Ich wurde letzte Woche in der Probezeit im ÖD gekündigt. Personalgespräch, Kündigung in die Hand, sofortige Freistellung, Arbeitsmittel abgeben, rausbegleitet, unter Schock.
OK, mit diesem Chef zu arbeiten wäre mittelfristig Gift für mich.
Die Einarbeitung war quasi nicht vorhanden. Vieles musste ich mir selbst beibringen.
Mir Aufgaben und Einarbeitungsziele aus medizinischem Grund schriftlich zu geben sei ein Sonderwunsch. Gleichzeitig hieß es:
„Der Arbeitsauftrag war ganz klar.“
„Das habe ich schon mal deutlich gesagt“
„Es nervt mich extrem, dass ich mich wiederholen muss.“
„Du musst funktionieren.“
Auf eine technische Erklärung kam: „Das ist dummes Geschwätz.“ Mehrfach sagte er: „Sei froh, dass du ne Freundin hast“ – um anzudeuten, wie schwierig er mich offenbar fand.
Meine Arbeit wurde vor Kollegen als schlecht bezeichnet. Vor seinem Urlaub bat ich schriftlich um Aufgaben oder Einarbeitungsziele. Keine Antwort.
Ich versuchte mich anzupassen: Arzttermine verschoben, Garagenstellplatz fürs Pendeln gemietet - jetzt zahle ich umsonst.
Mobiles Arbeiten musste ich ständig rechtfertigen. Während einer Sperrung hatte ich täglich zwei Stunden Arbeitsweg. Ein Rundschreiben sah großzügige Absprachen vor, meine Bitte wurde abgelehnt. Teilweise fuhr ich zwei Stunden, um neun Stunden allein im Büro zu sitzen.
Als die Klimaanlage ausfiel, nannte mein Chef das Büro eine „30-Grad-Dampfsauna zum Davonlaufen“ und wechselte ins klimatisierte Homeoffice. Für mich gelte das nicht, weil er dafür noch nicht „das Gefühl“ habe. Also schmorte ich allein weiter.
Schließlich schaltete ich den Personalrat ein. Mein Chef versprach Besserung: Erst Funkstille, dann Kündigung.
Ich wollte mehr Aufgaben, schneller produktiv werden und Verantwortung übernehmen. Meine Sorge war die langsame Einarbeitung.
Die Stimmung im Team war schlecht; Kollegen reden über Stellenwechsel oder Dienst nach Vorschrift.
Und trotzdem denke ich: Vielleicht war ich einfach nicht gut genug, obwohl mein letztes Arbeitszeugnis trotz höherer Anforderungen exzellent ist. Vielleicht war ich das Problem.
Ich habe das Gefühl, 250 % versucht zu haben – und es hat nicht gereicht.
Ich bin erleichtert, raus zu sein, und gleichzeitig verunsichert. Konkretes Feedback oder einen Kündigungsgrund gab es nicht. Was genau nicht gut genug war, werde ich wohl nie erfahren.
Ich habe sogar Medikamente genommen und heftige Nebenwirkungen ausgehalten, um besser zu funktionieren.
Rational ist die Kündigung eine Erlösung. Emotional bleibt: Du hast alles versucht und warst trotzdem nicht gut genug.
Also BIDA, weil ich meinem Chef und den Arbeitsbedingungen einen großen Teil der Schuld gebe – oder rede ich mir das nur ein, weil ich vielleicht einfach schwierig bin oder mich gar wie ein sozialunverträglicher Versager verhalten habe, ohne es zu merken?
Danke fürs Lesen.