Nehmen wir mal eine Familie mit 2 Erwachsenen und 3 Kindern im Alter von 4, 5 und 6 Jahren.
Die Familie hat:
1.000 € Kaltmiete
300 € Nebenkosten
200 € Heizkosten
3 Kinder
kein Erwerbseinkommen
777 € Kindergeld (3 × 259 €)
Nach der überschlägigen Rechnung kommt man auf einen Gesamtbedarf von ungefähr 3.600 € im Monat, wenn die kompletten Wohn- und Heizkosten berücksichtigt werden.
Und jetzt kommt für mich die interessante Frage:
Wie viel müsste ein Alleinverdiener verdienen, um einer fünfköpfigen Familie ungefähr denselben monatlichen Betrag zur Verfügung zu stellen?
Grob überschlagen reden wir von etwa 5.000–5.300 € brutto im Monat, je nach Steuermerkmalen und persönlicher Situation.
Also ungefähr 60.000–64.000 € Jahresbrutto.
Und genau hier frage ich mich:
Warum gehe ich eigentlich noch arbeiten?
Nicht falsch verstehen: Ich finde es selbstverständlich richtig, dass Familien in schwierigen Situationen Unterstützung bekommen. Kinder können nichts dafür, und ein Existenzminimum sollte abgesichert sein.
Aber wenn eine Familie ohne Erwerbseinkommen inklusive Kindergeld und übernommener Unterkunft auf ein Niveau kommt, für das ein Alleinverdiener grob über 60.000 € brutto im Jahr verdienen müsste, dann stellt sich für mich schon die Frage, ob die finanziellen Anreize zur Erwerbsarbeit noch richtig gesetzt sind.
Denn von den 5.000+ € brutto bleiben ja nicht 5.000+ € auf dem Konto. Davon gehen Steuern und Sozialabgaben ab. Und zusätzlich hat der Arbeitnehmer möglicherweise Fahrtkosten, Arbeitskleidung, Mittagessen unterwegs, Kinderbetreuung usw.
Wo ist also der finanzielle Abstand zwischen „nicht arbeiten“ und „arbeiten gehen“?
Außerdem: Ich verbringe meine Zeit dem meinen Kindern, wenn ich nicht arbeiten gehe.
Ist meine Rechnung zu vereinfacht? Welche Kosten oder Leistungen übersehe ich? Und wie groß ist der tatsächliche Unterschied zwischen einer solchen Bedarfsgemeinschaft und einem arbeitenden Alleinverdiener?