Ich beschäftige mich gern künstlerisch/kunsthandwerklich und bin irgendwie in was "Soziales" gerutscht. Problem: das ganze ist eher durch Selbstabwertung/mangelnder Disziplin passiert. Ich wollte an eine Kunsthochschule, war aber in der Bewerbungsphase damals für die Illustrationsstudiengänge zu spät dran, und hab halt dann Kunstpädagogik gemacht. Studium erfolgreich abgeschlossen, trotz dem einen Semester überzogen (und den Workload von drei Semestern ins letzte geschoben wegen meiner kack Organisation. Geil.
Jetzt mach ich halt den Master in Kunstpädagogik, aber merke langsam, dass mir an der Pädagogik und auch an den Praktika nichts liegt. Ich bin nicht "sozial". Irgendwas handwerkliches wäre besser, glaube ich, soweit es da was gibt. Braucht man unbedingt etwas Pädagogisches, um sich als kreative/handwerklich begabte Person seine Existenz zu sichern? Ich habe das Gefühl, dass man als Frau dazu sozialisiert wird, solche Berufe aufzusuchen, und dann dazu gedrängt wird. Natürlich übernehme ich Verantwortung für meine anfängliche Studienwahl, aber irgendwie hasse ich gerade alles daran, und dachte am Anfang, ich wachse da rein. Ich kann mir nicht vorstellen, bis zur Rente "was mit Menschen" zu machen, oder meinetwegen schon, aber nicht hauptsächlich. Gleichzeitig denke ich mir, was sagt das über mich als Person aus, dass ich mich am liebsten verkriechen und irgendwas basteln will - soll man nicht anderen Menschen gegenüber aufgeschlossen sein wollen? Warum bin ich so "egoistisch"?
Ich habe meine adhs-Diagnose letztes Jahr bekommen und habe sogar das Gefühl, seitdem geht es nur bergab. Erst zwei Studienleistungen erbracht in diesem Master (wobei ich zwei Hausarbeiten wirklich mal schreiben sollte) und ich kann mich für nichts mehr begeistern. Ich nehme Medikamente und spüre nichts davon. Meine Organisation war schon immer furchtbar, und gerade fühle ich das so richtig, wobei das vermutlich nicht daran liegt, dass ich noch schlechter darin geworden bin, sondern dass ich es ja schon versuche, aber die Anforderungen an die Ordnung einfach steigen, wie das halt im Erwachsenenleben so ist.
Das Ding ist, wenn ich mich jetzt umorientiere, _muss_ ich strukturiert und diszipliniert sein. Ich darf nicht mehr "nett zu mir sein" oder "einsehen, dass ich neurodivergent bin". Ich muss, wenn ich es ernst meine, mehr machen als andere, die vielleicht jung in einen Beruf gehen. Bei Dingen, den ich leidenschaftlich nachgehe, zB handwerklichen oder künstlerischen Sachen, könnte das sogar gelingen, weil da kann ich mich verausgaben. Überhaupt hasse ich es, "halbe Sachen" zu machen, oder weiß gar nicht, wie das geht. Ich steiger mich immer in alles rein und wende dann halt auch drei mal so viel Energie auf wie andere.
Gleichzeitig frage ich mich, ob das mein ADHS ist - ich fange was an, versuche es mit aller Kraft, finde es dann richtig scheiße, und würde am liebsten hinschmeißen, und hasse mich dann selber dafür, dass ich so faul bin, aber das hilft auch nichts. Gleichzeitig hat meine eigentliche Menschenscheu vielleicht was mit meinem Autismus zu tun. Das sind keine Ausreden, ich weiß es nur selber nicht so genau.