Moment beginnt die Ebbe. Der Tropfen kehrt zu uns zurück. Jetzt ist der Typ weg. Hit!Er Hit! Ist Hit!Kein. Blut spritzt!Mensch. Meine Milz fehlt. Sie tut nicht weh; sie fehlt! Wir wurden von einem Strahl getroffen.

Wie beim umschalten verschwindet unsere Welt und nurnoch der Turm ist zu sehen. Wir stehen direkt davor. Tut mir leid; unachtsam. -Da ist sie schieß!- Ich hebe den Arm und versuche abzudrücken. Nichts. Gerade nichts zu machen. Der Treffer war übel.Ich fühle was er meint. Wir werden weniger. -Wir hatten einen Deal.- Ich weiß. -Dann weiter.- Wie ohne Feuerkraft?.

Er/sie tritt an den Rand des Turms. Unsere Welt wird kleiner. Die Alte Frau sieht vom Turm auf uns herab. Ihr fauliger Blick fliegt auf uns zu. Ich springe nach oben und seine Schwingen tragen uns bis zur ihr nach oben, wo wir mit den Axtflinten auf sie zustürzen. Ein Holzpfahl erscheint vor dem durchbohrtem Mann, blockt uns ab und wir fallen. „Keine Essenz mehr?“ schreit er, und stürzt uns mit dem Pfahl hinterher.Ausweichen.Ich halte uns in Posision und bremse unseren Flug noch etwas, damit der Durchbohrte näher kommen kann.Ausweichen!Ich halte.AUSW...Der Pfahl durchbohrt beim Aufprall unsere rechte Schulter. Die rechte Lunge kollabiert. Die erschrocken dreinblickende Alte Frau macht einen Katzenbuckel und bricht auf der Axtflinte zusammen. Hinter ihr im Nachthimmel verteilt sich ihre Essenz und mein Kollier klappt langsam über ihr zu. Durch das Loch in ihrer Brust scheint der Mond. Als sich das Kollier geschlossen hat verblasst die Schrift ᚠᛟᛚᚲᚡᚨᚾᚷᚱ und das Kollier verschwindet aus meiner Welt.

Das Atmen fällt schwer.Wärme.Unsere Lunge füllt sich langsam wieder mit Luft.Das war dreckig gespielt und reines Glück.

-Behauptest du.-

Ich lache für uns.

Du bist Glück.

-Wie meinst du das?-

Das verstehst du noch. Findest du alleine nach Hause?

-Natürlich.-

Soll ich wirklich gehen?

-Leider ja, aber jetzt ist Zeit...-

Die Toten zu betrauern und Fakten anzuzweifeln?

-Meinen Mann zu betrauern.-

Ich beginne zu weinen. Nicht zu heulen. Ich bin nicht verzweifelt. Ich bin nur traurig.

-Nico ist tot.-

Er verschwindet. Einfach Weg. In mir rieche ich einen Tropfen. Diesen kleinen Tropfen, den er mir gelassen hat.

Epilog

Als sie versucht sich die Hose des dunkelblauen Hosenanzugs überzuziehen, verflucht Sofie, dass sie nicht vor vier Wochen, wie sie sich hoch und Heilig geschworen hatte, eine Diät zu machen, „dann würde sie schon in M passen“ -dieser blöde Kampfzwerg! Kaum machte sie ihrer Wut durch einen Schrei luft, machte es rutsch und das Scheißding war endlich an.

„Wenigstens eine gleichmäßig proportionierte Wurst“, dachte sie, als sie ihre -das sind doch noch C-Körbchen- in das Oberteile presste. Beim Blick in den Spiegel war sie dann allerdings doch überrascht, dass sie nicht sofort den Drang verspürte sich ein großes blaues A Nord auf die Brust zu malen und Crocs anzuziehen. Sie war durchaus ansehnlich. Das schwarze Haar fiel glatt bis zur Schulter und betonte ihr sanftes Kinn und ihre großen beigen Lippen.

„Lipgloss, Tagescreme und Wimperntusche reichen heute glaube ich“.

Auf der Fahrt zur Weihnachtsfeier denkt sie an diesen einen Tag an der Champs-Élysées im Sommer. Sie hatte recht gehabt ihn fortzuschicken. Er hatte auch recht gehabt. Das Glück war bei ihr zuhause. Kein Reichtum, keine neue große Liebe, nicht soetwas. Sondern Glück, das war ihre Essenz.

Sie steigt aus dem Taxi und läuft an der Pyramide Inversée vorüber Richtung Mitarbeitereingang. Es ist kalt. Sie zieht ihren samtenen Bolero zurecht. Noch ein Blick in den Spiegel und diese eine verdammte Strähne noch einmal gebändigt und dann Auftritt.

Die erste Weihnachtsfeier, auf die sie nicht schon vor betreten keinen Bock mehr hatte. Selbst beim Wichteln hatte sie Freude, insbesondere, auch, weil sie wusste, dass der Restaurationsassistent Abel aus der germanischen Geschichte, sie gezogen hatte und sie spürte, dass er seit kurzem auf sie stand, aber viel wichtiger, sie hatte geschmeckt auf welchem Zettel sein Name stand. Es fühlte sich genauso an wie vor ein paar Wochen, als sie genau wusste, welches Los für den riesigen Stoffdino gezogen werden musste. Es war wie als Kind Kekse aus der Keksdose klauen. Dass sie es mit niemandem teilen konnte, war das einzige, das sie melancholisch stimmte.

Kontrollieren konnte sie überhaupt nichts. Sie beherrschte kaum den Teddybärentanz; als ob sie irgendetwas kontrollierte. Sie hatte es aber auch nichtmehr versucht. Doch etwas war anders. Als sie auf den Balkon trat konnte Sofia endlich loslassen. Sie wusste nicht was es war, aber sie spürte es. Spürte den Duft der Nacht ihre Wangen streicheln. Spürte ihn. Fühlteלליאל.


r/einfach_schreiben 1d ago

Ein Bastler auf der Suche nach seinen eigenen Teilen

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Manchmal ist alles zu viel. Viel zu viel. Das laute Chaos im Kopf, das ständige Grundrauschen, die tausend Gedanken gleichzeitig, die kreuz und quer schossen. Aber das war nichts Neues für ihn.

Er hatte schon früh gelernt, damit umzugehen. Hauptsache funktionieren. Hauptsache nicht auffallen.

Schreib es auf, sonst vergisst du es wieder. Sitz still. Hör zu. Sei pünktlich… All das hatte er oft gehört. Zu oft. Seine Liste gegen das Vergessen wurde immer länger.

Irgendwann war die Seite voll. Also fing er an Notizen am Rand zu machen oder sich Sätze zwischen die Zeilen zu quetschen. Doch bald reichte auch das nicht mehr. Er fing an, Dinge wegzuradieren. Zuerst waren es erledigte Aufgaben. Dann folgten die Dinge, die er eigentlich selbst machen wollte – seine eigenen Ideen, seine Interessen, die leidenschaftlichen Projekte, für die er gestern noch stundenlang gebrannt hatte, die den anderen aber zu laut, zu sprunghaft oder einfach zu viel waren.

Das merk ich mir schon so, sagte er sich. Erstmal kommen die Erwartungen der anderen.

Was er nicht merkte, war, dass er mit dem Radiergummi auch seine eigenen Erinnerungen und Träume auslöschte. Dinge, die ihn ausmachten.

Als die erste Seite irgendwann so abgegriffen und zerfleddert war, dass er selbst nur noch Bruchstücke erkennen konnte, überlegte er sich ein neues System. Wenn sein Kopf schon keine Ordnung halten konnte, dann eben sein Regal. Eine Seite für jede Person in seinem Leben. Nein, besser noch: ein ganzer Ordner für jeden.

„Dann kann ich nichts mehr vergessen, denn ich habe ja ein System“, sagte er sich.

Und so schrieb er weiter. Mensch für Mensch. Doch es war ein schmerzhaftes Tauschgeschäft, das er gar nicht bemerkte. Je dicker und voller die Ordner für die anderen wurden, desto hohler fühlte sich sein eigener Brustkorb an.

Wenn er das perfekte Skript für den Kollegen schrieb – immer fokussiert, immer ruhig, niemals dazwischenreden, den Faden nicht verlieren –, knipste er morgens ein Gesicht an. Es war eine Maske aus Gips, die kalt auf seiner Haut spannte. Hinter seinen Augen aber blieb es dunkel. Wenn er die Anleitung für den aufmerksamen Kumpel auswendig lernte, kopierte er dessen Gestik und spiegelte dessen Lachen. Doch sein eigenes Lachen fühlte sich an wie ein hohles Echo in einem Raum, aus dem man heimlich alle Möbel getragen hatte.

Er zog Zimmer für Zimmer aus seinem eigenen Körper aus, um Platz für die Schablonen der anderen zu machen. Das unruhige Chaos in seinem Inneren verschwand nicht – es wurde nur taub. Eingesperrt hinter den dicken Wänden der Ordner breitete sich in ihm eine schwere, staubige Stille aus. Eine Leere, die sich als Schutz tarnte.

Er schrieb so viel und legte so viele Ordner an, dass er die allererste Seite – seine eigene Seite – irgendwann nicht mehr fand. Er hatte sie nicht abgeheftet. Nur kurz abgelegt. Erstmal schreibe ich die Drehbücher für die anderen fertig. Nur kurz abgelegt, und schon war sie unter dem riesigen Stapel aus Anpassung und Tarnung begraben.

So kam es, dass sein eigener Ordner leer blieb.

Das waren die schlimmsten Momente. Die Momente, in denen er allein war und das laute Rauschen im Kopf plötzlich zurückkehrte. Die, in denen es nicht half, in den Ordner eines anderen zu schauen, weil niemand da war, den er spiegeln konnte. Die Momente, in denen die Gipsmaske absplitterte und er nur sein eigenes, leeres Regal vor sich hatte.

Einen Ordner, in den er schließlich ein einziges, weißes Blatt einheftete. Drei Worte standen darauf im grellen Licht des leeren Raums: Wer bin ich?

Er wusste nicht mehr, wer er war, wenn niemand zusah. Er wusste nicht mehr, wovon er träumte, wenn er nicht gerade funktionierte. Er starrte auf das weiße Papier. Die drei Worte brannten in der Stille, wie ein spitzes Licht in einem finsteren Raum.

Für einen kurzen Moment zuckte seine Hand. Der Impuls war tief eingebrannt: Klapp den Ordner zu. Stell ihn ganz unten ins Regal. Hol das Skript für morgen heraus. Es wäre so einfach gewesen. Eine neue Maske anrühren, den Gips feucht aufstreichen, bis die Konturen wieder glatt, ruhig und makellos waren. Funktionieren war sicher. Funktionieren war vertraut.

Doch als er die Hand nach der schweren Wand aus Ordnern ausstreckte, spürte er nur die Kälte. Sie standen da wie Grabsteine für Dinge, die er nie gewesen war. Er blickte zurück auf sein eigenes Blatt. Die Ränder waren jungfräulich – keine Korrekturen von fremder Hand, keine wegradierte Leidenschaft, keine Zeilen, die er sich zwischen die Erwartungen anderer hatte quetschen müssen. Es gab hier kein Gesetz. Nur die Stille und die Frage.

Langsam griff er nach dem Stift. Nicht nach dem Radiergummi. Seine Finger zitterten leicht, ungewohnt steif, als hätten sie verlernt, ohne Schablone etwas aufzuschreiben. Er setzte die Graphitspitze auf das Papier. Unter den drei Worten war Platz.

Freund, Kollege, Mentor, Sohn, Bruder.

Das waren die ersten Worte, die ihm einfielen. Nein, nicht Worte – Rollen, merkte er. Dennoch schrieb er sie auf. Das war es schließlich, was andere in ihm sahen. Ein Freund, der zuhörte. Ein Kollege, der unterstützte. Ein Mentor, der erklärte. Ein Sohn, der noch viel vor sich hatte. Ein Bruder, den man immer fragen konnte.

Er sah auf die Worte hinab. Sie standen da in einer sauberen, ordentlichen Reihe – genau so strukturiert wie die Regale hinter ihm. Doch als er sie durchlas, wurde die Stille im Raum nur schwerer. Das waren keine Antworten auf die Frage, wer er war. Es waren Beschreibungen seiner Funktion. Eine Liste von Werkzeugen, sortiert nach ihrem Nutzen für andere: Das Werkzeug zum Zuhören, das zum Reparieren, das zum Erklären. Er hatte wieder nur die Beschriftungen der Ordner kopiert.

Er strich sie einmal sauber durch. Diese Rollen waren schließlich auch ein Teil von ihm, aber er hatte erkannt, dass sie nicht alles waren. Kein hektisches Durchkratzen, kein Tilgen. Sie blieben lesbar. Er löschte sie nicht aus, wie er es früher mit seinen eigenen Ideen und Wünschen getan hatte. Er akzeptierte sie als Teil seiner Geschichte, aber sie waren nicht die Antwort auf die Frage. Sie waren die Hüllen, die er getragen hatte, nicht der Kern, der in ihnen wohnte.

Unter der durchgestrichenen Zeile entstand wieder Platz. Doch dieses Mal fühlte sich die Leere anders an. Es war nicht mehr die staubige, erdrückende Stille der Ordner. Es war der Raum vor dem ersten Atemzug. Er suchte in der Stille nach dem, was übrig blieb, wenn niemand zusah und nichts erwartet wurde. Nicht nach einer Funktion, nicht nach einem Nutzen. Er ging gedanklich zurück – vorbei an den aufgeräumten Regalen, vorbei an den abgegriffenen Listen gegen das Vergessen, tief hinein in die Schichten unter dem bröckelnden Gips. Dorthin, wo früher einmal das Feuer gesessen hatte. Jenes unruhige, manchmal wilde Leuchten für Dinge, die für andere immer zu viel, zu laut oder zu sprunghaft gewesen waren. Dorthin, wo er ganze Nächte vergessen konnte, einfach nur, weil ihn ein einziges Thema, eine Idee oder eine Welt komplett verschlungen hatte. Kein Ziel. Keine Pflichterfüllung. Nur die reine, ungezähmte Faszination.

Ein leises Kribbeln stieg in seinen Fingerspitzen auf – zaghaft, fast wie ein Reflex, den er jahrelang unterdrückt hatte. Es war keine Wortekette, sondern ein Gefühl: Die plötzliche, explosive Freude am Erschaffen, am Ausprobieren, am wandern lassen der Gedanken ohne Leitplanken. Ein Funke reiner Neugier, der nicht danach fragte, ob er Sinn ergab oder jemandem gefiel.

Neugierig, schrieb er auf.

Er hatte schon immer verstehen wollen, wie die Welt funktioniert. Hatte alles auseinandergeschraubt und wieder zusammengebaut. Fragen über Fragen gestellt. Als Kind waren es die alten Uhren, die kleinen Elektromotoren und zerfledderten Bücher gewesen. Er hatte sie nicht zerlegt, um sie zu zerstören, sondern weil er den Herzschlag darin suchen musste. Er wollte wissen, was die Dinge im Innersten zusammenhielt, wie die Zahnräder ineinandergriffen, warum die Welt so funktionierte, wie sie funktionierte.

„Warum ist das so? Wie geht das? Und was passiert, wenn …?“ Ein unendlicher Strom aus Fragen, der den Erwachsenen damals oft zu laut, zu anstrengend oder einfach zu viel gewesen war. Man hatte ihm gesagt, er solle aufhören, alles zu hinterfragen, solle einfach zuhören und stillsitzen. Also hatte er das Werkzeug weggelegt. Er hatte aufgehört, die Dinge um sich herum auseinanderzuschrauben, und stattdessen angefangen, sich selbst zu zerlegen – Zahnrad für Zahnrad, Gedanke für Gedanke, bis er in die Schablonen der anderen passte.

Ein Erfinder ohne Ideen. Ein Bastler ohne

Er hielt inne. Da waren sie wieder, die Selbstzweifel. Die Worte schwebten auf der Seite, schwer und scharf. Es stimmte. Wo früher Funken gewesen waren, lag jetzt nur die dichte Asche der Jahre, in denen er sich verstellt hatte. Wie sollte man auch Ideen haben, wenn der eigene Kopf über Jahre hinweg nur damit beschäftigt gewesen war, fremde Baupläne fehlerfrei abzuarbeiten? Wie sollte man etwas erschaffen, wenn das einzige Werkzeug, das man behalten durfte, ein Radiergummi war, um die eigenen Spuren rasch wieder zu verwischen?

Sein Blick wanderte zurück zu der durchgestrichenen Zeile weiter oben. Vielleicht war genau das der Denkfehler gewesen. Er musste nicht sofort wieder funktionieren. Er musste nicht auf Anhieb ein fertiges Projekt abliefern oder eine glänzende Idee erzwingen. Er musste nicht einmal wissen, wie das Ziel aussah. Er musste nicht konstruieren – sondern nur aufhören, sich selbst weiter zu demontieren.

Der Stift setzte ein letztes Mal für dieses Blatt an. Er strich auch das letzte Wort vorsichtig durch und schrieb daneben:

auf der Suche nach seinen eigenen Teilen

Huhu, erstmal danke für's bis hierhin lesen. Konnte die letzten Nächte nicht schlafen und hab einfach mal drauf los geschrieben. Ich hoffe euch hat meine kurze Geschichte gefallen. Ich überlege noch, ob ich sie weiterschreiben soll, oder ob's bei dem hier bleibt. Falls ja, teile ich gerne weitere Updates : )


r/einfach_schreiben 1d ago

Fragment

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Alte Notiz gefunden: »Man darf sich Dummheit nicht als Mangel vorstellen.«

»Klingt nach dem dritten Negroni« zeigt Tina sich unbeeindruckt.

Dass ich zu trinken aufgehört habe, hat leider keinen Einfluss auf meine Neigung zu kryptischen Fragmenten und auch mein Erinnerungsvermögen bleibt davon unbeeinflusst. Früher dachten wir, der Schlüssel zur Erkenntnis läge in der Bewußtseinserweiterung, wir dachten wirklich mit einem Joint kämen wir der Weisheit näher, aber das war in den 90ern, andere Zeiten. Die Suche nach einer Antwort auf die Geheimnisse der Existenz begleitet uns wohl alle, die Inbrunst im Gebet und der Bergkristall vor dem Fernseher sind nur unterschiedliche Symptome der gleichen Krankheit.

Wir unterscheiden uns auch in den intellektuellen Resourcen, die uns zur Verfügung stehen; Gesundheit, Bildung und Inspiration genauso wie Nahrung, Freiheit und Langeweile. Ist die Kritik der reinen Vernunft vorstellbar mit einem Kant, der seine Familie mit einem Job am Bau durchbringen muss?

»Männer sind das Letzte!« Tina will ihr Handy erwürgen, ihr Gesicht ist wutverzerrt. Dass ihr das einen Zug theatralischer Komik verleiht habe ich gelernt zu ignorieren.

»Was ist passiert?«

»Da fragt einer, ob es OK ist, seine Frau zu betrügen, weil sie nach der Schwangerschaft keinen Sex will. Und schau Dir die Kommentare an! Schau Dir das an! Die stimmen ihm alle zu!«

Ich lege mir einen Stick in den Tabakerhitzer, hilflose Unterwerfung unter den Zeitgeist. Die Diskussion über unzulässige Verallgemeinerungen und einen Männer-sind-Schweine-Feminismus würde das Schlafzimmer in ein Schlachtfeld verwandeln und ich mochte diesen ruhigen, leicht langweiligen Tag der durch Tina einen eigenen Glanz bekommen hat. Der Anlass schürt auch nicht gerade das Feuer meiner Selbstgerechtigkeit. Pick your fights.

»Das ist dumm! Saudumm!«

»Ja.«

Da ist sie wieder, die Dummheit. Ich muss nicht nachfragen um zu wissen, dass Tina auf Reddit surft, vermutlich FragtMaenner, Tina ist besessen davon; Reddit habe ich ihr gezeigt, erstaunlicherweise hatte sie das noch nicht gekannt, das war, retrospektiv, dumm. Dumm, was diese Internettrolle schreiben, das auch, saudumm. Dumm aber auch Tinas Reaktion.

»Hat eigentlich schon mal jemand eine Topografie der Dummheit erstellt? Gibt es dazu was?«

»Bei Nietzsche, glaube ich. Dummheit als Entspannung des Geistes oder so. Es gäbe ein Recht auf Dummheit. In der Art.«

An Kaffee gewöhnt man sich sehr schnell, die Adenosin-Rezeptoren, durch das Koffein erst sehr wirksam blockiert, vermehren sich einfach und dann kann man gar nicht mehr so viel Kaffee trinken wie man bräuchte um die Wirkung der ersten Tasse zu erreichen. Bei meiner Ehrfurcht vor Tinas geistigen Kapazitäten konnte ich diesen Effekt noch nicht feststellen.


r/einfach_schreiben 1d ago

broken heart

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mein. Herz. ist. zerbrochen. aufgebrochen wie ein vulkan der aufbricht und mein herz zu lava werden ließ. so ungefähr hat es sich angefühlt.

irgendwo habe ich mal gelesen und die genauen worte weiß ich nicht mehr, aber rs war etwas wie mach keine kunst mit ki, sondern mit deinem kindheitstrauma so wie jeder andere Künstler auch.

i feel this. nur würde ich das ganze auf allgemeine trauma erweitern.

was kommt also heraus wenn der herz aufbricht? eine ganze menge scheiße. richtig dunkle berge kommen da zum vorschein. über lange lange zeit. und dazwischen kommt noch etwas anderes. zunächst nicht wahrnehmbar. unauffällig, leicht zu verdrängen. es kommt die kunst. kein blatt papier und kein stift. es kommen Gefühle mit denen man zum Künstler wird. durch was auch immer. aus diesem strom aus lava kommt etwas. kraft. und keine Ahnung woher. ich liege schließlich mit meinem Burnout hier und tausend problemen.

es kommt leben. es kam die kraft für die kunst zu leben. ganz klein aber sie kam. in meinem Kraftlosesten moment fand ich die Schönheit in dieser völlig absurden welt.

ich erinnerte mich an ein buch von Dennis rodman, walk on the wild side. eine Liebeserklärung an seinen innersten freak mit unfassbar viel mut.

meine liebe geht an alles unperfekte, an alles chaos in unserem alltäglichen leben, an jedes Gefühl, an jeden zusammenbruch, an jede siesta, an jeden freak. das macht uns lebendig. und das ist gut so.


r/einfach_schreiben 1d ago

Ein Tuch im Wind

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Klartext aus dem Herzen

Manchmal beginnt etwas Großes
mit einem Keim.
Vielleicht nur mit einem Augenblick,
in dem ein Mensch innehält.
Hinsieht.
Und etwas erkennt,
das längst schon da war,
aber noch keinen Namen hatte.
Etwas beginnt.
Leise.
Fast unsichtbar.
Vielleicht beginnt genau dort
eine Reise.
Nicht hinaus in die Welt.
Sondern zuerst
zu uns selbst.
⚪️
I. Was bleibt
Manchmal gehe ich durch mein Leben
wie durch einen stillen Wald im Frühherbst.
Blätter fallen leise,
und niemand zählt, wie viele.
Manchmal denke ich daran,
wie viel von dem, was wir geben,
aus dem entstanden ist,
was andere uns einmal gegeben haben.
Etwas geht
von einem Menschen zum nächsten
und wird dabei
nicht weniger.
Vielleicht Liebe.
Vielleicht Glück.
Vielleicht nur ein Blick.
Ein Wort.
Ein Gefühl.
Dass jemand da ist.
Dass jemand zuhört.
Dass jemand einen
für einen Augenblick
wirklich sieht.
Wie ein Tuch im Wind,
weitergetragen
über Wiesen und Wege,
über Hindernisse,
Berge und Täler,
so weit,
wie ein wenig Menschlichkeit reicht.
Und manchmal stelle ich mir vor,
wir wären auf diesem Tuch.
Ganz leicht.
Ganz sanft.
Zwischen Erde und Himmel.
Zwischen Wasser und Wolken.
Ohne wissen zu müssen,
wohin.
Nur für diesen Augenblick.
Wie eine Sternschnuppe,
die für einen Moment
den Himmel berührt
und weiterzieht.
Nicht verloren.
Nur weitergezogen.
Vielleicht tragen wir alle
einen kleinen Keim in uns.
Lange unsichtbar.
Und trotzdem da.
Wie Erde,
die still erscheint
und doch voller Leben ist.
Wie der erste Regen
nach langer Dürre.
Etwas beginnt wieder
zu atmen.
Vielleicht auch das:
Menschlichkeit.
Lange war ich
wie ein kleiner rollender Stein
in einer Flut
aus größeren Steinen.
Angestoßen.
Weitergetragen.
Verändert.
Immer in Bewegung.
Immer auf der Suche.
Manchmal
auf der Flucht vor mir selbst.
Bis von dem,
was ich einmal gewesen war,
nicht mehr alles
übrig blieb.
Aber etwas blieb.
Ganz tief.
Fast unsichtbar.
Ein Funke.
Ein Atemzug.
Ein Gedanke.
Etwas in mir,
das sich weigerte,
ganz zu verschwinden.
Und irgendwann
habe ich verstanden:
Ankommen ist vielleicht
kein großes Ereignis.
Vielleicht ist es nur
der Augenblick,
in dem wir merken:
Ich bin noch da.
Ich atme noch.
Ich fühle noch.
Vielleicht muss Ankommen
nicht für immer sein.
Vielleicht hebt der Wind
uns irgendwann wieder an.
Dann fliegen wir weiter.
Leben weiter.
Aber nicht mehr
fort von uns.
Mit uns.

II. Getragen
Wir können nicht verhindern,
dass Menschen gehen.
Wir können nichts festhalten,
dessen Zeit vorbei ist.
Und manchmal reichen Worte nicht,
um zu beschreiben,
was ein Mensch
in einem anderen zurücklässt.
Manche Abschiede
verlassen unser Leben,
aber nicht vollständig
uns selbst.
Sie bleiben
in einem Geruch.
In einem Lied.
In einem Satz,
den niemand sonst versteht.
In einer bestimmten Art
von Licht.
In einem Blick.
Dann stehen wir manchmal da
wie ein Mensch am weiten Meer
an einem nebligen Morgen.
Die Aussicht fehlt.
Die Richtung vielleicht auch.
Und trotzdem
gehen wir weiter.
Nicht immer mutig.
Nicht immer stark.
Manchmal nur,
weil der nächste Atemzug
von selbst kommt.
Und danach noch einer.
Denn selbst im Nebel
ist der Weg noch da.
Auch wenn wir ihn
gerade nicht sehen.
Wir können den Wind
nicht ändern.
Aber vielleicht können wir lernen,
uns von ihm tragen zu lassen.
Und irgendwo
hebt sich wieder
dieses Tuch im Wind.
Nicht festgehalten.
Nicht verloren.
Einfach getragen.
Vorbei an einem Olivenzweig,
der sich leise bewegt.
Über stilles Wasser,
auf dem eine Seerose ruht
und sich dem Licht öffnet.
Nicht vollkommen.
Gewachsen.
Wie die Rose
des kleinen Prinzen.
Kostbar nicht deshalb,
weil sie schöner ist
als alle anderen,
sondern weil jemand
sie wirklich gesehen hat.
Vielleicht sind es
die kleinen Dinge.
Ein kurzer Blick.
Ein einfaches Wort.
Eine warme Hand.
Ein einfaches Lächeln.
Ein Morgen,
leichter als der gestrige.
Dass jemand da war.
Dass jemand zugehört hat.
Dass jemand
für einen Augenblick blieb.
Und manchmal ist
ein Augenblick genug,
um etwas in uns
zu verändern.
Vielleicht ist das
der wahre Himmel:
kein Reich aus Gold.
Kein Besitz.
Kein Preis.
Nur Menschlichkeit.
Ein Mensch,
der einen anderen sieht.
Eine Hand,
die nicht sofort loslässt.
Ein wenig Wärme,
wenn es kalt geworden ist.
Mit Gefühl.
Mitgefühl.
Ich habe viel erlebt.
Viel gefühlt.
Verloren.
Wiedergefunden.
Vielleicht nicht,
um etwas davon festzuhalten.
Vielleicht nur,
um etwas weitergeben zu können.
Damit ein anderer Mensch
sich für einen Augenblick
weniger allein fühlt.
Damit etwas weitergetragen wird.
Damit es nicht verloren geht.
Ich möchte nichts beweisen.
Nicht stärker wirken.
Und auch nicht weise.
Nur verlässlich sein.
Denn ein offenes Herz
darf leise sein.
Und ein gebrochenes auch.
Stärke muss nicht laut werden,
um echt zu sein.
Manchmal ist Stärke nur:
noch zu atmen.
Ich bin gefallen.
Ich habe geweint.
Ich bin aufgestanden.
Und irgendwann
bin ich nach all dem Fallen
auf mich selbst gefallen.
Vielleicht war das
kein Ende.
Vielleicht war es Ankommen.
Ich bin noch da.
Ich atme noch.
Ich tauche nicht unter.
Ich tauche auf.

III. Wir
Vielleicht bedeutet Nähe
nicht immer,
jemanden festzuhalten.
Vielleicht bedeutet sie manchmal,
loslassen zu können
und trotzdem dankbar zu bleiben
für das, was war.
Auf dieser blauen Perle im All
begegnen sich Menschen.
Manchmal für Jahre.
Manchmal für Tage.
Manchmal nur
für einen Augenblick.
Und trotzdem
kann etwas bleiben.
Nicht als Besitz.
Nicht als Versprechen.
Sondern in einem Blick.
In einer Berührung.
In der Art,
wie wir später
einem anderen Menschen begegnen.
In der Art,
wie wir sprechen.
Vielleicht hinterlässt jeder Mensch,
der uns wirklich erreicht,
ein wenig von sich.
Nicht damit wir ihm folgen.
Sondern damit wir
unseren eigenen Weg
wieder sehen können.
Vielleicht sind es genau diese Menschen,
die uns nicht retten,
aber uns für einen Augenblick
daran erinnern,
dass wir noch da sind.
Das wir nicht alleine sind.
Dass wir noch fühlen können.
Dass wir noch atmen.
Dass etwas unter all dem Staub
nicht verschwunden war.
Nur verborgen.
Vielleicht bedeutet Heilung
nicht,
jemand anderes zu werden.
Vielleicht bedeutet sie,
wiederzufinden,
was lange still war.
Bei sich anzukommen.
Nicht für immer.
Nur jetzt.
Hier.
Bei mir selbst.
Manche Erinnerungen
brauchen keine Zukunft.
Vielleicht dürfen sie
einfach gewesen sein.
Wie ein kleiner Planet,
den es vielleicht
nur für einen Augenblick gab.
Ein Blick.
Ruhe.
Und dieses seltene Gefühl,
nirgendwo anders
sein zu müssen.
Wie das Mädchen
mit dem Perlenohrring.
Nicht nur angeschaut.
Gesehen.
Sanft.
Still.
Ein Blick,
der nichts fordert.
Und gerade deshalb
etwas öffnet.
Vielleicht ist es wie
ein Gänseblümchen,
vom Wind gestreichelt
und von der Sonne berührt.
Ganz unscheinbar.
Und für einen Augenblick
das Schönste
auf der ganzen Wiese.
Der Wind bleibt nicht.
Auch die Sonne
zieht weiter.
Aber der Augenblick
war da.
Und vielleicht reicht das.
Dann denke ich
an meine erste Blume.
An meine rote Rose.
Nicht,
weil sie vollkommener war
als andere.
Sondern weil sie
Bedeutung hatte.
Vielleicht entsteht Schönheit
genau dort:
wenn etwas Kleines
einzigartig wird,
weil ein Mensch
es wirklich gesehen hat.
Vielleicht gilt das
auch für Menschen.
Manche bleiben nicht.
Kein Mensch
gehört einem anderen.
Manche Wege
gehen auseinander.
Und trotzdem
verliert eine Erinnerung
nicht ihren Wert.
Denn Erinnerung
ist kein Anspruch.
Sie sagt nicht:
Bleib.
Sie sagt:
Du warst da.
Und etwas davon
ist geblieben.
Vielleicht unter
demselben Himmel.
Vielleicht unter
demselben Stern.
Der hellste Stern
der Nacht.
Vielleicht sehen zwei Menschen
ihn irgendwann
von verschiedenen Orten aus.
Nicht nebeneinander.
Vielleicht nie wieder
zur selben Zeit.
Und trotzdem
ist es derselbe Himmel.
Ich kann die Sterne
nicht verschieben.
Ich kann keinen Menschen
zu mir ziehen.
Und ich muss es auch nicht.
Ich kann anerkennen,
was ein Augenblick
in mir bewegt hat.
Und mich selbst
beim Wort nehmen.
Vielleicht liegt darin
Verantwortung:
nicht zu besitzen,
was uns berührt hat.
Nicht festzuhalten,
was frei sein muss.
Nicht aus Erinnerung
eine Forderung zu machen.
Sondern sie
behutsam zu tragen.
Vielleicht liegt darin
einer der stillsten Siege:
einem Menschen
in die Augen gesehen zu haben
und sich später
nicht daran zu erinnern,
was man haben wollte,
sondern daran,
was man gefühlt hat.
Ruhe.
Wärme.
Menschlichkeit.
Vielleicht
ein kleines Lächeln.
Und irgendwann
wird sogar die Perle nebensächlich.
Es bleibt der Mensch.
Der Blick.
Das Licht.
Und dieses kaum erklärbare Gefühl,
dass ein einziger Augenblick
genügen kann,
um etwas,
das lange still war,
wieder lebendig werden zu lassen.
Vielleicht ist Schönheit
genau das.
Nicht Vollkommenheit.
Nicht Besitz.
Nicht Festhalten.
Sondern ein Augenblick,
der nichts verspricht
und trotzdem bleibt.
Ein Geschenk der Zeit.
Vielleicht brauchen Licht
und Dunkelheit einander,
damit wir sehen können.
Vielleicht ist es
mit Menschen genauso.
Manchmal tritt jemand
für einen Augenblick
in unser Licht
und zeigt uns nicht,
wer wir sein sollen,
sondern erinnert uns daran,
wer wir noch sind.
Ein Mensch,
der fühlen kann.
Der lachen kann.
Der lieben kann.
Der erinnern kann.
Der noch da ist.
Ich bin noch da.
Mein Herz ist noch da.
Ich atme noch.
Und irgendwann
stehe ich wieder
in diesem stillen Wald.
Mittlerweile
im Spätherbst.
Die Blätter fallen
noch immer leise.
Aber diesmal
fällt Licht zwischen sie.
Der Nebel
ist nicht verschwunden.
Vielleicht muss er das
auch gar nicht.
Heute weiß ich:
Man muss nicht alles sehen,
um weiterzugehen.
Manchmal reicht
ein wenig Licht
für den nächsten Schritt.
Das Licht musste die Blätter
nie daran hindern,
zu fallen.
Es musste nur
zwischen ihnen hindurchfinden.
Vielleicht entsteht
das Schönste dort,
wo Licht und Schatten
sich nicht bekämpfen,
sondern einander
sichtbar machen.
Und irgendwo darin
schwebt wieder
dieses Tuch im Wind.
Nicht neu.
Nicht unversehrt.
Es trägt Spuren
von manchem Sturm.
Und trotzdem trägt es.
Nicht zurück.
Weiter.
Von Mensch zu Mensch.
Von Erinnerung
zu Erinnerung.
Bis es langsam
am Horizont verschwindet.
Nicht verloren.
Nur weitergetragen.
Und vielleicht erinnert sich
für einen Augenblick
auch das Kind in uns daran,
wie es sich anfühlte,
nicht stark sein zu müssen.
Einfach getragen.
Ganz leicht.
Wie vom Wind.
Wie ein Tuch im Wind.
Denn:
Wir werden.
Wir wirken.
Wir bleiben.
Vielleicht nicht
nebeneinander.
Vielleicht nur
in kleinen Dingen.
In einem Blick.
In einem Wort
zur richtigen Zeit.
In einer Hand.
In ein wenig Wärme
in einem anderen Menschen.
Ich bin nur Mensch.
Ein kleiner Mann am Wasser.
Nicht größer
als der Horizont.
Nicht stärker
als das Meer.
Kein Held.
Kein Opfer.
Nur ich selbst.
Ich heiße Pan.
Und ich bin Bademeister,
der im Leben
nicht mehr schwimmen konnte
und irgendwann gelernt hat,
sich selbst
die Hand zu reichen.
Nicht vollkommen.
Nicht fertig.
Aber echt.
Und bereit,
weiterzugehen.
Vielleicht wieder
zu fliegen.
Aber nicht mehr
fort von mir.
Mit mir.
Bei mir.
Ich bin noch da.
Ich tauche nicht unter.
Ich tauche auf.
Ich atme weiter.
Und was bleibt?
Ein Blick.
Ein Wort.
Ein wenig Licht.
Etwas von mir
bei dir.
Etwas von dir
bei mir.
Nicht festgehalten.
Nicht zurückgefordert.
Nicht weniger geworden.
Nur weitergetragen.
Von Mensch
zu Mensch.
Zum Wir.
Einfach wir.
Mit Gefühl.
Mitgefühl.

Widmung
Für die Menschen,
die getragen haben.
Für die Menschen,
die tragen.
Und für die Menschen,
die selbst getragen wurden.
Für die,
die geblieben sind.
Und für die,
die gegangen sind,
von denen aber
etwas geblieben ist.
Für Begegnungen,
die kein Versprechen brauchten,
um Bedeutung zu haben.
Für Augenblicke,
die vorbei sind
und trotzdem
nicht verschwunden.
Für Blicke.
Für Worte.
Für Hände.
Für Licht.
Für Erinnerungen.
Für alles,
was ein Mensch
in einem anderen hinterlässt,
ohne es je
ganz zu wissen.
Vielleicht ist dieser Text
nur meine kleine Hand,
ausgestreckt
von Mensch zu Mensch.
Nicht,
um eine Antwort zu haben.
Nicht,
um jemanden festzuhalten.
Nur um zu sagen:
Ich habe gesehen.
Ich habe gefühlt.
Ich habe gelernt.
Und es geht weiter.
Immer.
⚪️
Der Keim
Der Anfang des Sehens.
Der Augenblick,
in dem ein Mensch innehält
und wirklich hinsieht.
Nach außen.
Und nach innen.
Der Keim bedeutet:
sehen.
⚪️
Der Faden
Kein Mensch
ist fertig.
Wir wachsen
aus Begegnungen,
Erfahrung,
Reibung,
Verlust
und Freude.
Nicht makellos.
Nicht geschliffen.
Gewachsen.
Der Faden bedeutet:
werden.
⚪️
Das Gewebe
Kein Faden
bleibt für sich allein.
Ein Blick erreicht
einen anderen Menschen.
Ein Wort wirkt weiter.
Eine Hand
berührt eine andere.
Aus einzelnen Menschen
entsteht etwas,
das größer ist
als jeder von ihnen allein.
Das Gewebe bedeutet:
wirken.
⚪️
Das Tuch
Und irgendwann
wird aus all diesen Fäden
vielleicht ein Tuch.
Nicht vollkommen.
Nicht ohne Risse.
Aber tragfähig.
Wir können den Wind
nicht bestimmen.
Aber wir können darauf achten,
was wir ihm anvertrauen.
Ein Wort.
Eine Hand.
Ein wenig Wärme.
Eine Erinnerung.
Vielleicht Liebe.
Vielleicht Glück.
Vielleicht nur
das Gefühl,
dass jemand
für einen Augenblick da war.
Das Tuch bedeutet:
weitertragen.

Die Essenz dieses Tuches im Wind ist:
Sehen.
Werden.
Wirken.
Weitertragen.
Vielleicht ist das
der ganze Weg.
Nicht alles
muss bleiben,
um Bedeutung gehabt zu haben.
Nicht jeder Mensch
muss bei uns bleiben,
damit etwas von ihm bleibt.
Nicht jede Erinnerung
braucht eine Zukunft.
Manche dürfen einfach
Erinnerungen sein.
Still.
Warm.
Frei.
Wie eine rote Rose,
an die man sich erinnert.
Wie ein Blick
im Licht.
Wie ein Stern
über zwei Menschen,
deren Wege
nicht dieselben sein müssen.
Blätter fallen leise,
und niemand zählt, wie viele.
Was fällt,
ist nicht immer verloren.
Manches wird Erde.
Manches Erinnerung.
Manches Licht.
Und manches
wird weitergetragen.
Danke
für das Gefühl.
Danke
für den Augenblick.
Danke
für das, was blieb.
Das ist
mein Geschenk zurück.
Vielleicht ist das
am Ende alles:
Ein Mensch sieht.
Ein Mensch fühlt.
Ein Mensch trägt etwas weiter.
Und irgendwo
zwischen all den Wegen,
zwischen Nähe und Entfernung,
zwischen Erinnern und Loslassen,
zwischen Licht und Schatten
bleibt etwas,
das keinen Besitz braucht,
um wirklich gewesen zu sein.
Ein Augenblick.
Ein Mensch.
Ein wenig Wärme.
Und das Wissen:
Ich war da.
Du warst da.
Wir waren da.
Und etwas davon
geht weiter.
Ein Tuch im Wind ist auch auf mich gefallen.


r/einfach_schreiben 1d ago

ein Gebet für alle

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r/einfach_schreiben 2d ago

Manche

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crashen alles nieder

als gäbs jetzt bald nie wieder

als gäbs auf dieser Welt nur Platz für einen Sieger

als gäbs auf dieser Welt nur Platz für einen Gott

wtf Tatsache oder absoluter Schrott

denn unsere Welt is so groß, wir können sie kaum sehen

können nicht mal messen bis wohin sie geht

ob einer oder viele, ach wen interessierts

sie führen deswegen Kriege, im Größenwahn verirrt!

bekriegen mit Intrigen um das Spiel nicht zu verlieren

boykottieren entschieden jeden der's versucht zu entwirren

wer sind da jetzt die Irren


r/einfach_schreiben 2d ago

August

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r/einfach_schreiben 3d ago

Meinung zu freida mcfadden??

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Hallo , ich lese aktuell freida mcfadden die Kollegin- ich habe nur Gutes über den Hype der Autorin gehört…. Aber es gibt auch Kritik über die Autorin zurecht? Wie sieht ihr dass Thema?


r/einfach_schreiben 3d ago

Ein Buchpodcast mit spannenden Gästen aus der Buchbranche (Verleger, Spiegelbestsellerautoren & mehr) und wichtigen Insights für Autoren und Leser. Fckpit – Deeptalks aus der Buchbubble. So real hast du den deutschen Buchmarkt noch nie erlebt!

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Wenn du an spannenden und tiefgründigen Geschichten von erfolgreichen Persönlichkeiten aus der Buchwelt interessiert bist, könnte dieser Podcast das Richtige für dich sein. Bei Spotify & überall, wo es Podcasts gibt. ♥ https://open.spotify.com/show/7p2u2Kuz4Kd303dFcqZV3O?si=4f03795661a84dfd


r/einfach_schreiben 4d ago

Gott ist überall - der Teufel ist nur dort wo er reinkommt

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r/einfach_schreiben 4d ago

Wünsche

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dass du nie verlernst zu Träumen

dein Wesen niemals wagst zu zäumen

dir nur das Beste vom Besten widerfährt

und alles was du dir erhoffst, irgendwann ganz dir gehört


r/einfach_schreiben 5d ago

Ihr nicht

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Wir sind dunkle Künstler

Trotzdem gute Menschen

In eurem System

Werden wir nicht verenden

Wir halten die Fahne hoch

Lachen euch ins Gesicht

Uns verändern?

Das schafft ihr nicht


r/einfach_schreiben 5d ago

Wie du emotionale Trigger erkennst & heilst

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Ich habe eben mein erstes Buch rausgebracht ✍🏼📚
Lange haben mich die Themen Stress, überreiztes Nervensystem und People pleasing begleitet und ich hab gelernt damit umzugehen - genau diese Erfahrungen möchte ich teilen 🥰 ich freu mich auf den Austausch mit euch


r/einfach_schreiben 6d ago

Missverständnisse

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Unsere Welten,
sie stimmen nicht überein.
Und so soll es nicht sein,
dass wir uns verstehen.
Begreifen nicht,
was der andere sieht.
Also flieht
jeder gerne
in die eigene Welt,
wenn die des anderen
eben nicht gefällt.


r/einfach_schreiben 6d ago

Vom Schlechten Gewissen

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Vom Schlechten Gewissen

Ich habe heute entschieden daheim zu bleiben, trotz schönem Frühlingswetter den ganzen Tag daheim zu verbringen und ich genieße es. Ich genieße jede Sekunde. Ich wache auf, kurz nach 8, stelle beide Wecker aus, döse noch etwas weiter, kuschle mich ganz wohlig in mein noch kühles Kissen und höre draußen schon die Straßenbahn vorbeirauschen. Ich entscheide den Rausch der Außenwelt bewusst draußen zu belassen und versinke erneut in einen von Träumen durchquerten Dämmerschlaf.

Die Art von Schlaf, die ein Verlangen nach mehr auslöst, nach dieser wohligen Taubheit, gepaart mit Szenen, die sich im Kopf abspielen, voller Glück, Absurdität und dem Gefühl gerade das Leben an sich vorbeirauschen zu sehen, das gute Leben, das Leben das uns in Fernsehsendungen suggeriert wird, das Leben das wir insgeheim auch alle haben möchten, doch viel zu selten zu Gesicht bekommen.

 Irgendwann heizt sich die Decke auf, mein Oberkörper gleich mit, ich spüre, wie sich die ersten Schweißtropfen zwischen meinen Brüsten und auf meinem unteren Rücken bilden. Ich öffne widerwillig und doch voller Vorfreude die Augen, weiß, jetzt ist es Zeit das Bett zu verlassen und den Tag zu starten. Ich sage Guten Morgeeen, obwohl mich keiner hört, zumindest niemand der in meinem Schlafzimmer anwesend ist, das Guten Morgeeen richte ich nach draußen, schaue dabei aus dem Fenster, auf die von den Sonnenstrahlen angeleuchteten Wolkenbüschel und weiß, dass er das hört, dass er sich freut und sich dennoch wundert, warum ich ihn immer noch grüße, wo wir doch auch zu Lebzeiten keinen engen Kontakt hatten, er freut sich trotzdem, das weiß ich genau.

Ich merke, wie der Automatismus meinen Körper leitet, zuerst auf Toilette, Deckel nach oben, Urin nach unten, Erleichterung in der Blase und Hungergefühl, das aufsteigt. Die ersten Gedanken formen sich, überschlagen sich, was mache ich heute, muss ich etwas machen, habe ich Termine, nein, habe ich nicht, das weiß ich, heute ist ein entspannter Tag, ein Lebetag, ein schauen wir mal was wird Tag (was wird.). Der Blick in den Spiegel stimmt mich happy und stolz, die Ponysträhnen, die ich mir vorgestern aus einem Impuls heraus schief abgeschnitten habe, passen perfekt zu mir, passen perfekt zur sich gerade erst sichtbarmachenden Version von mir, ich liebe sie jetzt schon, ich liebe mich jetzt schon.

Der nächste Griff zum Wasserkocher, kein Grüner Tee Jasmin mehr da, wusste ich schon vorher, enttäuscht bin ich trotzdem, ich greife stattdessen zum Grünen Tee mit Ingwer, auch gut, auch wohlig. Mit einer Schüssel voll Sojajoghurt, Banane, Apfel, Crunchy Müsli und Honig schlurfe ich in mein Büro und bin froh, dass ich wieder sorgenfrei schlurfen kann, meinen Exfreund hat das immer genervt, ich bin froh, dass niemand hier ist, den ich nerven kann, ich bin froh, dass niemand hier ist, der mich nervt.

Wieder ein Blick Richtung Himmel, ich liebe es im 5. Stock zu wohnen, trotz stickiger Dachgeschosswohnung im Sommer, trotz Taubenkacke vor dem Fenster, trotz fehlendem Aufzug, aber vor allem wegen der Aussicht. Dabei ist die Aussicht objektiv betrachtet nichts Besonderes, ich blicke über viele Dächer, der Blick nach unten trifft einen von fünf Dönerläden in der Straße, ich esse keinen Döner und war erst einmal dort, empfinde den Anblick aber dennoch als wohlig, heimelig, stimmig und schön.

Ich wohne in einem bestimmt schon einsturzgefährdeten Hochhaus (ab wann gilt ein Haus als Hochhaus? Egal.) Für mich ist dieser Anblick aber unfassbar besonders, nicht nur wegen der Dächer über die ich blicken kann und dabei das Gefühl habe unter Menschen zu sein und einen Blick in so viele verschiedene Lebensgeschichten werfen kann, wobei ich nur selten wirklich das Geschehen in den Wohnungen und Häusern beobachten kann. Es geht vielmehr um das Gefühl der Beobachtung einer kleinen Gesellschaft, die sich auf gleicher Höhe oder darunter abspielt.

Aber noch vielmehr liebe ich den Anblick des Himmels, zu jeder Tages- und Jahreszeit, zu jeder Wetterstimmung und jeder Temperatur. Besonders seitdem er von uns gegangen ist, gehen musste, weil ich das Gefühl habe, dass er nicht wirklich von uns gegangen ist, weil er doch noch da ist, weil er sich nur verwandelt hat und nun ein Teil der Wolken, der Sonne, des Himmels, der Sterne geworden ist.

Ich frage mich, ob das auch für alle anderen klar ist, ob das auch für sie sichtbar ist, muss es ja, denn seitdem er weg ist, sieht der Himmel mit allem Drum und Dran doch viel schöner aus, viel lebendiger, viel sehenswerter. Als hätte sein Tod und all die Energie, die in ihm gespeichert war, nur den Zweck gehabt, für den Rest der Welt den Himmel leuchten zu lassen.

Jeder Sonnenunter- und Sonnenaufgang, jeder Sternenhimmel, jeder Sturm und jedes Gewitter hat seit seinem Tod eine neue Ebene dazugewonnen, ist so viel besonderer geworden, so viel schöner, dass mir die Worte dafür fehlen, so viel schöner, dass ich nicht glauben kann, dass es überhaupt schon Worte gibt, für das was ich seitdem sehe.

Es tröstet mich so unfassbar, zu wissen, dass er immer da sein wird, dass er wirklich nicht weg ist, dass er gar nicht weg sein kann, weil er ja mal da war, weil sein Körper und sein Geist einmal existiert haben und all das woraus seine Hülle bestand, nicht einfach ausgelöscht sein kann. Er ist immer noch da, nur in einer anderen Form und für jeden von uns wohl auch anders sichtbar, vielleicht auch nicht für jeden von uns sichtbar, für mich jedenfalls schon, und dafür bin ich dankbar.

Der Tag vergeht, ich lebe dahin, fühle mich wohl und gebe mich hin, gebe mich der inneren Richtungsgeberin hin, die genau weiß, was ich gerade brauche, möchte, tun und denken kann und sollte, sollte aber trotzdem nicht muss, alles ohne Druck, irritierenderweise fühlt sich alles so leicht an, so vorherbestimmt ohne die Kontrolle abgegeben zu haben, besser kann ich es nicht ausdrücken, mir fehlen wieder einmal die Worte.

Nachdem ich meine Energie beim Schreiben meiner tiefsten Gedanken über eine meiner liebsten Freundinnen gelassen habe, spüre ich, dass ich wieder neue tanken muss, weil mich sonst die Müdigkeit überkommt und ich heute keine Lust habe, müde zu sein, ich habe keine Lust von der Müdigkeit getrieben das Sofa anzusteuern, darauf zu versacken und wieder in den Dämmerschlaf zu wandern, auch wenn allein die Vorstellung daran noch so verlockend klingen mag, heute nicht.

Also schließe ich das Laufband an den Strom, weil ich schon beim Öffnen meiner Augen wusste, dass ich heute die Wohnung nicht verlassen werde, ich schließe es an, weil ich trotzdem Bewegung brauche, weil ich mich aufladen muss und dafür selbst erst Energie aufbringen muss. Und so laufe ich, nicht schnell, maximal 5 Kilometer pro Stunde, je nach Lied auch deutlich langsamer, ich höre per Zufallsprinzip meine Lieblingslieder ganz laut über einen kleinen Lautsprecher, den ich direkt vor mir an der Halterung des Laufbandes platziert habe. Die Geräusche des Laufbandes sind so laut, dass ich die Musik weiter aufdrehen muss, eher aufdrücken muss, muss ich doch einen Knopf drücken, um die Lautstärke zu erhöhen.

Ich liebe, was Musik mit mir macht, ich liebe es noch mehr, was sie mit mir macht, wenn ich mitsinge und ich liebe es am meisten, wenn ich mal nur an mich und meine Bedürfnisse denke, die Musik laut, zu laut aufdrehe und laut, zu laut aus vollster Kehle mitsinge, manchmal mitgröhle. Gänsehaut am ganzen Körper, die Beine bewegen sich immer noch im Gleichschritt, die Hüfte dreht sich hier und da zur Seite, fast tänzelnd, die Arme bewege ich nach Lust und Laune hier und da und überall hin, bin froh, dass ich mich unbeobachtet fühle und deshalb auch wirklich nach Lust und Laune meine Arme schwinge und mich frei fühle und sicher fühle, verstanden fühle und umarmt von der Musik, von meiner Stimme, von meinen Bewegungen, von mir.

Und während ich singe und das Gefühl habe, die Texte, die ich singe, zum ersten Mal zu hören, richtig zu hören, zu verstehen, richtig zu verstehen, blicke ich hinaus aus dem Fenster direkt in die Wolkenbüschel, die an dieser einen Stelle von den Sonnenstrahlen durchflutet werden. Plötzlich fühlt es sich an, als würde ich dissoziieren, nehme auf einmal alle Details wahr, zwei Tauben auf dem Dach vor mir, eine braune, weibliche, eine graulilagrünlich männliche, die Männliche scheint einen Paarungstanz zu initiieren, die Weibliche scheint absolut desinteressiert. Ich bin überwältigt von dem Gefühl am Leben zu sein, habe das Gefühl gerade einen dieser besonderen Momente zu erleben, in denen man auf einmal so viel mehr Ebenen des Lebens zu spüren scheint, so ein Gefühl von vollkommenem Wissen ohne zu wissen, was genau ich zu wissen scheine, ein Gefühl von Sicherheit und Zuversicht, ohne zu wissen, woher diese stammen.

Ich genieße den Zustand, bin vollkommen elektrisiert, bin glückselig um diesen Tag und um alles was mich in diesem Moment berührt. Blicke wieder nach oben, das goldene Wolkeneck im Sichtfeld und plötzlich durchfährt mich diese Gänsehaut am ganzen Körper. Gänsehaut, als wäre mir kalt, aber ich schwitze, mir ist warm. Ein Stich ins Herz, brennende Augen, ein Gefühl von Schuld, ein Gedanke, dass es unfair ist, dass ich diesen Moment erleben darf, er aber nicht, du aber nicht.

Ich fühle mich schuldig, weil er nun nicht mehr da ist, obwohl er noch da ist, aber ich fühle mich schuldig, dass er nicht mehr das sehen, fühlen und erleben kann, was ich gerade sehe, fühle und erlebe. Es tut mir so leid, dass wir das nicht beide tun können, es tut mir so sehr leid, als wäre es meine Schuld, dabei ist es nicht meine Schuld, es ist niemandes Schuld, so ist das Leben.

Und obwohl ich die Schönheit dieses Momentes vollkommen fühlen kann, und weiß, dass es keinen Sinn hat, sich schuldig zu fühlen, dass er das nicht mehr kann, kann ich nicht anders und stelle das Laufband ab, es piepst, das Band läuft noch ein paar Sekunden weiter, bis es schließlich stehen bleibt und ich mit ihm.

Ich schaffe es nicht mehr zu genießen, ich traue mich nicht diesen Moment zu erleben und breche ihn ab und schreibe stattdessen diese Zeilen, in der Hoffnung, dass ich irgendwann einmal diese Zeilen lese und den Moment in Gedanken wieder spüre und dort vielleicht zu Ende spüren kann.


r/einfach_schreiben 8d ago

Gott hat dich geliebt

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Unter dem Baum
zählst du deine Probleme
jedes einzeln nacheinander
suchst nach Lösungen

Aber da ist nichts
nur Verwirrung
das Leben ist kein Fluss
auch kein Berg

Es ist alles meine schöner
der Frieden und der Krieg
tiefes Leiden mein Schatz
seelischer Schmerz meine Hübsche

Bist du blind weil Gott dich liebt
aber du siehst es nicht
und alles ist zerbrochen und vorbei
doch ich stehe dir bei

Mit seiner Kraft
lass uns tiefer gehen
Verwirrung und Leidenschaft
lass uns alles verlieren


r/einfach_schreiben 8d ago

Hirs und Jochen

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Hirs und Jochen sie waren ein Team,

Doch das Leben hat ihnen niemals verziehen.

Sie marschierten beständig,

Blieben stets wendig.

Doch am Ende erreichte nur einer sein Ziel,

Was dem anderen gar nicht gefiel.

Es fielen böse Worte,

Der ganz üblen Sorte.

Sie stritten und zankten drei Tage lang,

Womit das Drama erst richtig begann.

Hirs attackierte Jochen aus dem Hinterhalt,

Und brach ihm zwei Knochen.

Doch das ließ Jochen nicht kalt.

Er schwor zu sich selbst, Hirs wird nicht alt.


r/einfach_schreiben 9d ago

Gegenwehr auf Linie 701

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Die Lichter der Stadt zogen draußen im Regen vorbei. Es war das typische Brummen des Busses auf dem Heimweg von der Arbeit – das leise Rauschen des Motors, das Stimmengewirr weiter vorne, die Müdigkeit in meinen Knochen. Ich lehnte den Kopf an die kalte Scheibe und wollte einfach nur nach Hause.

​Dann spürte ich es.

​Eine Hand auf meinem Oberschenkel. Erst ganz leicht, wie aus Versehen. Ich starrte auf den dunklen Jeansstoff. Neben mir saß er. Er sah nicht mal zu mir rüber, starrte stur geradeaus, während seine Finger sich bewegten – und unter dem Sitz leuchtete ganz schwach das Display seines Handys auf. Er filmte.

​Ein Eisschock fuhr mir durch den Körper. Die typische Erstarrung wollte mich lähmen, aber in mir zog sich etwas zusammen. Nicht heute. Nicht mit mir. Mein Herz hämmerte wie wild, während mein Verstand glasklar wurde. Ich wartete genau auf den Moment, in dem der Bus an der nächsten Haltestelle bremste und die Türen aufzischten...Die Türen zischten auf. Jetzt.

​Mit einer einzigen, explosiven Bewegung griff ich nach unten, riss ihm das Smartphone mit voller Kraft aus der Hand und schoss aus dem Sitz.

​„Hey! Bleib stehen, du Sch-!“, brüllte er hinter mir, doch ich war bereits durch die offene Bustür auf den Bürgersteig gesprungen. Der kalte Regen schlug mir ins Gesicht, aber das Adrenalin brannte wie Feuer in meinen Adern. Ich rannte. Meine Schritte knallten auf den nassen Asphalt, während ich das entsperrte Handy in meinen Händen fest umklammerte.

​Ich bog scharf um die Ecke in eine dunklere Seitenstraße, drückte im Laufen direkt auf die Notruf-Taste und presste mir das fremde Telefon ans Ohr.

​„Notruf, was ist Ihr Notfall?“, schallte die ruhige Stimme der Beamtin aus dem Lautsprecher.

​„Ich wurde eben im Bus belästigt und gefilmt!“, rief ich keuchend, während ich den Blick nach hinten warf. Ich sah seine Silhouette am Ende der Straße auftauchen. Er holte auf. „Ich habe das Handy des Täters gestohlen, mit dem er mich gefilmt hat! Er verfolgt mich jetzt – Sie müssen dieses Handy orten, schnell!“

​„Ruhig atmen. Bleiben Sie am Apparat, wir leiten die Ortung Ihres aktuellen Standorts über das Gerät sofort ein und schicken Streifenwagen los. Wo befinden Sie sich genau?“

​Ich nannte ihr die Straßenecke, während ich hinter einer Reihe von Müllcontainern in einer Gasse Halt machte. Mein Atem ging stoßweise, das Herz schlug mir bis zum Hals. Am Telefon hörte ich bereits das leise, entfernte Martinshorn...Er bog in die Gasse ein. Sein Gesicht war rot angelaufen, die Augen weit aufgerissen vor Wut und Panik.

​„Gib mir mein verdammtes Handy zurück!“, schrie er und machte zwei schnelle Schritte auf mich zu.

​Ich wich nicht zurück. Ich hielt das Smartphone hoch, das Display leuchtete immer noch. „Zu spät“, sagte ich mit fester Stimme. „Die Polizei ist bereits am Telefon. Sie wissen genau, wo wir sind.“

​In diesem Moment blitzte blaues Licht an den Häuserwänden auf. Das Heulen der Sirenen schnitt durch die Nacht und wurde sekündlich lauter. Zwei Streifenwagen bogen mit quietschen Reifen in die Straße ein und blockierten den Ausstieg der Gasse.

​Der Täter erstarrte. Seine Augen wanderten panisch von mir zu den Scheinwerfern der Polizeiautos. Er versuchte umzudrehen, aber zwei Beamtinnen und Beamte waren bereits aus den Wagen gesprungen.

​„Hände wohin wir sie sehen können! Stehen bleiben!“, schallte die Ansage über den Platz.

​Binnen Sekunden drückten sie ihn gegen die Wand und legten ihm Handschellen an. Er versuchte sich herauszureden, fluchte und behauptete, ich hätte ihn grundlos überfallen.

​Ich trat aus dem Schatten der Container hervor und reichte der Beamtin das entsperrte Telefon. „Auf diesem Handy befinden sich die Aufnahmen, die er heimlich von mir im Bus gemacht hat. Es ist alles drauf.“

​Die Polizistin sah erst auf das Display, dann zu dem Täter und schließlich zu mir. Ein wertschätzendes Nicken lag in ihrem Blick. „Das war extrem mutig von Ihnen. Er wird heute nirgendwo mehr hingehen.“

​Als sie ihn auf die Rückbank des Streifenwagens schoben, spürte ich, wie die Anspannung langsam von mir abfiel. Der Schrecken aus dem Bus war verschwunden – zurück blieb nur das unbeschreibliche Gefühl, die absolute Kontrolle behalten zu haben.